Pflanze der Woche, 3.-9. November 2025
Unser Heino war einmal wieder von der holden Weiblichkeit verzückt.
Leise trat er auf sie zu, die Schöne, die er so anmutig im Wald stehen sah.
„Holla, schöne Dame, wer hat dich denn hier in den einsamen, dunklen Wald gesteckt?“ fragte er, wie immer, ziemlich dreist.
Ein goldgelber, schlanker Körper ragte kerzengerade aus dem feinen, purpurfarbenen Kleid heraus, das sie eher umgab als umhüllte. Auf ihren goldenen Haaren glänzten noch einige helle, kleine Perlen, die herabzufallen drohten.
„Na, mit der jungen Dame haben Sie nicht ganz recht“, sagte sie. „Ich bin vormännlich.“
„Aha“, lästerte Heino, „dann heißen Sie vielleicht Svenja – und vorher Sven?“
„Werden Sie nicht unverschämt! Das ist ein botanisches Missverständnis. Mit diesen Pappeln da drüben habe ich nichts zu schaffen“, sagte sie und wies auf die Bäume, die schon ihr gelbes Herbstlaub fallen ließen. „Ich gehöre überhaupt nicht in den Wald. Da haben mich namensgebenderweise diese blöden Botaniker hineingesteckt. Ich bin sommerlicher, ja sogar spätherbstlicher Blütenschmuck! Und dann können die nicht einmal richtig Latein. Seit wann schreibt man silva, also Wald, mit Ypsilon?“
Ein Dröhnen näherte sich. Heino duckte sich unter einen umgestürzten Ast. „Drohnenangriff!“, rief er.
Doch es war keine Drohne, sondern eine fette Hummel, die brummend Staub über die Dame warf. Ihre wohlgeformten Griffelspitzen glänzten plötzlich feucht.
„Jäh!“, stöhnte sie – und lachte. „Haha! Das werden viele kleine Dreikäsehochs! Mal sehen, von wem – die dicke Hummel verrät mir das ja nie.“
Heino starrte sie an: so stand sie da, wie gemalt, im Halbdunkel. Ihre goldenen Haare, dieser Schmuck…
„Wer hat dich denn so schön gemacht?“ stammelte er.
„Werde nicht schleimig“, sagte sie, „das ist meine Sache. Der Onkel Gustav war’s.“
Dann war sie verschwunden, und Heino wachte mit pochendem Herzen auf. Ein Traum, dachte er – oder doch nicht?
Fragen an unsere Leserinnen und Leser:
- Wer ist diese Schönheit, die gar nicht in den Wald gehört?
- Ist das Ypsilon in ihrem Namen eigentlich richtig?
- Und was bedeutet „vormännlich“?
- Wer sind die „Dreikäsehochs“?
- Was hat es mit der Bemerkung über den Schleim auf sich?
- Und welcher Gustav war der Maler, der sie so herrlich hätte malen können?
Auflösung der letzten Pflanze der Woche (Der Brief aus dem Osten) : Kiwibeere, Scharfzähniger Strahlengriffel, Actinidia arguta
Die richtige Kandidatin hatte Gork vom Ork gefunden. Er schrieb: „Scharfzähnige Strahlengriffel, auch Kiwibeere oder Honigbeere genannt. Die Pflanze ist ist auf den Kurilen, Sachalin, in Japan, Taiwan, Korea, und Zentralchina verbreitet. Später begann in Kiew die Sortenzüchtung. Die Benennung der Beere nach dem Kiwi hat ihren Ursprung in1959, als die kleine Frucht nach dem Nationalvogel Neuseelands Kiwi benannt wurde, denn die Frucht und der Vogel haben viel gemeinsam – beide sind klein, braun und pelzig! Strahlengriffel: Der Griffel in einer Blüte ist der Teil eines Fruchtblatts oder Stempels, der die Narbe trägt. Wahrscheinlich sind diese strahlenförmig angeordnet? Scharfzähnig kommt von den wechselständigen dunkelgrünen Blätter. Diese sind eiförmig bis länglich-eiförmig mit einer auslaufenden Spitze, am Rand borstig gezähnt. Im Gegensatz zur Kiwi ist die Kiwibeere frosthart und kann in unseren Breiten angepflanzt werden“
Scharfzähniger Strahlengriffel
Die Pflanze, von der Dora Ji schrieb, gehört zur Familie der Strahlengriffelgewächse (Actinidiaceae) und zur Gattung Actinidia. Ihr botanischer Name bedeutet so viel wie „die Strahlende mit den scharfgezähnten Blättern“. Das griechische Wort aktis („Strahl“) verweist auf den auffälligen Griffelkranz der Blüte, arguta auf den fein gesägten Blattrand.
In Asien wächst die Pflanze als kräftige Kletterpflanze oder Liane, die sich mit langen, biegsamen Trieben in die Baumkronen windet. In abgelegenen Regionen wurden ihre elastischen Ranken sogar zum Bau einfacher Hängebrücken verwendet – lebende Seile aus Pflanzenfaser, die über Flüsse führten.



Die Blüten sind weißlich, duftend, im Frühsommer erscheinend, meist zweihäusig – männliche und weibliche Blüten sitzen also auf verschiedenen Pflanzen. Nach der Befruchtung entwickeln sich kleine, grüne, glatte Früchte, etwa so groß wie Stachelbeeren. Sie sind essbar, reich an Vitamin C und haben ein frisches, tropisches Aroma. Im Gegensatz zu ihrer pelzigen Schwester, der Handelsfrucht Actinidia deliciosa, besitzen sie keine behaarte Schale und können mitsamt der Schale gegessen werden.
Weitere „Pflanzen der Woche“ findet Ihr in unserem Archiv – alle, seit 2016.
4 comments on “Die Dame im falschen Wald”
Der Maler könnte Gustav Klimt sein.
Ich liebe sie die Wilde Malve.
Die Wilde Malve (Malva sylvestris), auch Große Käsepappel und Rosspappel genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Malven (Malva) innerhalb der Familie der Malvengewächse (Malvaceae). Ihr deutscher Trivialname Käsepappel hat nichts mit der Pappel zu tun, sondern bezieht sich auf die käselaibförmigen, schleimhaltigen Früchte, aus denen früher Kinderbrei (Papp) zubereitet wurde.
„Sylvestris“ ist ein lateinischer Begriff, der „vom Wald stammend“ oder „waldig“ bedeutet. Hat also nichts mit Silvia zu tun.
Hm, hat es doch, @NhuDeng. Lat. Silva- der Wald. Silvia: die aus dem Wald, die waldige. https://www.vorname.com/name,Silvia.html
Ähnlich ist auch die Herleitung des Namens „Silvester“ („aus dem Wald kommend“).
(„Mein Sohn heißt Waldemar, weil es im Walde war“ 🙂 )
Im Lateinischen schrieb man „silva“ mit i. Ein y kannten die Lateiner allenfalls aus griechischen Fremd (-Lehnwörtern).
Wie das „y“ in „sylvestris“, Sylvia oder „Sylvester Stallone“ gekommen ist: unklar, offenbar erst durch die Halbgelehrten der Renaissancezeit. Auf jeden Fall erst zu einer Zeit, als das „y“ nicht mehr wie „ü“, sondern „i“ gesprochen wurde, also erst frühestens seit dem späten Mittelalter.