Pflanze der Woche, 26. Januar – 1. Februar 2026.
Das Foto hatte irgendwo zwischen den Kochbüchern gesteckt, es rutschte heraus, als sie das Buch mit den Fischrezepten herausnehmen wollte. Lachs, hatte sie sich gedacht, Heino mag den doch. Sie musste unwillkürlich an Heiner Lauterbach denken. Unvergesslich, wie er auf die Frage nach seinem Lieblinggericht irgendeinem Reporter etwas von „Lachsfisch mit Spinat“ erzählte. Nee, mit Spinat würde sie es nicht machen. Sie hatte eigentlich vor, diese Beeren zu nehmen, die noch von der letzten Weihnachtsdeko übrig waren. Sie hatte gelesen, dass man die als Gewürz nehmen kann. Die alte Weihnachtsdeko. Warum nicht, grinste sie. Das Grinsen erstarrte jäh – vor Schreck. Und dann Wut, und Fragen.
Das Foto zeigte unzweifelhaft Heino. Vielleicht wenige Jahre jünger, aber es konnte nicht lange her gewesen sein, bevor sie (Nixi) mit ihm zusammengekommen war. Er in einer Küche, mit den Händen fuchtelnd, und dann diese feurige Brasilianerin, die genau das über genau den Fisch !! streute. Im Hintergrund lachende, schöne Frauen, „offenbar nach seinem Geschmack.“
„Sag mal, scheint eine ziemlich fröhliche Party gewesen zu sein, damals“, fragte sie ihn, als er zur Tür hereinkam.
„Kenn ich die?“
„Warum hast du mir von der nicht erzählt? Vor mir und Elfriede gab es da noch wen?“
„Eh, nee, eher zeitgleich mit Elfriede…“
„Das war nur Urlaub..? Muss ja ein merkwürdiger Urlaub gewesen sein.“
„Brasilien“, druckste er herum.
„Und die ‚Köchin‘?“
„Ach was.“
„Und was machst du da?“
„Ich sage ihr, dass das giftig ist, was sie da drauf streut. Ich habe ihr das Leben gerettet.“
„Ach, und als Dank gab es dann eine frivole Party? Die Geschichten kannst du deiner Oma erzählen“, fuhr sie Heino an.
„Nein, die Beeren da sind wirklich giftig“, versuchte Heino, das Thema abzulenken.
„Ich wollte eher etwas über diese Schönheit des Südens erfahren, die Du mir verschwiegen hast! Dieses Früchtchen“
„Äh ja, genau, hier steht’s, kannst nachlesen, im Internet“, stotterte Heino.
„Im Frühjahr werden viele kleine weiße Blüten ausgebildet, die an 10–25 cm langen Rispen sitzen. Zum Sommer hin bilden sich daraus hellgrüne Früchte, die sich bis zur Reife von hellrosa bis pink verfärben. Sie sind Pfefferkorngroß, aber leider nicht essbar – sondern giftig. Dafür bleiben sie sehr lange am Zweig hängen und werden in den Tropen als Weihnachtsschmuck abgeschnitten.“
„Und hier, kannst du es sogar in Wikipedia nachlesen“, triumphierte er nach langem Googeln.
„Einige Zeit nach dem Verzehr können Schleimhautreizungen auftreten. Hauttests mit Cardanol erwiesen starke hautreizende Wirkung mit langer Latenzzeit. Vermutlich können von den Früchten ausgehende Dämpfe Kopfschmerzen, Schwellungen der Augenlider und Atmungsdepressionen hervorrufen. Obwohl nach Schwenker & Skopp nach Selbstversuchen und Verwendung als Gewürz keine Reizwirkung von der Pflanze ausging, sollte sie als giftig betrachtet werden.“
„Das ist doch totaler Quatsch, so eine Großmuttergeschichte. Das Zeug habe ich gerade…“, blaffte sie ihn an.
„Etwa von der Weihnachtsdeko vom letzten OB-Empfang in der Redaktion?“ unterbrach er sie.
„Nein“, schwindelte sie ihn jetzt an. „Ganz normal, ganz legal aus dem Gewürzregal im Supermarkt“, log sie ihn an.
Sie hielt ihm den Mörser mit den zerstoßenen Beeren hin. Er probierte vorsichtig.
„Ui, ganz schön scharf.“
„Wie so scharf wie diese Dame da auf dem Bild?“
„Nee, ätzend. Wie Seife, Tannennadeln und Zitronenduftbaum.“
„Du hast sie nicht alle!“
Fragen an die Leser
Was sind das für „scharfe Früchtchen“?
Woher stammen sie?
Und sind sie wirklich giftig?
Wird Heino nach Verzehr des Fisches sterben?
In Florida wurde die Anpflanzung verboten. Warum?
Auflösung der letzten Pflanze der Woche (Ob der OB zum Empfang kommt ?“): Ackerschmalwand, Arabidopsis thaliana.



Rati hatte es raus: Die Pflanze der Woche war Ackerschmalwand (Arabidopsis thaliana).
Wissenschaftliche Auflösung
Gesuchte Pflanze
Gesucht war die Acker-Schmalwand (Arabidopsis thaliana).
Herkunft und Vorkommen
Arabidopsis thaliana ist eine einheimische Pflanze der gemäßigten Klimazonen Eurasiens.
Ihr natürliches Verbreitungsgebiet reicht von Nordafrika über Europa bis nach Ostasien.
In Mitteleuropa ist sie seit vorgeschichtlicher Zeit als Ackerbegleitpflanze verbreitet und gilt als typisches Wildkraut offener, sandiger und gestörter Standorte.
Systematische Einordnung
- Familie: Kreuzblütler (Brassicaceae)
- Gattung: Gänsekressen (Arabidopsis)
- Art: Arabidopsis thaliana
Der deutsche Name „Acker-Schmalwand“ bezieht sich auf die flach zusammengedrückten Schotenfrüchte.
Morphologie in Kürze
Die Pflanze ist einjährig bis zweijährig, niedrig wachsend und unscheinbar.
Sie bildet eine Blattrosette, kleine weiße vierzählige Blüten und schmale Schoten mit zahlreichen Samen.
Die Samen bleiben lange keimfähig und ermöglichen schnelle Vermehrung.
Bedeutung als Modellpflanze
Seit den 1940er Jahren dient Arabidopsis thaliana als Modellorganismus der Pflanzenbiologie. Friedrich Laibach beschrieb erstmals systematisch ihre Eignung als Versuchspflanze.
Ihre Vorteile:
- sehr kleines, diploides Genom
- nur fünf Chromosomenpaare
- kurzer Generationszyklus von etwa acht Wochen
- einfache Kultivierbarkeit auf kleinem Raum
- Selbstbestäubung ermöglicht stabile Linien
- große Verfügbarkeit genetischer Mutanten
- leichte genetische Manipulierbarkeit
Aufgrund dieser Eigenschaften wird Arabidopsis thaliana oft als „Fruchtfliege der Botanik“ bezeichnet.
Friedrich Laibach:
Rati schrieb: Friedrich Laibach (1885–1967) war ein deutscher Botaniker und Genetiker und gilt als einer der Begründer der Forschung an Arabidopsis thaliana (Ackerschmalwand).
Weniger bekannt ist: Friedrich Laibach war bereits 1933 der NSDAP beigetreten, er wurde in Folge von 1934 bis 1945 Ordinarius und Direktor des Botanischen Instituts der Goethe-Universität Frankfurt. Hier übernahm in diesen Jahren auch hochschulpolitische Führungsaufgaben als Leiter der Dozentenschaft. Nach dem Ende des Regimes wurde er 1945 aus politischen Gründen entlassen. Ab 1946 arbeitete er als Leiter des biologischen Forschungsinstituts in Limburg weiter.
DNA-Sequenzierung
Im Jahr 2000 wurde die vollständige Genomsequenz von Arabidopsis thaliana veröffentlicht.
Dies war die erste vollständig entschlüsselte Genomsequenz einer höheren Pflanze.
Seither dient sie als Referenz für die Erforschung pflanzlicher Gene und Stoffwechselwege.
Forschung im Weltraum
Rati schrieb: „Arabidopsis war eine der ersten Pflanzen, die im All gekeimt, geblüht, Samen gebildet und daraus wieder neue Pflanzen hervorgebracht haben u. a. auf Mir, ISS und in Space-Shuttles. Untersuchungsgegenstand waren, wie Pflanzen Schwerkraft wahrnehmen, also was ohne Schwerkraft mit Wurzeln, Stängeln und Zellwachstum passiert. Arabidopsis war die erste Pflanze, deren Genaktivität in der Schwerelosigkeit vollständig analysiert wurde und sie dient als Testmodelle für eine „Weltraum-Landwirtschaft“.
Zusammenfassung
Arabidopsis thaliana ist:
erprobt in Weltraumexperimenten
eine einheimische Wildpflanze Mitteleuropas
Angehörige der Gänsekressen
aufgrund ihrer Eigenschaften wichtigste Modellpflanze der modernen Pflanzenbiologie
vollständig genomsequenziert
Ratisays:
Weitere „Pflanzen der Woche“ findet Ihr in unserem Archiv – alle, seit 2016.
2 comments on “Eine rosa Verführung”
K1
Bei den Beeren auf dem Bild handelt es sich um die Früchte des Brasilianischen Pfefferbaums (Schinus terebinthifolius), die auch als Rosa Pfeffer oder Rosa Beeren bekannt sind.
Pflanzenart: Obwohl sie „Pfeffer“ genannt werden, sind diese Beeren kein echter Pfeffer (Piper), sondern gehören zur Familie der Sumachgewächse (Anacardiaceae).
Herkunft und Verwendung: Die Pflanze stammt ursprünglich aus Südamerika und wird heute weltweit in wärmeren Regionen angebaut. Die Beeren werden oft in Pfeffermischungen verwendet, um einen milderen, fruchtigen Geschmack zu erzielen.
Dekoration: Aufgrund ihrer leuchtend roten Farbe und der Form der Zweige werden sie in Lateinamerika traditionell auch als Weihnachtsschmuck verwendet, weshalb sie manchmal „Weihnachtsbeeren“ genannt werden.
Nein Heiko wird vermutlich nicht sterben.
Bei KI gefunden:
Bei den Beeren auf dem Bild handelt es sich um die Früchte des Brasilianischen Pfefferbaums (Schinus terebinthifolius), die auch als Rosa Pfeffer oder Rosa Beeren bekannt sind.
Pflanzenart: Obwohl sie „Pfeffer“ genannt werden, sind diese Beeren kein echter Pfeffer (Piper), sondern gehören zur Familie der Sumachgewächse (Anacardiaceae).
Herkunft und Verwendung: Die Pflanze stammt ursprünglich aus Südamerika und wird heute weltweit in wärmeren Regionen angebaut. Die Beeren werden oft in Pfeffermischungen verwendet, um einen milderen, fruchtigen Geschmack zu erzielen.
Dekoration: Aufgrund ihrer leuchtend roten Farbe und der Form der Zweige werden sie in Lateinamerika traditionell auch als Weihnachtsschmuck verwendet, weshalb sie manchmal „Weihnachtsbeeren“ genannt werden.
Nein Heiko wird vermutlich nicht sterben.
Der Brasilianische Pfefferbaum (
Schinus terebinthifolius) ist in Florida verboten, da er als hochgradig invasive Art (Kategorie I) einheimische Ökosysteme, insbesondere die Everglades, durch extrem schnelle Ausbreitung verdrängt und zerstört. Er wird als gefährliches Unkraut eingestuft, weshalb Anbau, Verkauf und Transport im gesamten Bundesstaat illegal sind.