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Der Glanz der Berge

Pflanze der Woche, 28. September – 4. Oktober 2026

Roter Grund, Menschen in antiken Gewändern, dazu im Hintergrund ein Berg, der bedrohlich rauchte. Nur bei genauerem Hinsehen wollte einiges nicht recht zusammenpassen. Immerhin hatten die beiden Figuren auf diesem KI-generiertem Bild, das Heino und Anna Blume als Pizzabäcker zeigte, ihre sämtlichen Finger behalten – was bei solchen antiken Szenen aus künstlicher Hand schon als kleiner Fortschritt gelten durfte. Aber ein echtes antikes römisches Fresco konnte das nicht sein. Wer findet die Fehler ?

Im Vordergrund lag ein Büschel eines graugrünen Krautes. Und ringsum, auf dem roten Grund, schienen immer wieder kleine Zweige dieser Pflanze aufgemalt.

Hinter dem Haus aber erhob sich der Vesuv.

Eine Rauchwolke quoll aus seinem Krater.

Anna sah auf den Berg.

„Schau, der Berg glänzt wieder so schön.“

Heino blickte von seinem Teig auf.

„Was für eine Pracht, was für eine Zierde.“

„Das Kraut bringt die Berge zum Leuchten“, sagte er.

Anna musterte ihn.

„Na, ich weiß nicht. Vielleicht ist das eine Fehlinterpretation.“

Anna ließ die Sache zunächst auf sich beruhen.

„Ich glaube eher an die Götter.“

„Natürlich.“

„Und an die Kraft der Liebe.“

Heino ignorierte das sentimentale Mädchengerede.

„Weißt du noch unsere Hochzeit? Wie ich das Kräutlein ins Haar geflochten bekam?“

„Ja“, sagte Heino. „Du hast geduftet wie eine frische Pizza.“

Sie lachte.

„Es ist nun einmal ein Symbol der Liebe.“

„Das behauptest du.“

„Weil es von Aphrodite erschaffen wurde.“

Heino blickte auf den Vesuv.

„Und des Todes“, sagte er.

„Wie bitte?“

„Die Leute hier pflanzen es auf die Gräber.“

Anna sah ihn an.

„Die Liebe hört nimmer auf.“

Sie nahm einen Teigfladen und strich eine kräftige rote Soße darauf.

„Ohne die geht das nie.“

„Seit alters her.“

„Seit wir Römer sind.“

Heino betrachtete die rote Soße.

Anna nahm das Kraut.

„So.Das hier kommt jetzt drauf. Aber ordentlich.“

„Nein“, sagte Heino.

„Was?“

„Erst nach dem Backen.“

„Warum?“

Anna sah ihn misstrauisch an.

„Du hast doch keine Ahnung.“

Er streute das Kraut nach dem Backen über den Fladen. Ein würziger Duft stieg auf.

Heino blickte wieder zum Berg.

„Ich finde übrigens, dein Bergglanz ist das, was eine richtige Pizza auszeichnet.“

„Bergglanz?“

Anna verdrehte die Augen.

„Du willst mir jetzt wieder deine Lateinkenntnisse vorführen.“

„Griechisch.“

Sie schwieg.

„Na schön“, sagte sie. „Dann erzähl.“

Heino legte den Teig zur Seite.

„Nach der Limesöffnung war ich übrigens mal bei den Ostgoten.“

„Die Geschichte kenne ich.“

„In so einem thermopolium haben sie versucht, Pizza zu machen.“

„Und?“

„Schmeckte nach nichts.“

„Barbaren.“

„Es fehlte das Kraut.“

Anna schüttelte den Kopf.

„Du hast damals tagelang über die Ostgoten geschimpft.“

„Weil sie keine Ahnung von Pizza hatten. Und allgemein von Küche nicht.“

„Altrum Faeces Teutonibus. Das fressen die gern.“

„Hör auf“, sagte Anna. „Wir haben hier auch unsere braunen Verführer. Es ist nicht alles Gold, was nach Bella Italia riecht.“

ALTRVM Faeces teutonibus.“

„Hör auf“, sagte Anna. „Wir haben hier auch unsere braunen Verführer. Es ist nicht alles Gold, was nach Bella Italia riecht.“

„Aber sag mal: Ist unsere Pizza wirklich unser nationales Kulturgut? Und unser Kraut gleich mit? Unsere Leitkultur?“

„Neulich war einer hier“, sagte Heino, „der hat die Pizza und das Kraut als griechischen Migrantenfraß bezeichnet.“

Anna seufzte.

„Idioten gibt es immer wieder.“

·  Um welches Kraut geht es hier?

·  Was hat es mit dem „Glanz der Berge“ auf sich?

·  Wächst dieses Kraut auch in Deutschland? Und wenn ja: Wie unterscheidet es sich von der griechischen Form?

·  Warum wird das Kraut beim Pizzabacken häufig erst nach dem Backen über die Pizza gestreut?

·  Ist es tatsächlich ein rein italienisches Gewürz?

·  Was hat das Kraut mit Aphrodite, Liebe, Hochzeit und Tod zu tun?

·  Wer hat eigentlich die Pizza erfunden?

·  Und was stimmt an unserem vermeintlich pompejanischen Fresko nicht, wenn man sich die Zutaten genauer ansieht?

Auflösung der letzten Pflanze der Woche (eine prächtige Kerzenprozession) : https://hallespektrum.de/bild-der-woche/eine-praechtige-kerzenprozession/478904/

Prachtkerze (Gaura lindheimeri, heute botanisch oft Oenothera lindheimeri )

Gork vom Ork hatte die richtige Lösung. Zu dem, was er schrieb, braucht man nichts hinzuzufügen: Welche Pflanze ist auf dem Foto zu sehen?
Bei der Pflanze handelt es sich um die Prachtkerze (Gaura lindheimeri, heute botanisch oft Oenothera lindheimeri benannt).

Was für ein traditionelles Fest wird in Finnland am 13. Dezember gefeiert?
-> Am 13.12. ist in Finnland das Hauptfest zur Krönung der (weiß gekleideten) Lucia gefeiert. Das Fest geht auf den Gedenktag der heiligen Lucia von Syrakus zurück.

Warum trägt das Mädchen eine Krone aus Kerzen?
-> Lucia trägt eine eindrucksvolle Krone aus großen weißen Kerzen und singt alte Lieder, um den Menschen ihren winterlichen Trübsinn zu vertreiben.

Welches Lied wird bei dieser Prozessionen gesungen – und warum stammt es ausgerechnet aus Italien?
Bei der feierlichen Prozession wird das weltberühmte Lied „Sankta Lucia“ gesungen. Die Melodie stammt ursprünglich aus einer neapolitanischen Barkarole aus Italien (Golf von Neapel), erlangte jedoch im 19. Jahrhundert durch einen schwedischen Text ihre traditionelle Bedeutung im Norden.

Was hat eine italienische Stadt am Golf von Neapel mit einem finnischen Winterfest zu tun?
Die Verbindung liegt in der Hymne des Festes: dem weltberühmten Lied „Sankta Lucia“ welches aus Italien stammt.

Und woher stammt die Pflanze ursprünglich, wenn sie heute in Gärten rund um die Welt wächst? Wer ist dieser Herr Lindheim?
Die Prachtkerze stammt aus den südlichen USA (Texas und Louisiana) sowie aus Mexiko. Benannt wurde sie nach dem deutschen Botaniker Ferdinand Lindheim, welcher als „Vater der texanischen Botanik“ gilt.

Weitere „Pflanzen der Woche“ findet Ihr in unserem Archiv – alle, seit 2016.

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