Beliebtes Küchenkraut, egal ob glatt oder gekräuselt

9. August 2021 | Bild der Woche | 1 Kommentar

Unsere Rätselpflanze stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum. Ihr Name lässt sich aus dem Griechischen für „Felsen“ und „Sellerie“ ableiten. Die gewöhnlich zweijährige Pflanze aus der Familie der Doldengewächse bildet zunächst eine lange Pfahlwurzel und Blätter. Im zweiten Jahr erscheint dann ein langer Stängel, der die zu Doppeldolden zusammengefassten gelbgrünen Blüten trägt. Blütezeit ist Juni bis August. Dann enthält die Pflanze besonders hohe Anteile des ätherischen Öls Apiol. Das kann in höheren Konzentrationen allergische Reaktionen verursachen und die Leber schädigen. Man erntet das Würzkraut also am besten vorher. Kultiviert man die Pflanze selbst, braucht man etwas Geduld, denn der Dunkelkeimer braucht bis zu 4 Wochen bis die Keimblätter erscheinen. Die Blätter können glatt oder kraus sein. Beliebter ist die glatte Blattsorte, da sie merklich aromatischer ist. Als Küchenkraut findet die Pflanze vielfache Verwendung. Unverzichtbar ist sie in der Frankfurter Grünen Sauce, in Kräuterbutter oder in Kräuterquark. Ihre rübenartige weiße Wurzel kann man als Rohkost oder wie Kartoffeln verwenden.

Die alten Griechen kannten zwar dieses Würzkraut, verwendeten es aber nicht in der Küche. Für sie war es ein geheiligtes Kraut, aus dem man Kränze flocht, die man bei Gastmählern trug oder den Siegern der Isthmischen Spiele aufs Haupt setzte. Im Mittelalter gab es allerlei abergläubische Bräuche um diese Pflanze. Dazu gehört sicher auch die Lärmschutz-Legende aus den Abenteuern von Asterix und seinen Freunden. Ihnen und Cäsars Soldaten soll das appetitanregende, nervenstärkende Kraut geholfen haben, den Gesang des gallischen Barden Troubadix zu überstehen, indem sie sich mit dem Würzkraut den Gehörgang verstopften, eine Art biologisch-abbaubarer Lärmschutz.

Wurzeln, Blätter und Samen wirken harntreibend. Wirkstoff ist Apiol. Die Samen enthalten besonders viel davon und sind daher giftig. Das Apiol kann Kontraktionen der Gebärmutter auslösen. Im Mittelalter verwendete man das Würzkraut daher zum Schwangerschaftsabbruch.  Eine Reihe weiterer Inhaltsstoffe wurde in der Volksmedizin genutzt. Berichtet wird auch, dass es die ätherischen, geruchsintensiven Öle des Knoblauchs neutralisieren soll. Unserer Pflanze wird auch eine aphrodisierender Wirkung zugeschrieben. Anethol und Apiol sollen für die erhoffte Wirkung verantwortlich sein. Dass die Griechen die Pflanze deshalb als Felsensellerie bezeichneten, gehört aber wohl zu den Fake-News von Wunschdenkern.

(H.J. Ferenz)

Auflösung der letzten Pflanze der Woche (Veganes M-Wort):  Wilde Möhre, Daucus carota.

„Rati“ hat es herausgefunden: wir suchten die „wilde Möhre“, eine der Stammeltern unserer Karotte. Durch Einkreuzen nahe verwandter Wildarten entstand aus ihr die uns heute bekannte, meistens orangerote, ordinäre Karotte ( violette, gelbe und weiße gibt es natürlich auch). Die orangen Farbstoffe, die in der Wildform kaum enthalten sind, sind Carotinoide: Langkettige Farbstoffe, die im Körper zu Vitamin A umgebaut werden können (Provitamin A), und unter anderem unsere Sehkraft gewährleisten.

Woher stammt das Wort „Mohrrübe?“: Mit der veralteten Bezeichnung „Mohr“ für Afrika-stämmige Menschen mit dunkler Hautfarbe hat es offenbar nichts zu tun. Lassen wir Wikipedia zu Worte kommen: „Das Wort „Möhre“ entwickelte sich über die alt- und mittelhochdeutschen Namen morahamorhamokra, morkemorhe und more aus einem gleichbedeutenden germanischen Wort (morhōn), aus welchen mit griechisch tà brákana, „wildwachsendes Gemüse“ und russisch morkov ein unsicheres indogermanisches **mṛk, „essbare Wurzel“ erschlossen werden könnte“.

Die dunkelviolette, sterile Blüte, die man oft in der Mitte der weißen Blüten-Doppeldolde findet, täuscht ein Insekt vor. „Volksetymologisch“ wird sie oft einem „Mohren“ zugeschrieben, es handelt sich hier wohl um einen Irrtum.

Wo findet man nun wilde Möhren? In Halle und Umland nahezu überall. Die Wildpflanze mit ihren weißen Dolden dominiert zur Zeit Wiesen, Unkrautfluren und Straßenränder. Wer auf die Merkmale achtet (lila Blüte in der Mitte, nestartig eingerollter Fruchtstand), kann eigentlich nichts falsch machen: dann ist eine Verwechslung mit anderen, gefährlich giftigen Doldenblütlern, wie beispielsweise dem gefleckten Schierling, auszuschließen (bitte kontrollieren, giftige Arten einprägen !). Aber seid nicht enttäuscht beim „Wurzelziehen“: die „Rübe“ ist relativ klein und farblos, aber das Aroma kommt tatsächlich intensiv möhrenartig rüber. Durchaus eine lohnende Suppenzutat.

 

(HW)

Noch mehr „Pflanzen der Woche“ findet Ihr übrigens in unserem Archiv. Seit 2016, jede Woche ein Gewächs.

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