L‘ Amour Toujours

8. Juli 2024 | Bild der Woche | 2 Kommentare

Wieder so ein merkwürdiges Bild. Es lässt sich zeitlich nicht genau einordnen. Etwas von Renaissance, etwas 19. Jahrhundert, irgendetwas zwischen Raffael, Cranach und Email-Reklameschild. Und der rotbraune Hintergrund mit den Fliegefiguren – könnte das Bild aus Pompeji stammen? Und dann sieht man da Blumen. Richtig, es ist wieder Montag, und hier ist wieder die Pflanze der Woche.

In Gigi d’agostinos „l’amour toujours“ geht es ja auch viel ums Fliegen, und eben um Liebe. Die reizende Dame im Vordergrund – unzweifelhaft auch ein erotisches Symbol, so mit den Blumen in der Hand, wo man ja gleich an eine der in der Kunstwelt beliebtesten Szenen im neuen Testament denkt: die Verkündingung der Schwangerschaft Mariens – was theologisch gesehen allerdings eine ziemlich unerotische Angelegenheit gewesen sein soll. Angeblich.  Der Künstler hat die Liebesblume, die die erotisch umschwärmte Dame in der Hand hält, vielleicht nicht ganz korrekt gemalt.Der Schöpfer des Werkes, bei dem es sich um einen gewissen Karl Immanuel handeltn soll ( so deuten Experten seine Signatur „K.I.“) hat sich schon gut an zeitgenössische Beschreibungen gehalten, so dass man die Pflanze schon recht gut identifizieren kann.

Als die Sklaven in Pompeji die roten Wände mit fliegenden Figurengruppen bemalten, war diese Pflanze dort mit Sicherheit unbekannt. Und auch in der Renaissancezeit, als die Cranach-Werkstätten unzählige Holztafeln mit blond-krausgelockten jungen Damen bemalten, kannte hier noch niemand diese Liebesblume. Deren  Heimat liegtnämlich  jenseits des Äquators, und erste Exemplare tauchten erst Ende des 17. Jahrhunderts in den Barockgärten Europas auf. Dort wurden sie schnell be“liebt“, was ihrem heutigen namen schon Nahe kommt. Lateinisch nannte man sie Crinum und im Namenszusatz (dem Art-Epitheton) nahm man auf ihre geographische Herkunft bezug. Ihren heutigen wissenschaftlichen Namen erhielt die Blume erst in dem botanischen Werk „Hortus Kewensis“ von 1789. William Aiton, der in seinem dreibändigen Katalog der berühmten Königliche-Botanischen Gärten auch diese Pflanze beschrieb, nannte sie „Liebesblume“. Allerdings  in dem damals in Gelehrtenkreisen „chick“ gewordenen Altgriechisch (also nicht Latein). Den Gattungsnamen trägt sie heute noch, während das Art-Epithon wiederum ein Lateinisches ist, und   darauf hinweist, dass sie am Heimatstandort frühblühend ist. Die Pflanze wird in Deutschland vorwiegend in Kübeln gehalten, zum Überwintern bringt man sie besser ins Haus. Bei guter Pflage können die Knollen mehrere Jahrzehnte überleben.

Und hier sind nun unsere Fragen:

zum welche Pflanze handelt es sich?
Wo steckt die Liebe im Namen ?
Was sind das für Fliegemänner im Hintergrund?
Hortus Kewensis: bedeutet das „Kewins Garten“?

Auflösung der letzten Pflanze der Woche „die braune Saat ist aufgegangen“: Brauner Senf, Brassica juncea

(Aus Köhlers Medizinalpflanzen)

 

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