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Der nette Onkel Dittmeyer vom Riebeckplatz

Es war auf jener Adventsfeier, als Heino — immer ein wenig verklärt, immer ein wenig verfroren im Herzen der alten Stadt — uns eine Geschichte zuflüsterte, die wie ein Fetzen aus früheren Jahrhunderten klang. Man weiß ja nie, ob seine Erzählungen ein Körnchen Wahrheit bergen oder ob sie nur der Wind sind, der über die Dächer zieht und sich Geschichten leiht, die längst verblasst sind.

Er begann damit, er habe als Taxifahrer einen wunderlichen Herrn gefahren, einen dieser alten märkischen Edelmannen, die wirken, als seien sie direkt aus vergilbten Büchern gestiegen. Am Riebeckplatz — dort, wo die Straßen kreuzen wie Lebenslinien und wo bald gebaut werden soll, wie man raunt — habe er halten müssen.

„Da wird doch bald gebuddelt“, habe der Alte gesagt, ganz so, als ginge ihn die Erde selbst noch etwas an.

Heino habe nur gemurmelt: „Weiß ich nichts davon. Zukunftszentrum und so… die machen das Loch zu.“

Da habe der greise Mann gelächelt:
„Ich könnte da Bäume wachsen lassen.“

Und ehe Heino sich versah, zog der Fremde tatsächlich Obst aus seiner Manteltasche, als sei eine jahreszeitlose Ernte darin verborgen.

„Komm, Lütt Dern, ick giff dir…“, habe der Mann gesprochen, halb Preuße, halb Märchenfigur. Eine Sprache, die Heino kaum verstand und die ihn an Englisch erinnerte. Er, sagte Heino, habe nur „Hä?“ gestammelt.

„Bäume brauchen wir“, fuhr der Fremde fort, „und Früchte für die Kinder. Wenn ich mal nicht bin…“

Dann sei er still geworden.
Und Heino, unsicher wie immer, habe nur gefragt: „Und dann?“

Doch statt zu erklären, habe der Alte plötzlich sein weiteres Fahrtziel genannt.

An dieser Stelle stolperte Heino kurz in seiner Erzählung, und Praktikant Theodor, der der Geschichte etwas amüsiert folgte, unterbrach ihn: „Klar, der wollte zur Fontaine, stimmts?“

Heino — verdattert: „Wieso wusstest du das eigentlich, Theodor, dass der Mann zur Fontaine wollte?“

Theodor: „Ich kenne doch deine Pflanzengeschichten, diese Anspielungen. Und jetzt halt ein kleiner Ausflug in die Schulliteratur.“

„Mussten wir damals auswendig lernen.“

Und plötzlich ergab alles Sinn.

„Hat er eigentlich von einem Gut erzählt, das er mal besessen hat?“, fragte Nixi weiter.
„Ja, genau!“, sagte Heino.
„Und wir suchen…?“
„Ein Obstgewächs“, antwortete Nixi, „aus der Familie der Rosengewächse.“

War der Fahrgast etwa dieser sagenhafte „Onkel Dittmeyer“, ein Abkömmling jenes Hauses? Oder nur ein Schatten seiner Gestalt, ein Echo aus den alten Zeiten, das in Heinos Taxi gestiegen war?

„Hieß der vielleicht Onkel William?“, fragte Theodor amüsiert.
Heino grinste breit.

„Noch ein Wort, Alter, und du kriegst ein paar in deine vorlaute Praktikantenfresse“, ranzte er Theodor an.
Und Nixi ergänzte: „Du verrätst ja alles!“

Damit sind nun unsere Leser an der Reihe.


Fragen an die Leserinnen und Leser:

Welche Pflanze wird in dieser Woche gesucht?

Wer war dieser „Onkel Dittmeyer“ ?

Auflösung der letzten Pflanze der Woche (Racial profiling und ein merkwürdiger Baum): Kaukasische Flügelnuss, Pterocarya fraxinifolia

Unser Leser Midas schrieb, und verriet schon das Wesentliche: „Kaukasische Flügelnuss (Pterocarya fraxinifolia), auch Eschenblättrige Flügelnuss, ist ein Neophyt, dessen Heimat verrät schon der Name.“
Die Pflanze, die hinter dem Fenster wuchs, war die auch bekannt als Kaukasische Flügelnuss oder Eschenblättrige Flügelnuss. Sie gehört zur Familie der Juglandaceae (Walnussgewächse) und ist in Teilen des Kaukasus, im Süden Russlands und im Westen Asiens beheimatet. In Europa wird diese Pflanze häufig als Parkbaum oder Zierbaum verwendet, da sie aufgrund ihrer großen Blätter und imposanten Erscheinung sehr dekorativ ist.

Verwendung und Bedeutung der Kaukasischen Flügelnuss:

Die Kaukasische Flügelnuss wird in Europa oft aufgrund ihres Holzes kultiviert. Das Holz ist mittelschwer und hat eine sehr schöne Maserung, weshalb es unter dem Namen „Kaukasischer Nussbaum“ in der Möbelherstellung verwendet wird. Besonders geschätzt wird die dunkle, ausgeprägte Maserung, die ein schönes, auffälliges Muster bildet. Auch in der Forstwirtschaft findet die Flügelnuss gelegentlich Anwendung.

In einigen Gegenden wird das Holz für Furniere verwendet, und die Blätter, wenn sie in Wasser zerrieben werden, enthalten Glykoside und können als Gift zur Fischjagd genutzt werden. Der Giftstoff Juglon ist in den Blättern der Pflanze in Vorstufen enthalten und wird zur Herstellung eines Toxins verwendet.


Johann Friedrich Blumenbach:

Die Figur des Blumenbach in unserer Geschichte ist eine Anspielung auf den berühmten deutschen Anthropologen Johann Friedrich Blumenbach (1752–1840). Er gilt als einer der Begründer der modernen Anthropologie und Zoologie und war ein prominenter Vertreter der Wissenschaft im 18. und 19. Jahrhundert.

Blumenbach wurde besonders bekannt für seine Klassifikation der Menschen in „Rassen“, die er auf der Grundlage von Schädeluntersuchungen und äußerlichen Merkmalen entwickelte. Besonders die „kaukasische Rasse“ von Blumenbach erlangte Bedeutung. Diese Einteilung wurde jedoch nie als Wertung, sondern lediglich als eine Beobachtung von körperlichen Merkmalen verstanden. Blumenbach selbst betonte später, dass diese Rassenbezeichnungen keine biologischen Hierarchien darstellten, sondern lediglich Phänotypen, die auf regionaler Variation beruhen. Dennoch hat sich der Begriff „kaukasische Rasse“ in den populären Diskurs eingebrannt, auch wenn die Vorstellung eines „Normaltyps“ aus heutiger Sicht als problematisch gilt. Der einschlägige Text von Blumenbach, der für seine rassentheoretischen Ansichten bekannt wurde, ist sein Werk „De generis humani varietate nativa“ (1775). In diesem Werk formulierte Blumenbach seine Theorie über die „natürlichen Varietäten“ des Menschen, und er ist derjenige, der die sogenannte „Kaukasische Rasse“ prägte, was später zu viel Kritik führte.

Der Begriff „kaukasische Rasse“ leitete sich aus der Annahme ab, dass der Kaukasus der Ursprung des biblischen Paradieses gewesen sei – eine phantasievolle und aus heutiger Sicht überholte Vorstellung. Blumenbach selbst betrachtete den Kaukasus als eine Region, die aufgrund ihrer geographischen Lage und der Vielfalt der dort lebenden Menschen eine gewisse Symbolkraft besaß.


Johann Friedrich Blumenbach, über dei natürlichen Verschiedenheiten im Menschengeschlechte. Leipzig 1798

Moderne genetische Sicht auf „Rassen“:

Die moderne Genetik hat gezeigt, dass die Konzepte von „Rasse“ und „Rassenmerkmalen“ auf falschen Annahmen beruhen. Genetische Forschung belegt, dass die Unterschiede innerhalb der sogenannten „Rassen“ oft größer sind als zwischen ihnen. Alle Menschen gehören zur gleichen Art – Homo sapiens. Die genetische Variation ist so klein, dass sie keine Grundlage für die Einteilung der Menschheit in Rassen bietet. Rassebegriffe, die früher wissenschaftlich und sozial als gültig galten, sind heute größtenteils entlarvt als unbrauchbare Kategorien.

Die Anwendung solcher Begriffe in der Biologie ist inzwischen überholt. Die Vielfalt des menschlichen Genoms und die Dynamik von Migration und Vermischung über Jahrtausende hinweg zeigen, dass alle Menschen einen gemeinsamen Ursprung haben. Die Klassifikationen von Blumenbach und seinen Zeitgenossen sind daher nicht nur aus genetischer Sicht unsinnig, sondern auch ethisch fragwürdig, da sie zur Legitimierung von Rassismus und Ungleichheit beitrugen.

Weitere „Pflanzen der Woche“ findet Ihr in unserem Archiv – alle, seit 2016.

2 comments on “Der nette Onkel Dittmeyer vom Riebeckplatz”

  1. Hier wird auf Theodor Fontanes „Unterm BIrnbaum“ angespielt. Sollte also eine Birne (Pyrus communis) sein, die Sorte „Williams Christ“?

    „Onkel Dittmeyer“ war Rolf H. Dittmeyer (1921–2009), deutscher Unternehmer und Gründer der Fruchtsaftmarken Valensina und Punica. Er wurde bekannt durch seine Auftritte in der Fernsehwerbung mit dem Satz: „Entweder frisch gepresst oder Valensina.“

    Er gründete 1960 das Unternehmen Dittmeyer’s Naturrein und die Marke Valensina (Anmeldung 1961, bundesweite Einführung 1967). Die Marke Punica kam 1975/1976 hinzu.

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