Pflanze der Woche, 13.-19. Januar 2025
Als die Getreidevorräte der Stadt zur Neige gingen, ordnete der Stadtrat den Bäckern an, alles zu nutzen, was verfügbar war: Zucker und jene Kerne, von denen jeder zehnte bitter schmeckte. Die Bäcker entwickelten daraufhin einen Teig, aus dem sie Brotlaibe formten – wahre Kalorienbomben, die bis heute beliebt sind. Die Energie stammte sowohl aus dem Zucker als auch aus den Kernen, die reich an Fett sind.
Diese Legende existiert in mehreren Variationen und spielt meist in verschiedenen Hansestädten des späten Mittelalters. Heute weiß man jedoch, dass die Ursprünge dieser Idee weit älter sind. Vermutlich stammt sie aus Persien und gelangte über die Araber nach Europa. Dabei spielten Städte wie Toledo und Venedig eine entscheidende Rolle.
Doch die Kerne bergen noch mehr als nur Energie: Einige von ihnen können ein Gift freisetzen, wenn sie feucht werden und ein Enzym aktiviert wird. Fatalerweise lässt sich nicht genau vorhersagen, welche Kerne – ein Baum trägt oft tausende davon – tatsächlich giftig sind. Es gibt sogar spezielle Züchtungen, bei denen nahezu jeder Kern giftig ist. Schon zehn dieser Kerne können, so heißt es, ein Kind schwer vergiften oder töten. Für Erwachsene sollen etwa 50 ausreichen – wobei diese Zahlen nicht gesichert sind.
Das Gift, das aus den Kernen freigesetzt wird, ist jedoch zweifellos tödlich. Ende des 18. Jahrhunderts wurde eine Methode entdeckt, es künstlich herzustellen: Der Entdecker von Sauerstoff und Stickstoff setzte eine bestimmte Farbe mit Schwefelsäure um, wodurch das Gift entstand. Besonders heimtückisch: Es handelt sich um ein Gas.
Seit den 1930er Jahren produziert die chemische Industrie das Giftgas im großen Maßstab – jährlich in tausenden Tonnen. Eine schreckliche Rolle spielte es im Holocaust: Die Firma Tesch & Stabenow lieferte mehrere Tonnen dieses Gases an die Nationalsozialisten, die allein in Auschwitz 900.000 Menschen damit ermordeten.
Heute wird das Giftgas in der Industrie zwar weiterhin in großen Mengen hergestellt, jedoch meist für friedliche Zwecke. Die Verbindung ist äußerst reaktionsfreudig und wird in der Herstellung vieler Kunststoffe, wie Plexiglas, verwendet. Zudem kann man mit ihrer Hilfe sogar Gold auflösen – ein nützlicher Prozess in der chemischen Industrie.
Doch zurück zu den Kernen: Je mehr Gift sie enthalten, desto aromatischer sind sie. Das Aroma entsteht, wenn die bittere Ausgangssubstanz der Kerne gespalten wird. Dabei wird zwar das Gift freigesetzt, aber eben auch ein feiner Duft. Bäcker schätzen diesen Effekt, da das Gift – ein flüchtiges Gas – beim Backen verdampft, während das Aroma zurückbleibt. Welch ein Glück!
Warum spielen Heino und Elfriede hier eigentlich keine Rolle? Von einem vergifteten Weihnachtsstollen kann keine Rede sein – die beiden haben Urlaub gemacht, und zwar in der Türkei. Dort genießen sie bei kühler Witterung die herrlich rosa blühenden Bäume – ein Anblick wie die japanische Sakura, nur wesentlich früher.
Wissen Sie, um welche Pflanze es sich handelt?
- Wie heißt sie?
- Welcher Teil der Pflanze wird gegessen – Perikarp, Mesokarp, Exokarp, Endokarp, Endosperm, Samenschale oder Embryo? Und warum ist es beim Pfirsich anders?
- Welche Farbe hatte die Substanz, die mit Schwefelsäure reagierte?
- Wie heißt das Gift?
- Und wie heißt der Aromastoff, der ungiftig ist?
- Blüht diese Pflanze auch bei uns schon?
- Woher stammt der Name des süßen Teigs?
Auflösung der letzten Pflanze der Woche („Sei doch kein Muselmann“): Coffea arabica, der Kaffeestrauch.
Unsere Fragen haben Elfriede und NhuDeng in aller Kürze richtig beantwortet.
Elfriede schrieb “ Kaffee, Kaffeestrauch,man trinkt in M/V bevorzugt „türkisch“, d.h. das Kaffeepulver wirde in der Tasse aufgebrüht
Mich regt Kaffee nicht an, ich kann nach dem Genuss schlafen wie immer.“






Und NhuDeng schrieb:
Brasilien ist der Hauptproduzent von Kaffee und Arabica- Kaffee die häufigste Sorte.
„Schweigt stille, plaudert nicht“ JS Bachs Kaffeekantate, 1734 im Zimmermannschen Kaffeehaus in Leipzig uraufgeführt.
Am Markt wurde auch 1701 das Collegium musicum gegründet.
Das ist richtig. Es ist das Zimmermannsche Kaffeehaus wurde übrigens im 2. Weltkrieg zerstört. Das älteste Kaffeehaus Leiptzigs steht aber noch, hat aber mit der Kaffeekantate nichts zu tun. Es ist das Haus „Zum arabischen Kaffeebaum“, seit 1711 wird hier Kaffee ausgeschenkt dort gibt es übrigens heute ein kleines Kaffeemuseum.
Sogar der Kanon „C-a-f-f-e-e“ wurde im Kaffeeland Sachsen erfunden. Um seine Schüler vom schädlichen Genuss des „braunen Türkentranks“ abzuhalten, komponierte ein besorgter Zittauer Musiklehrer den Kanon. Die Buchstaben des Begriffs »C-a-f-f-e-e« sind auch Namen von Musiknoten – genau die sechs Noten, die den Anfang des Kanons bilden.
Der Erzengel heißt Gabriel, nicht Sigmar. Sigmar Gabriel hat sicher auch gerne Kaffee getrunken.
Das gibt schon mal volle Punktzahlen. Lassen wir ganz spaßeshalber noch einmal Chat-GPT die Fragen beantworten. Während das Programmbei den ersten Fragen noch halbwegs richtig lag, wurde es dann mit den Fragen 4-6 recht lustig:
„ Wo wurde das Werk uraufgeführt, und was befindet sich heute in diesem Gebäude?
- Die „Kaffekantate“ wurde 1734 in Leipzig uraufgeführt. Das Gebäude, in dem sie aufgeführt wurde, war die Thomas-Kirche. Heute befindet sich dort eine Gedenkstätte für Bach und eine der bedeutendsten Kirchen Leipzigs, die nach wie vor für Konzerte und andere kulturelle Veranstaltungen genutzt wird.
Ein Kinderlied aus dem 19. Jahrhundert warnt vor dem Konsum der Droge. Wie lautet eine markante Tonfolge daraus?
- Das Kinderlied, auf das hier angespielt wird, ist das „Koffein-Lied“, das von den Gefahren des übermäßigen Kaffeekonsums warnt. Eine markante Tonfolge aus diesem Lied könnte die typische Melodie der ersten Zeilen sein, die oft in einem melancholischen, warnenden Ton gesungen wird.
Wie heißen Sigmar alias Gunter richtig, und um wen handelt es sich bei der erzählten Geschichte?
- „Sigmar alias Gunter“ ist eine humorvolle Anspielung auf Sigmund Freud. In der erzählten Geschichte handelt es sich also um eine fiktive Darstellung von Sigmund Freud (der als Sigmar bezeichnet wird) und einem weiteren berühmten historischen Charakter, Mohammed.
„
Weitere Pflanzen der Woche findet Ihr in unserem Archiv – seit 2016, ohne Auslassung, jede Woche eine.
4 comments on “Gefährliche Kernkraft”
Es handelt sich um (bittere) Mandeln, die Samen des Mandelbaums. Die gesuchte Farbe ist blau. Der Chemiker Carl Wilhelm Scheele ließ sogenanntes Berliner Blau, einen Eisen-Cyanid Komplex mit Schwefelsäure reagieren. Es entsteht u. a. Cyanwasserstoff, Blausäure genannt. Wurde u. a. unter dem Handelsnamen ZYKLON B ursprünglich zur Schädlingsbekämpfung entwickelt (flüssige Blausäure auf verschiedenen Trägermaterialien).Mandelbäume blühen auch bei uns.
Der Begriff des Gebäcks ist wohl vom althochdeutschen „stollo“ abgeleitet, d. h. Pfosten/Säule
Bei dem „süßen Teig“ geht es nicht um Stollenteig, allenfalls nur um einen Bestandteil davon.
Ich meinte ja auch Marzipanstollen. 😉
Gut, also Marzipan, stammt eventuell vom italienischen marsapane. Ansonsten gibt es mehrere Versionen.
Ach so, der Aromastoff ist Benzaldehyd, entsteht neben Blausäure und Glucose beim enzymatischen Abbau von in bitteren Mandeln bis zu 5 % enthaltenen Amygdalin.
Benzaldehyd-das ist das Zeug, das auch in den kleinen Backaroma-Röhrchen „Bittermandel“ drin ist. Ich finde, dass das nur teilweise an echtes Mandelaroma rankommt. Es fehlen doch ein paar Komponenten, die das Aroma „ rund“ machen. Schmeckt dann irgendwie nach sowas wie zwischen Leuna und Hallorenkugel. Meine Eltern haben mir erzählt, damit hätten sie in der Nachkriegszeit „Marzipankartoffeln“ gemacht. Man nehme Kartoffelbrei, ausreichend Puderzucker, Mandelbackaroma ( eben dieses aus Benzaldehyd), Semmelbrösel, Margarine und viel Puderzucker. Das wird alles zusammengemengt, Kugeln geformt und in Kakaopulver gewälzt ( wo fanden die das?).
Wir haben es später ausprobiert. Nu ja. 🤮