Pflanze der Woche, 22.-28. Dezember 2025
Die Pflanzenredaktion hatte sich zum Jahresabschluss auf dem Marktplatz verabredet. Weihnachtsmarkt, Glühwein, diese Mischung aus Pflichttermin und Erlösung. Der Wein dampfte, die Gespräche ebenso.
Irgendwann zog jemand das Bild hervor.
„Also ehrlich“, sagte Nixi, „wie sehen wir denn da bitte aus?“
Links auf dem Bild sie selbst: wie eine Mischung aus Art Frahm und irgendeinem Renaissance-Maler, der zu viel Zeit gehabt hatte. Sie saugte an einer Zimtstange Glühwein aus einem Glas, die Lippen knallrot geschminkt, der Blick irgendwo zwischen Verheißung und Reklame.
„Wie ein amerikanisches Kitschmotiv“, murmelte jemand.
„Eher wie ein Fünfzigerjahre-Pin-up“, sagte Nixi. „Wie ich da am Glühwein nuckele – peinlich.“
„Wieso habt ihr ausgerechnet das ausgewählt?“
„Haben wir gar nicht“, sagten die anderen. „Die meisten haben abgesagt. Da blieb nur dieser Frahm. Dann noch Norman. Dann haben wir Giotto gefragt, ob er aushelfen kann – aber man sieht ja: in Öl kann der nicht. Der kann nur Fresken.“
„Au weia“, sagte Nixi. „Wenn das einer sieht …“
Sie glühte inzwischen mehr als ihre Lippen.
„Aber worum geht’s hier eigentlich?“, lallte einer der Kollegen und deutete auf ihr Glas.
„Mädel, das, was du da in der Tasse hast …“
Heino fuhr dazwischen. „Lasst mir Nixi in Ruhe. Nicht, dass die sich noch verschluckt.“
„Oder vergiftet“, sagte Cassius trocken.
Sie blickten nach oben. Über dem Marktplatz leuchtete ein weißer Stern. Ein gebackener Stern, eigentlich.
„Ach wie süß“, sagte Nixi. „Zum Anbeißen.“
„Nicht für Kinder“, sagte Cassius. „Das ist ein Todesstern.“
„Du spinnst“, sagte Nixi. „Wieso denn das?“
„Zu viele Sterne können gefährlich werden. Wegen dem Cu… na, dem Zeug halt. Was da drin ist.“
„Dann müsste das ja verboten sein.“
„Nee“, sagte Cassius. „Aber es gibt Mengenbeschränkungen. Und weil die Hersteller lieber das billige Zeug aus China nehmen, werden die Höchstmengen gern mal überschritten. Schreibt jedenfalls die Verbraucherzentrale.“
„Ach die“, sagte jemand. „Die übertreiben.“
„Ich finde jedenfalls: ohne das Zeug ist kein Weihnachten.“
„Ohne tote Kinder?“, fragte Nixi.
„Maßlos übertrieben“, sagte jemand. „Das ist doch kein Herodes-Stern.“
Nixi trank einen Schluck.
„Ich halte mich lieber an den traditionellen Glühwein“, sagte sie. „Ohne Gift. Seit wann gibt es den eigentlich? 19. Jahrhundert?“
„Wenn ich den Laden hier kenne“, sagte Heino, „bestimmt schon bei den Römern.“
„Aber hatten die das Gewürz da schon? Aus China?“
Viele Fragen.
Und unsere Leserinnen und Leser dürfen antworten.
Fragen an die Leserinnen und Leser
- Um welche Pflanze und welches Gewürz geht es in dieser Folge?
- Was hat es mit dem sogenannten „Todesstern“ auf sich?
- Seit wann wird dieses Gewürz dem Wein zugesetzt?
Auflösung der letzten Pflanze der Woche („Der englische Gruß“): Lilium candidum, die Madonnenlilie.
Natürlich, Nhu Deng hat die Fragen gelöst: „Der Englische Gruß ist ein Kunstwerk in der Nürnberger Lorenzkirche von Veit Stoß aus dem Jahr 1517/18.
Der englische Gruß ist seit dem Mittelalter die Bezeichnung für die Grußworte des Erzengels Gabriel bei der Verkündigung, dass Maria den Sohn Gottes gebären werde. Die Bezeichnung des Grußes als „englisch“ ist von dem Wort Engel abgeleitet; mit der englischen Sprache hat der Ausdruck nichts zu tun.
Der Gruß des Engels steht im Neuen Testament im Evangelium nach Lukas:„Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.“ Die Zwiebel, die ins Bild geschmuggelt wurde, sollte zu einer Madonnenlilie (Lilium candidum) gehören“.
Und richtig ist auch, was Midas schreibt: die Vorlage des Kunstwerkes ist von Sandro Botticelli, und zwar genau die „Verkündigung von Cestello“, gemalt um 1490. Dargestellt sind Maria und der Erzengel Gabriel, hing ursprünglich in der Klosterkirche von Cestello, welche heute Santa Maria Maddalena dei Pazzi (Florenz).




Lilium candidum — die Madonnenlilie
Die gesuchte Pflanze ist die Madonnenlilie, Lilium candidum, ein prächtiges, weißblühendes Liliengewächs aus der Familie der Liliengewächse (Liliaceae). Sie stammt ursprünglich aus dem östlichen Mittelmeerraum, vor allem aus Griechenland und Kleinasien. Schon in der Antike wurde sie kultiviert, ihre duftenden Blüten gelten seit jeher als Symbol für Reinheit, Unschuld und Heiligkeit. Im Mittelalter spielte sie eine zentrale Rolle in der christlichen Ikonographie, besonders in der Darstellung der Jungfrau Maria.
Lilium candidum ist mehrjährig, mit aufrechten Stängeln bis etwa 1–1,2 m Höhe. Die Blätter sind schmal, lanzettlich, die Blüten groß, weiß und glockenförmig, duften intensiv und erscheinen im Frühsommer. Die Pflanze bevorzugt sonnige, trockene Standorte und durchlässige, kalkhaltige Böden.
Weitere „Pflanzen der Woche“ findet Ihr in unserem Archiv – alle, seit 2016.
2 comments on “Der Todesstern”
Ich denke mal, es handelt sich um Echten Sternanis (Illicium verum). Es gibt jedoch auch den Japanischen Sternanis (Illicium religiosum), der fast identisch aussieht, aber hochgiftig ist. Die Früchte enthalten Anisatin, was zu schweren Entzündungen an Nieren und Blase führt.erreichte e
In dem ältesten bekannten deutschen Glühweinrezept (1834) von August von Wackerbarth ist Anis bereits ausdrücklich aufgeführt. Sternanis wurde zu dieser Zeit oft als aromatischerer Ersatz für den krautigen Anis genutzt. Obwohl Sternanis in China schon vor über 3.000 Jahren genutzt wurde, brachte der englische Seefahrer Sir Thomas Cavendish ihn um 1588 von den Philippinen mit. Zunächst war das Gewürz jedoch extrem selten und teuer.
In Deutschland wurde Sternanis erst ab etwa 1700 bekannter. Er wurde 1726 erstmals offiziell in einer Apotheken-Taxe (Preisliste für Arzneien) erwähnt.
Zur Weihnachtszeit trudeln in der Redaktion immer ernste „Todesdrohungen“ von den Verbraucherzentralen ein (OK, ich übertreibe ein wenig). Da wird vor den gefährlichen Sternen gewarnt, aber um Anisplätzchen geht es da nicht, aber es wird gewarnt, dass besonders für Kleinkinder schnell mit ein paar Sternen die zulässige Menge überschritten wird. In Griechenland nehme ich gerne so ein Getränk als Apperitiv ein, da ist viel von Sternanis drin ( weil der billiger ist als echter Anis). Der problematischste Stoff darin ist aber sowieso nicht für kleine Kinder geeignet. Götterspeise ( ohne Anisgeschmack) enthält von dem Problemstoff mehr. Aber Götterspeise mit Anisgeschmack kenne ich nicht.