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Feuer in den Redaktionsräumen

Angestellte leicht verletzt – geistesgegenwärtige Reaktion der Mitarbeiter. Als Ursache wird eine „Pflanze der Woche“ vermutet. (8.-14. September 2025)

Meterhoch schossen die Flammen bis an die Decke.
Panik brach in der Redaktion aus. Geistesgegenwärtig griff Heino nach dem fackelnden Strauß aus der Vase, riss das Fenster auf und schleuderte das lodernde Bündel auf die Straße.

Nixi war ihm zu Hilfe geeilt – unglücklicherweise streifte sie dabei die scharfkantigen, schilfartigen Blätter des brennenden Busches. Das tat furchtbar weh und ließ ihr Gesicht bluten. Schlimmer hatte es Heino erwischt: seine Haartolle fing Feuer, und er wird nun wohl eher zum Friseur als ins Krankenhaus müssen.

Was war geschehen? Eigentlich sollte es nur eine kleine Redaktionsfeier werden. Auf dem Tisch standen Gestecke, als zentrale Zierde ein überdimensioniertes Arrangement dieser wirklich imposanten Pflanze. Da es schon dämmrig war und fast schon eine Halloween-Stimmung herrschte, kam Assistentin Pampi auf die Idee, Kerzen dazuzustellen. Explosionsartig griff das Feuer auf die trockenen Büschel über.

Heino riss das ganze, wie eine Fackel lodernde Bündel aus der Vase und warf es hinaus auf den Balkon. Ein Geschrei, alle in Panik. Zum Glück ließen sich die kleinen Brandnester auf dem Linoleumboden austreten, und als die Feuerwehr erschien, war die Gefahr bereits gebannt. Nixi aber musste mit Schnittwunden ins Krankenhaus, während Heino – welch Wunder – mit versengten Haaren davonkam.

„Scheißgefährlich, sowas!“, sagte man später. „Scheißgras!“ – „Ich anderes Gras lieber“, meinte Praktikantin Marie-Chuan und steckte sich erstmal eins an.
„In manchen Ländern sind diese Pflanzen sogar verboten, weil sie sich ungebremst ausbreiten“, warf ein anderer ein. „Meine Eltern hatten sie im Garten – wir Kinder fanden die hohen Büschel großartig. Aber mein Vater hat sie gern angezündet, weil er keine Lust hatte, jedes Frühjahr mit der Heckenschere zu schnippeln.“ – „Klar“, lachte ein Dritter, „du bist ja in der Pampa aufgewachsen.“

Fragen an unsere Leserinnen und Leser

  • Waren es die Blüten – oder doch eher die Samenstände –, die hier so leicht entflammten?
  • Wie heißt diese Pflanze, und woher stammt sie ursprünglich?
  • Wovon genau rühren die Schnittwunden in Nixis Gesicht?
  • Und ist es eine gute Idee, solche Büschel einfach anzuzünden, statt sie ordentlich zurückzuschneiden?

Auflösung der letzten Pflanze der Woche (Wenn Bastarde versuchen, Blau zu machen): Bastard-Indigo (Amorpha fruticosa L.)

Schade, unser Rati hatte die Frage nach dem Halleschen Botaniker Sprengel richtig beantwortet – aber lag dann in der Bestimmung leicht daneben. Wahrscheinlich war das „Blaumachen“, jene tatsächlich beeindruckende Färbetechnik, so faszinierend, dass er auf den echten Indigo schloss. Der war es aber nicht – denn wie Hei-Wu einwarf, wächst diese tropische Pflanze hier nicht.
Die gesuchte Pflanze ist der Bastard-Indigo (Amorpha fruticosa L.), ein aus Nordamerika stammender Strauch aus der Familie der Schmetterlingsblütler (Fabaceae). Er wächst bevorzugt an Flussufern, Auwäldern und in Ufergebüschen und ist in vielen Teilen Europas eingebürgert. Er wächst auch in Halle – so beispielsweise am „Kanal“ in Halle oder auch als Böschungspflanze an der B80.

Namensbedeutung:
Der Gattungsname Amorpha kommt aus dem Griechischen („a-“ = ohne, „morphē“ = Gestalt) und bedeutet „gestaltlos“ oder „unförmig“. (Die Bezeichnung „staudige Unstalt“, wie sie in der Illustration von Vietz (s. Abbildung) verwendet wird, ist ebenso eine deutsche Rückübersetzung des von Linne gewählten Namens). Dies spielt auf die unvollständige Blüte an, der im Gegensatz zu typischen Schmetterlingsblütlern das „Schiffchen“ und die „Flügel“ fehlen.
Der Artname fruticosa ist lateinisch und heißt „reichlich strauchartig“ oder „buschig“.

Herkunft und Einbürgerung:
Ursprünglich in den östlichen und zentralen Regionen Nordamerikas verbreitet, wurde der Strauch seit dem 18. Jahrhundert als Zierpflanze nach Europa eingeführt. Wegen seiner späten, farblich reizvollen Blüte und seiner Anspruchslosigkeit an den Boden wird er bis heute angepflanzt, hat sich aber auch an vielen Gewässern verwildert.

Zum Thema „Blau machen“:
Der Bastard-Indigo enthält zwar Farbstoffe, die mit dem echten Färber-Indigo (Indigofera tinctoria) verwandt sind ( Indican, das im echten Inigo zu Indoxyl gespalten und dann zu dem blauen Indigo oxidiert wird) Allerdings nur in sehr geringer Konzentration. Ein kräftiger, haltbarer Blauton lässt sich daraus nicht gewinnen. In älteren botanischen Werken wird zwar erwähnt, dass sich eingeweichte Blätter und Zweigspitzen im Wasser verfärben und leicht gären, doch war die Ausbeute für jede praktische Färberarbeit unbrauchbar. Heino und Nixi konnten also im wörtlichen Sinn gar nicht „blau machen“ – und im übertragenen Sinn nur zum Spaß.

Zu Kurt Sprengel:

Professor Kurt Polycarp Joachim Sprengel (1766–1833) war ein deutscher Botaniker und Mediziner, Professor an der Universität Halle und Mitglied mehrerer wissenschaftlicher Gesellschaften. Er verfasste grundlegende botanische Lehrwerke und schrieb das Vorwort zum 1802 erschienenen „Vollständigen Lexikon der Gärtnerei und Botanik“ von Friedrich Gottlieb Dietrich. Sprengel wohnte in Halle in der Nähe des botanischen Gartens, in dem eigens für ihn errichtetem Haus (heute Jägerplatz 24). Das Haus selbst ist nicht mehr erhalten; heute befindet sich dort die Jägerplatzschule, 1910 wurde es als Provinzial-Taubstummen-Anstalt eröffnet.

Rati schrieb dazu noch das Folgende, was wir nicht wussten: Prof. Kurt Sprengel (1766 – 1833) begann sein Studium der Theologie und Medizin an der Universität Halle. Er promovierte 1787 in Medizin und wurde 1795 zum ordentlichen Professor für Medizin ernannt. Wenige Jahre später erhielt er zusätzlich eine Professur für Botanik und wurde gleichzeitig Direktor des Botanischen Gartens in Halle. Sein Werk „Versuch einer pragmatischen Geschichte der Arzneikunde“ war ein medizinhistorisches Standardwerk seiner Zeit.
Sprengel leistete wichtige Beiträge zur Botanik, insbesondere zur Anatomie und Systematik von Pflanzen. Seine Arbeiten umfassen die „Historia rei herbariae“ und die „Flora Halensis“, die sich mit der lokalen Pflanzenwelt Halles befasste. Die Pflanzengattung Sprengelia (aus der Familie der Heidekrautgewächse) wurde ihm zu Ehren benannt.

In Halle ist eine Straße im Paulusviertel nach ihm benannt.

Weitere „Pflanzen der Woche“ findet Ihr in unserem Archiv – alle, seit 2016.

One comment on “Feuer in den Redaktionsräumen”

  1. Pampasgras?

    Pampasgras hat Widerhaken an den Kanten und ist sehr scharfkantig. Bei Pampasgras wird die einschneidende Wirkung durch eine Zahnung an den Rändern verstärkt.

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