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Einfach grotesk: Teller, Löffel, Hasi und der „vierte Stil“

Pflanze der Woche, 10.-16. November 2025

„Teller, Löffel, Hasi“ – das war der feierliche Beginn einer der legendären Afterwork-Runden in der Redaktion. Ein bisschen ausgelassene Halloween-Stimmung hing noch in der Luft, als das Gespräch plötzlich auf Heinos Fahrradunfall vor ein paar Jahren kam. „Du weißt schon, der gegen den Baum des Jahres geprallt ist“, witzelte jemand. „Und unser Hasi hat neulich auch so einen Jahresbaum gepflanzt, haha. Neophyten-Hasi!“ Der Ministerpräsident, auch bekannt als „Hasi“, hatte sich wieder in den Zoo von Halle begeben, um dort einen Baum des Jahres zu pflanzen. Sie reichten ein Foto von Heinos Baum herum – besser gesagt, von der Baumscheibe, auf der er wuchs. „Ach, schau mal, da ist ja Grünzeug für unseren Hasi“, witzelte Heino und zeigte auf eine Pflanze, die in der linken oberen Ecke des Bildes zu sehen war.

„Auf der Baumscheibe blüht ein Neophyt!“, sagte John Clayton und nahm das Bild genauer in Augenschein. „Damit Hasi auch im Winter was zu knabbern hat“, fügte er hinzu. Darauf gab’s einen Cuba Libre. „Aki Posteleinen, ist noch etwas von diesem köstlichen Spinat da?“ fragte er. „Tellerweise“, kam es zurück. Auf dem Tisch war eine Etagere aufgebaut, eine Sammlung von Tellern, die von wackeligen Stilen getragen wurden.

„War eigentlich schon mal jemand von euch in Kuba?“, fragte jemand. „Was ist denn nun mit dem Spinat?“

„Das sieht mir aber nicht nach Teller aus, das sind doch eher Löffel“, stellte Heino fest, als er ein junges Blatt zwischen den Fingern hielt. „Ziemlich fett, oder?“

„Als wir damals in Klondyke gegraben haben, gab’s das jeden Tag“, sagte John Clydon.

„Oh, nicht schon wieder die Goldgräbergeschichte…“

„Ja, aber wenn ich’s sage“, antwortete Clydon und grinste.

„Über zwölf Grad mag das Grünzeug gar nicht“, meinte Aki Posteleinen. „Wächst sogar bei uns in Finnland.“

„Aus meinem Teller wächst eine Blüte!“, rief Heino. „Du hast ein bisschen zu viel Intus, Alter! Und daraus wächst wieder ein Teller! Und wieder eine Blüte!“, rief er und starrte verdutzt auf die Etagere, die mitten im Raum zu wachsen schien. „Vierter Stil“, bemerkte Professor Claydon, völlig nüchtern, als würde es nichts Ungewöhnliches sein.Er starrte die Wand an, mit ihrer merkwürdigen Dekoration. „Absolut grotesk“, wenn nicht sogar grottig“, bemerkte er dazu.

„Was für ein vierter Stil? Ich sehe ganz viele Stile!“, entgegnete jemand, und dann sprach auch Clydon: „Und daraus wächst eine Blüte. Eine sehr durchwachsene Angelegenheit.“

Nun, lassen wir die Kollegen weiter wirren – und kommen wir zu den Fragen.

Fragen zum Rätsel:

  1. Um welche Pflanze geht es hier, die sich in einem winterlichen Umfeld behaupten kann?
  2. Was bedeutet „durchwachsen“ in diesem Zusammenhang?
  3. Welche vielen Namen hat diese Pflanze? (Einige wurden im Text angedeutet.)
  4. Kann man diese Pflanze jetzt, im November, noch aussäen?
  5. Was meint John Clayton mit dem „vierten Stil“?
  6. Die Maler, die im „vierten Stil“ arbeiteten – hätten sie diese Pflanze gekannt?
  7. Woher kommt die Idee, diese Pflanze mit der Wanddekoration des vierten Stils in Verbindung zu bringen?
  8. Warum nennt Clayton die Wanddekoration „grotesk“?

Auflösung der letzten Pflanze der Woche („Die Dame im falschen Wald“): Wilde Malve, Malva sylvestris.

NhuDeng kannte die verirrte Dame natürlich. Er schrieb: „Ich liebe sie die Wilde Malve.
Die Wilde Malve (Malva sylvestris), auch Große Käsepappel und Rosspappel genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Malven (Malva) innerhalb der Familie der Malvengewächse (Malvaceae). Ihr deutscher Trivialname Käsepappel hat nichts mit der Pappel zu tun, sondern bezieht sich auf die käselaibförmigen, schleimhaltigen Früchte, aus denen früher Kinderbrei (Papp) zubereitet wurde.“


Wilde Malve, Pappelmalve, Käsepappel

Die Pflanze, die Heino im Traum begegnete, ist die Wilde Malve (Malva sylvestris), eine Vertreterin der Malvengewächse (Malvaceae).
Der Artname sylvestris (eigentlich silvestris) bedeutet „im Wald wachsend“ – von silva, der lateinische Wald. Das in der Renaissance eingefügte „y“ sollte gebildeter, griechischer klingen – ein modischer Zierrat also, der sich bis heute gehalten hat.

Morphologie und Bestäubung

Die Wilde Malve ist eine zweijährige bis ausdauernde krautige Pflanze mit rundlichen, tief gelappten Blättern und auffälligen, purpurrosa Blüten, die dunkle Streifen tragen.
Diese Adern sind Nektarführungen – und genau dort landet die Hummel, wenn sie die Pflanze besucht.
„Vormännlich“ bedeutet hier: Zuerst reifen die Staubblätter, dann die Griffel – so wird Selbstbestäubung vermieden, und der Blütenstaub wird von Insekten weitergetragen.

Früchte und Name „Käsepappel“

Nach der Befruchtung bildet sich eine runde Spaltfrucht, die aus vielen kleinen Teilfrüchtchen besteht – sie sehen aus wie ein winziger Käselaib. Daher der volkstümliche Name „Käsepappel“. Die Kinder nannte man scherzhaft „Dreikäsehochs“ – eine Anspielung auf diese kleinen Käserädchen und auf die winzige Körpergröße.

Schleimstoffe und Heilwirkung

Die Pflanze enthält reichlich Schleimstoffe – besonders in den Blättern und Blüten. Diese dienen der Pflanze als Wasserspeicher und Schutz gegen Austrocknung, wirken aber auch lindernd und reizstillend auf menschliche Schleimhäute.
Seit der Antike wurde Malve bei Husten, Entzündungen und Magenbeschwerden eingesetzt.
Ihre zarten Blüten färben Tees violett und sind noch heute in vielen Kräutermischungen zu finden.

Kulturgeschichte und Kunst

Die Malve galt in der Antike als Symbol milder, weiblicher Heilkraft – eine Pflanze der Sanftmut. Und welcher Künstler hatte nun unsere KI inspiriert, das Beitragsbild zu malen? Natürlich: „Der Maler könnte Gustav Klimt sein“, schrieb unser Leser Midas. Zumindest hat die KI hier eine Anleitung in Form einer „LoRA“ verarbeitet, die mit Werken von Gustav Klimt trainiert worden war.

Weitere „Pflanzen der Woche“ findet Ihr in unserem Archiv – alle, seit 2016.

One comment on “Einfach grotesk: Teller, Löffel, Hasi und der „vierte Stil“”

  1. Gewöhnliches Tellerkraut, auch Winterportulak genannt. AUssähen kann man die Pflanze im November. Die Samen des Telelrkrauts keimen erst bei einer Temperatur unter 12 °C. SIe werden in der Zeit von September bis März ausgesät (daher Winterportulak).

    Alles was mit Clayton zu tun hat, können sehr gern die anderen regen Teilnehmer beantworten. 🙂

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