Skip to content
HalleSpektrum.de – Onlinemagazin aus Halle (Saale) Logo

Blasendruck auf dem Laternenfest

Nixi hatte keinen Bock auf das Remmidemmi-Fest. Doch Heino hatte sie überzeugt, und so stapften sie in die dämmernde Menge, wo der Duft von Bowle und gebrannten Mandeln in der Luft hing. Bald spürte Nixi ein vertrautes Ziehen in ihrer Blase. „Oh Mann, Heino, ich muss mal…“ Entsetzt starrte sie auf die endlosen Schlangen vor den Latrinenhäuschen.

„Geh doch einfach hinter einen dieser Büsche“, murmelte Heino, halb ernst, halb belustigt.
Zögerlich, von der bunten Stimmung und ein wenig angeheitert, wagte Nixi den Schritt ins Gebüsch. Kaum hatte sie Erleichterung gefunden, vernahm sie über sich ein leises Klingeln. Bimbam. Es waren keine Glückszeichen – es waren Laternen, die wie funkelnde Glöckchen in den Ästen eines Baumes hingen. Ihr goldenes Licht tauchte die Nacht in ein schwebendes Mosaik.

Plötzlich hörte sie ein leises Knacken. Der Baum „muste“ wohl ebenfalls. Einige Laternen platzten auf – und mit ihnen die schwarzen, glänzenden Samen, die wie kleine, geheimnisvolle Blasen herabfielen und sich über das Laub verstreuten. Nixi fuhr erschrocken zurück. Es raschelte im Dickicht – sie waren nicht allein.

Heraus trat ein junger Mann mit einer kunstvoll geknoteten Rokoko-Perücke. „Kölreuter isch mei Name, lasset euch nit störe, i hab halt au mal arg gemusst – und des isch ja mei Baum“, schwäbelte er, und wie ein Schatten verschwand er wieder zwischen den Sträuchern.

Zu Hause diskutierten Nixi und Heino über diese seltsame Begegnung. „Die Erscheinung muss von der Wochenpflanze kommen“, meinte Heino. „Der Baum hat Andeutungen gemacht – und dieser komische Herr. Er steht ja öfter in Halle-Neustadt, und natürlich wieder ein fernöstlicher Neophyt.“

„Unsere Leser werden es schnell herausfinden“, lachte Nixi. „Meinst du wirklich, das ist peinlich, wenn sie uns so sehen?“
„Quatsch, Heino. Sei froh, dass deine Blase nicht geplatzt ist – und auf dem Foto bist du fast gar nicht drauf.“

Na denn, liebe Leser:

Was war das für ein Baum?

Und wer war der komische Schwabe mit der Rokoko-Perücke?

Was passiert, wenn die Blase platzt?

Auflösung der letzten Pflanze der Woche: („Vegane Haarpracht“) : Perückenbaum, Cotinus coggyria)

Die letzte Pflanze der Woche war der Perückenbaum (Cotinus coggygria Scop.), ein sommergrüner Strauch aus der Familie der Sumachgewächse (Anacardiaceae).

Herkunft und Vorkommen

Das natürliche Verbreitungsgebiet des Perückenbaums reicht von Südeuropa über den Balkan und Kleinasien bis nach Nordchina. Er besiedelt sonnige, trockene und felsige Standorte. Auch in Mitteldeutschland ist er winterhart und wird seit Jahrhunderten als Zierstrauch in Gärten, Parks und Weinbergslagen kultiviert.

Namensherkunft

Seinen deutschen Trivialnamen „Perückenbaum“ verdankt er den auffälligen, haarartigen Fruchtständen. Nach der Blüte im Juni/Juli bilden sich die kleinen Steinfrüchte; die Blütenstiele verlängern sich und entwickeln dichte, fadenförmige Auswüchse, die einen wolligen, perückenartigen Flor erzeugen. Besonders bei Gegenlicht entsteht der Eindruck einer schwebenden, lockigen Haarmasse.

Inhaltsstoff Fisetin

Chemisch interessant ist das Flavon Fisetin (3,7,3’,4’-Tetrahydroxyflavon), das in Blättern und Holz des Perückenbaums vorkommt.

•               Als Farbstoff:

Fisetin gehört zu den Beizenfarbstoffen und liefert auf gebeizter Wolle oder Seide ein kräftiges, lichtbeständiges Gelb. Historisch war der Perückenbaum daher ein geschätzter Lieferant für Textilfärber. Blau lässt sich mit Fisetin jedoch nicht gewinnen – dafür benötigt man andere Farbstoffquellen (z. B. Indigo).

•               Als Naturstoff:

Fisetin ist ein Polyphenol aus der Gruppe der Flavonoide. In modernen pharmakologischen Studien wurde eine senolytische Wirkung festgestellt: Es kann alternde („seneszente“) Zellen gezielt zum Absterben bringen. In Tiermodellen führte dies zu einer verbesserten Gewebefunktion und zu verlängerten Lebensspannen.

•               Risiken und Nebenwirkungen:

Die Übertragbarkeit auf den Menschen ist bislang nur in ersten klinischen Studien untersucht. Neben potenziell positiven Effekten auf Zellalterung und Entzündungen sind auch unerwünschte Wirkungen denkbar – etwa eine Beeinträchtigung gesunder Zellen oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Die Einnahme als Nahrungsergänzungsmittel wird derzeit angeboten, erfolgt jedoch auf eigene Verantwortung, da gesicherte Daten zur Langzeitsicherheit fehlen.

Weitere „Pflanzen der Woche“ findet Ihr in unserem Archiv – alle, seit 2016.

2 comments on “Blasendruck auf dem Laternenfest”

  1. Die Blasenfrüchte haben sie verraten, zuerst dachte ich an die Pimpernuss. Nein es ist Blasenesche (Koelreuteria paniculata).

    Und wenn der Schwabe sich vorstellt, ist es auch nicht schwer den Botaniker Joseph Gottlieb Kolreuter zu finden. Er war ein vielseitiger Forscher, ist viel gereist, er hatte auch mal ein Amt in Petersburg. Anfangs ein Medizinstudium, aber dann haben ihn Pflanzen und Tiere mehr interessiert. Interessant ist sein Bestreben pflanzen zu kreuzen. In Karlsruhe war er als Aufseher und Direktor der fürstlichen Gärten mit dem Titel und Rang eines Professors der Naturgeschichte.
    Die Samen der Blasenesche werden vor allem zur Herstellung von Schmuck wie Halsketten und Rosenkränzen verwendet und sind in Asien als gerösteter Snack bekannt, da sie Saponine enthalten, die eine seifenähnliche Wirkung haben und zur Herstellung von Seife dienen können. In der traditionellen Heilkunde können Blüten und Blätter der Blasenesche ebenfalls genutzt werden, die Samen selbst sind giftig und sollten nicht gegessen werden.
    Der Herr Kolreuter hat sich in Halle ein Denkmal geschaffen, auf dem Friedemann Bach Platz stehen Blaseneschen.

  2. Werden die Samenkerne durch Rösten entgiftet, @NhuDeng, oder wie vertragen sie Asiaten das? In Halle Neustadt stehen einige von den Bäumen rum, da könnte man mal sammeln gehen.

Schreibe einen Kommentar