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Der englische Gruß

Pflanze der Woche, 15. Dezember 2025

Heino und Nixi schlenderten durch die Ausstellung alter Meister. Die Gänge waren voll, die Luft schwer vom Duft von Farbe und alter Leinwand. Lange hatten sie angestanden; die Ausstellung war überlaufen, und den Eintrittsslot hatten sie fast einen Monat im Voraus buchen müssen.

Aber Nixi hatte darauf bestanden, endlich das Originalwerk ihres Lieblingskünstlers Sandro zu sehen.
„Der englische Gruß“, hauchte sie ehrfürchtig.

Heino betrachtete das Bild und rief:„Hello, how are you today?“

„Du, Heino… du hast wirklich keine Ahnung“, seufzte Nixi.

„Ja, mein Gott, einen Spaß darf man doch machen. Oder sagt man heute einfach nur ‚Hi‘?“

„Junge, Junge…“, schimpfte Nixi.

„Weißt du was“, fuhr Heino fort, jetzt etwas ernster, „das ist doch nicht das Original, so wie man es aus dem Katalog und den ganzen Postkarten kennt?“

„Hm, stimmt“, meinte Nixi. „Irgendetwas ist anders.“

„Sieht ein bisschen wie … du aus“, bemerkte Heino und deutete auf die Frisur. „Und keinen Schleier.“

„Mich irritieren eher die Blumen da“, meinte Nixi. „Gehören die dazu?“
„Na, irgendwie schon. Eigentlich.“
„Stimmt, wir sind ja heute wieder mit der Pflanze der Woche dran.“

„Genau. Und was sind das jetzt für Blumen?“

Heino nickte, als plötzlich Veit vorbeiging, der Reiseleiter mit dem furchtbaren schwäbischen Akzent, der jedem Schritt eine Patina von Autorität verleihen wollte.
„Ach, der Veit wieder“, empörte sich Heino.
Nixi grinste. Heino wusste selber nicht warum – in einem Anfall von Wut gab er diesem Veit einen Stoß.

Warum? Werden unsere Leser vielleicht wissen. 

Und sicher haben sie auch die Antwort auf die andere Frage:
Wie lautet der englische Gruß denn richtig?
Von wem ist das Bild in den Uffizien?
Und last but least: um welche pflanze geht es hier eigentlich?

Auflösung der letzten Pflanze der Woche: (Ein merkwürdiger Unterbauch und das kleinteilige Unkraut)

Behaartes Bruchkraut — Herniaria hirsuta

So ist es, NhuDeng, wir suchten das Bruchkraut, und zwar das behaarte Bruchkraut, Herniaria hirsuta, aus der Familie der Nelkengewächse (Caryophyllaceae). Es gehört zur Gattung Herniaria, die aus kleinen, oft niederliegenden oder kriechenden Pflanzen besteht, die häufig als bodendeckende, zähe Unkräuter in trockenen, steinigen oder sandigen Standorten vorkommen. Die Pflanze ist so klein, dass man sie detailliert mit bloßem Auge kaum studieren kann. Dass unser Heino die Pflanze so groß im Arm halten kann, liegt an der tollen Vergrößerung unseres Handy (Marke verraten wir nicht). Und erst da sehen wir auch die feinen Haare und die Miniknospen, aus denen mal ganz kleine Blütchen werden sollen

Der Name „Bruchkraut“ leitet sich aus der historischen Verwendung ab: In der Volksmedizin des Mittelalters und der frühen Neuzeit nutzte man verschiedene Arten der Herniaria zur Behandlung von Hernien (Leistenbrüchen), daher der Gattungsname Herniaria von lateinisch hernia = „Bruch“. Die Pflanze wurde getrocknet, zu Salben oder Umschlägen verarbeitet, um die Bruchstelle zu stabilisieren oder Schmerzen zu lindern.

Herniaria hirsuta ist durchgehend behaart, sehr kleinwüchsig, mit kriechenden Stängeln, die Wurzeln und Pflasterritzen leicht besiedeln. Die Blätter sind schmal, länglich und filzig, die kleinen grünen Blüten sitzen unscheinbar in den Achseln der Blätter. Das natürliche Verbreitungsgebiet reicht von Südeuropa über das Mittelmeergebiet bis nach Zentralasien; die Pflanze ist zudem in Mitteleuropa verwildert und oft in trockenen, sonnigen Pflasterfugen oder Weinbergsmauern zu finden.

Zur Erkrankung Leistenbruch:
Ein Leistenbruch (Hernia inguinalis) entsteht, wenn Gewebe — meist ein Teil des Darms — durch eine Schwachstelle in der Bauchwand in den Leistenkanal dringt. Typische Auslöser sind Überlastung, Heben schwerer Lasten oder erhöhter Druck im Bauchraum. Mediziner unterscheiden zwischen direkten und indirekten Hernien; die operative Versorgung besteht darin, den Bruchsack zu repositionieren und die Bauchwand zu stabilisieren.


Weitere „Pflanzen der Woche“ findet Ihr in unserem Archiv – alle, seit 2016.

5 comments on “Der englische Gruß”

  1. Das Temperagemälde von Sandro Botticelle ist die „Verkündigung von Cestello“, gemalt um 1490. Dargestellt sind Maria und der Erzengel Gabriel, hing ursprünglich in der Klosterkirche von Cestello, welche heute Santa Maria Maddalena dei Pazzi (Florenz).

    Als Carnivore hab ich es nicht so mit dem Grünzeug. 😉

  2. Der Teppichboden ist der gleiche ( wie im Flur im Etap-Hotel, fehlen nur die Löcher von den ausgetretenen Kippen). Und die Haltung der Figuren ist ähnlicher. Sie schaut wenigstens gerade aus und nicht „looking at viewer“. Und die Wartburgischen Pathosformeln muss man nicht überbewerten.

  3. Der Englische Gruß ist ein Kunstwerk in der Nürnberger Lorenzkirche von Veit Stoß aus dem Jahr 1517/18.
    Der englische Gruß ist seit dem Mittelalter die Bezeichnung für die Grußworte des Erzengels Gabriel bei der Verkündigung, dass Maria den Sohn Gottes gebären werde. Die Bezeichnung des Grußes als „englisch“ ist von dem Wort Engel abgeleitet; mit der englischen Sprache hat der Ausdruck nichts zu tun.
    Der Gruß des Engels steht im Neuen Testament im Evangelium nach Lukas:„Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.“ Die Zwiebel, die ins Bild geschmuggelt wurde, sollte zu einer Madonnenlilie (Lilium candidum) gehören.

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