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Der Dubai-Stollen

Pflanze der Woche, 16.-22. Dezember 2024

Elfriede war dem Hype um diese Dubai-Schokolade vollends erlegen. Auch wenn sie es nicht zugeben wollte: Heimlich hatte sie sich ein Stück davon bei Mustafa um die Ecke gekauft. Nun, was sollte sie sagen? Die echten Kadayif, die der arabische Konditor neben Mustafa selbst herstellte, schmeckten ihr besser. Schokolade mit Glasnudelfüllung – hm. Aber ihr Ehrgeiz war geweckt, und so kaufte sie zahlreiche Zutaten, studierte Packungsbeschreibungen und analysierte die Inhaltsstoffe diverser Hersteller. Selbst ein örtlicher Anbieter von Billigschokolade hatte nun die Schoko mit der grünen Füllung im Sortiment. Auch teure Marken wie Lindt waren nachgezogen und sich sogar eine Abmahnung eingefangen.
„Ein Dubai-Christstollen“, dachte Elfriede. „Das wäre doch mal etwas! Und dann am besten vegan – das könnte ziehen.“ Sie plante, das klassische Dresdner Rezept ihrer Großmutter zu arabisieren. Talg und Butter würde sie weglassen und stattdessen Margarine verwenden. Es waren schließlich genug andere Aromen drin. Die weiteren Zutaten für die Dubai-Stollenfüllung hatte sie online bestellt: allerlei Nüsse, Samen, Aromen, und das Engelshaar gab es am günstigsten fertig beim Orienta in Halle-Neustadt. Die Zutaten, besonders die Pistazien, waren teuer, und deshalb musste es gelingen. Elfriede rührte, hackte, zerkleinerte, mischte. Doch je mehr sie sich bemühte, desto größer wurde ihre Enttäuschung. Statt der erhofften herrlich grünen Farbe wurde die Mischung bräunlich. Sie hätte heulen können. Als sie von einem Telefonat zurückkam, sah sie Heino, wie er sich verdächtig aus der Küche stibitzte. Die Mischung war plötzlich grün geworden. Elfriedes anfängliche Freude wich Bestürzung, als sie sah, was Heino in den Stollen geschmuggelt hatte. Ein hysterischer Aufschrei folgte. Heino zuckte nur die Schultern. „Man kann nicht alles haben, man muss Kompromisse schließen.“
„Das ist Betrug!“, schrie Elfriede. „Und das ist nicht vegan. Jetzt kann man alles wegschmeißen!“
„Rein pflanzlich“, sagte Heino.
„Du willst dich mit Pflanzen auskennen?“, keifte Elfriede. „Das ist nicht von Pflanzen, das ist Chemie!“

„Doch, das sind genau genommen Pflanzenteile“, sagte Heino und schüttelte die Dose mit dem knallgrün-blauen Pulver. „Nein! Keine Pflanze!“, schrie sie zurück. „Das stammt nicht von Pflanzen!“
Aber vegan ist es trotzdem!“
„Nein, das ist aus dem Meer gefischt, Plankton, und das sind Tiere!“
„Nein, das sind keine Tiere“, versuchte Heino sie zu belehren. „Diese „Tiere“ leben in jeder grünen Pflanze. In jeder. Deshalb sind sie pflanzlich.“
„Erzähl mir ruhig mehr Blödsinn!“

„Gerne“, freute sich Heino. „Willst du wissen, dass das Zeug auch in fast allen Dubai-Schokoladen drin ist?“
„Das Zeug? Das ist doch nicht mal halāl!“
„Weil es im Meer rumschwimmt?“
„Ich bin sicher, dass das Zeug halāl ist. Das habe ich gegoogelt“, meinte Elfriede.
„Und: Es gibt keine Einzeller, die harām sind!“

Und hier kommen unsere Fragen:

  1. Was hat Heino in den Stollen getan?
  2. Ist es tierisch, pflanzlich oder was?

  3. Warum ist es grün?
  4. Es wird gelegentlich als „Superfood“ angepriesen. Berechtigt?
  5. Die „Pflanze“ (bzw. Vertreter aus ihrem Reich) sind evolutionsbiologisch wichtig. Warum?
  6. In Australien stolpert man in seichtem Salzwasser über komische, schwammartige Steine. Was ist das?
  7. Ist das wirklich wahr, dass in dieser teuren Dubai-Schokolade dieses Zeug drin ist? Und warum ist das so?

Auflösung der letzten Pflanze der Woche („Das Geheimnis des Burgerriesen“): Gewöhnliche Gurke, Cucumis sativus

Rati hatte den richtigen Riecher, und wie wir im Folgenden sehen, durchaus auch in olfaktorischem Sinne. Wir suchten nach der ganz gewöhnlichen Gurke, Cucumis sativus. Mit einigen anderen verwandten Arten gehört sie zur großen Familie der Kürbisgewächse (Cucurbitaceae), ist also sowohl mit den neuweltlichen Kürbissen, als aber auch mit den Melonen, Wassermelonen und Flaschenkürbissen verwandt. Letzteres machte die Zuordnung des angeblichen Lieblingsgemüses des römischen Kaisers Tiberius so schwierig. Wahrscheinlich hat er nicht (in Italien!) die durchaus Kältetoleranten Gurken als Delikatesse gezüchtet, sondern wohl eher Gurkenmelonen oder sogar „richtige“ Melonen. Darüber geht ein langer wissenschaftlicher Artikel, den Gurken-Kürbis- und Melonenspezialisten durchaus lesen sollten: „https://www.researchgate.net/publication/255542870_What_the_Roman_emperor_Tiberius_grew_in_his_greenhouses1„: was züchtete Kaiser Tiberius wirklich in seinen Gewächshäusern? Es geht hier um falsche Zuschreibungen durch schlichtweg über Generationen fortgesetzte, falsche Übersetzung. Soll hier aber nicht zu weit führen.

Richtig ist, @ Rati: der Geschmack der Salz- (und ähnlich auch, aber nicht in dem Ausmaße) der Essiggurken kommt durch die Fermentation, bei den so genannten Salzgurken ist es die Milchsäuregärung, bei der nicht nur der in den Gurken enthaltene Zucker in Milchsäure, sondern auch in allerhand andere Geschmackstoffe wie Essigsäure, Propionsäure, Valeriansäure und sogar Buttersäure (!) fermentiert wird. Derart fermentierte Gurken machen auch den typischen Geschmack der Hamburgersoße bei Mc. D. aus: hier wird unter Anderem ein „relish“, eine Art süßen Gelees aus sauren Gurken als Geschmacksträger und Würzmittel verwendet. Ganz ähnliche Bakterien, die das „süßlich-saure-Gurken-Aroma“ bewirken, sind übrigens auch an der menschlichen Scheidenflora beteiligt (Lactobacter brevis, Lactobacter plantarum, Bifidobacterium ssp. et al), aber genau so in Sauerkraut, Kimchi und sogar im Sauerteigbrot. Dieser verlockende Geruch wird keineswegs nur von Menschen als anregend empfunden, bekanntlich reagieren Katzen auch gerne auf derartige kurz-mittelkettige Fettsäuren (Baldrian beispielsweise, aber auch Käse und sogar Graubrot empfinden die Tiere zuweilen als unwiderstehlich).

1. Ursprung der Gurke

Die Gurke (wissenschaftlich Cucumis sativus) stammt ursprünglich aus dem Himalaya in Südasien und wurde dort schon vor über 3.000 Jahren kultiviert. Sie verbreitete sich nach und nach über die Handelsrouten in die antiken Kulturen von Ägypten, Griechenland und Rom. Schon in der Antike war die Gurke ein beliebtes Gemüse, das sowohl frisch als auch konserviert verzehrt wurde.

2. Eingelegte Gurken als Konservierungsmethode

Die Praxis des Einlegens von Gurken geht mindestens auf die Mesopotamische Zivilisation zurück (ca. 2.000 v. Chr.). In dieser Zeit wurde das Einlegen von Gemüse, einschließlich Gurken, durch das Fermentieren in einer Salzlösung oder durch die Verwendung von Essig entwickelt. Diese Methode war eine der frühen Möglichkeiten, Gemüse über längere Zeiträume haltbar zu machen.

  • Essig und Salz wurden als Konservierungsmittel genutzt, die den Zersetzungsprozess verzögern und gleichzeitig den Geschmack der Gurke veränderten, was sie besonders schmackhaft machte.
  • Fermentation: In vielen Kulturen, insbesondere im Osten Europas und in Asien, wurde die Fermentation von Gurken zu einer beliebten Methode der Haltbarmachung. Dabei entstehen Milchsäuren, die die Gurken säuern und konservieren.

3. Die Bedeutung der sauren Gurke in verschiedenen Kulturen

  • Antikes Rom und Griechenland: Ob in der römischen und griechischen Antike schon gurken bekannt waren, ist umstritten (s. o).
  • Sicher ist ihre Anwesenheit auch im Mittelalter West- und Ost-Europas. Der Genuss von eingelegten Gurken verbreitete sich insbesondere in Regionen wie Osteuropa, wo sie bis heute sehr beliebt sind. In Russland und vielen anderen osteuropäischen Ländern sind eingelegte Gurken ein fester Bestandteil der Küche. Sie werden oft mit Brot oder als Beilage zu deftigen Gerichten wie Borschtsch serviert.
  • Die saure Gurke und die deutsche Küche

In der deutschen Küche hat die saure Gurke einen besonders hohen Stellenwert. Sie wird in vielen traditionellen Gerichten verwendet, von kalten Platten bis zu Eintöpfen und Würsten. Besonders bekannt ist die „Biergurke“, die häufig als Beilage zum Bier serviert wird, sowie die beliebte „saure Gurke“ als Snack.

  • Saure Gurken als „Eingelegtes“: In Deutschland gibt es auch die Tradition der „sauren Gurkenzeit“, was eine Metapher für eine Zeit des Stillstands oder der Unsicherheit ist. Dieser Ausdruck stammt ursprünglich aus der Bedeutung des „Sauerwerdens“ von Lebensmitteln, was auf eine Periode hinweist, in der nichts Neues passiert oder Dinge „im Gärprozess“ sind.

Amerika und die „Pickle“ Kultur

In den USA sind saure Gurken ebenfalls eine populäre Zutat, insbesondere in der Form von „pickles“. Die Tradition, Gurken in Essig und Gewürzen einzulegen, kam mit den europäischen Einwanderern, insbesondere aus Deutschland und Polen, nach Nordamerika.

Die Bedeutung der sauren Gurke in den USA: Saure Gurken sind in den Vereinigten Staaten ein fester Bestandteil der amerikanischen Küche, insbesondere in Sandwiches (wie dem klassischen „Burger mit Pickles“) und als Beilage zu frittierten Gerichten. Auch die große Vielfalt an „Pickles“ ist eine Besonderheit der amerikanischen Kultur, mit zahlreichen Varianten von Dill, Essig oder sogar süß-sauren Pickles.

Alle weiteren Pflanze der Woche findet Ihr hier in unserem Archiv.

2 comments on “Der Dubai-Stollen”

  1. Jo, das könnte schon. Aber da sind ja noch mehr Fragen. Und, ganz großer Spaß: Chat GPT 3.5 schafft es, alle Fragen zu beantworten.

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