Skip to content
HalleSpektrum.de – Onlinemagazin aus Halle (Saale) Logo

Anna Blume in Weimar

Pflanze der Woche, 20.-26. Juli 2026

An den Wänden hingen Zeichnungen, auf dem Tisch lagen gepresste Pflanzen, sorgsam zwischen Bögen gelegt. Durch das hohe Fenster fiel ein warmes Nachmittagslicht, das den Staub der Jahrhunderte beinahe sichtbar machte.

Anna Blume hatte sich mal wieder in der Zeit geirrt. Und im Ort. Sie war verwirrt, aber irgendwie hatte sie wieder Zeug genommen, war in ein Wurmloch gestolpert.

Es roch fein, aber irgendwie nach alten Leuten in diesem Raum mit den eleganten, aber etwas angestaubten Möbeln. Ein Studierzimmer..
Der alte Herr erhob sich, nahm sie zunächst gar nicht wahr. Er nahm ein großes Buch zur Hand, öffnete es behutsam und schlug eine Seite auf. „Seht“, sagte er, „wie doch die Natur selbst den besten Kupferstecher übertrifft. Sie zeichnet mit Blatt und Blüte unmittelbarer, als es irgendeine Menschenhand vermag.“

Anna trat näher.  Zwischen den Papierseiten lag eine längst getrocknete Pflanze. Ihre schmalen Blätter erinnerten an eine Weide, ihre rosafarbenen Blüten standen dicht gedrängt in einer aufrechten Rispe.

„Habt Ihr sie selbst gesammelt?“, fragte sie.

Der Alte lächelte. “Einige Blätter dieses Herbars habe ich selbst gefunden, andere erhielt ich von Freunden und Sammlern. Die Wissenschaft lebt vom Austausch. Nicht jeder Weg führt durch den Wald; manche führen über Briefe.“

Er strich mit den Fingerspitzen über das vergilbte Papier. Jede Pflanze erzählt ihre Geschichte. Wer sie nur anschaut, sieht Formen. Wer sie beobachtet, erkennt Verwandtschaften. Wer sie sammelt, bewahrt zugleich ein Stück der Welt.“

„Wie fixieren Sie die Blumen eigentlich, dass sie nicht rausfallen?
„Mit Geheimratsecken natürlich“, lächelte er sie an. „Was für eine flotte Lotte“, dacht er sich.

Anna beugte sich noch weiter vor. „Und wie heißt diese?“ Der alte Herr schloss das Herbarium wieder.

„Mein verehrtes Fräulein“, sagte er schmunzelnd, „wenn ich Euch das verriete, wäre Euer Rätsel ja keines mehr.“ Er legte das Buch zurück auf den Tisch. „Sucht selbst. Das Vergnügen des Findens ist größer als das des Gesagtbekommens.“

Und damit entließ er Fräulein Blume wieder, die nun weit mehr Fragen als Antworten wieder vor der Tür stand.


Unsere Fragen

  • Welche Pflanze zeigt Goethe in seinem Herbarium?
  • Woran erkennt man sie?
  • Wo wächst sie natürlicherweise?
  • Seit wann ist sie in Mitteleuropa bekannt?
  • Wo findet man die abgebildete Herbariumseite heute im Internet?
  • In welcher Sammlung befindet sich das Original?



Da hatten wir schon Redaktionsschluss Sonntagnacht – als NhuDheng und die folgenden schönen Antworten lieferte:

In Griechenland sind Gladiolen sowohl atemberaubende Wildblumen als auch ein wichtiges Symbol der antiken Mythologie. Als wilde Art wächst dort häufig die Acker-Gladiole (lateinisch Gladiolus italicus), die an sonnigen Hängen und in Getreidefeldern blüht. Die lateinische Bezeichnung leitet sich von gladius (Schwert). Der deutsche Name für Gladiolen ist Schwertblume. Gelegentlich werden sie auch Siegwurz genannt. Beide Namen beziehen sich auf ihre langen, spitzen Blätter, die wie Schwerter aussehen, und ihren hohen, stolzen Wuchs

Die Säule trägt eine von Friedrich Drake geschaffene vergoldete Bronzeskulptur in Form einer weiblichen Figur, der Viktoria. Sie hält in der Rechten einen Lorbeerkranz in die Höhe, in der Linken ein Feldzeichen mit dem Eisernen Kreuz. Auf ihrem Helm sitzt ein Adler. Viktoria ist in der römischen Mythologie als Siegesgöttin bekannt, sie entspricht in der griechischen Mythologie der Nike. Beide werden geflügelt dargestellt. Ihr Adlerhelm lässt die Viktoria auf der Siegessäule auch als Borussia, die Personifikation Preußens, erscheinen.Drake entwarf die Figur nach den Zügen von Victoria von Großbritannien und Irland, die zu diesem Zeitpunkt Kronprinzessin in Preußen war.

Im Volksmund wird sie die Goldelse genannt.
ike (altgriechisch Νίκη Níkē oder Νίκα Níka, deutsch ‚Sieg‘) ist die Siegesgöttin in der griechischen Mythologie.

Auflösung der letzten Pflanze der Woche („geflügelte Kriegsendfigur“): Die Siegwurz, gladiolus communis.


Gesucht war die Siegwurz (Gladiolus communis L.) aus der Familie der Schwertliliengewächse (Iridaceae). Im Mittelmeergebiet kommen vor allem zwei Unterarten vor: die Byzantinische Siegwurz (Gladiolus communis subsp. byzantinus) und die Italienische Siegwurz (Gladiolus communis subsp. italicus). Beide wachsen auf Wiesen, an Wegrändern und in lichten Gehölzen und blühen im Frühjahr mit auffälligen purpur- bis violettfarbenen Blüten.

Der wissenschaftliche Gattungsname Gladiolus leitet sich vom lateinischen gladius („Schwert“) ab und bezieht sich auf die schwertförmigen Blätter. Der deutsche Name Siegwurz ist dagegen wesentlich jünger. Die Knollen der Pflanze sind von einem netzartigen Fasermantel umgeben, der an ein Kettenhemd erinnert. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit wurden sie deshalb mancherorts als Schutzamulette getragen. Man versprach sich von ihnen Glück im Kampf und den Sieg über den Gegner.

Die Geschichte spielte auf die berühmte Nike von Samothrake an. Die überlebensgroße Marmorskulptur entstand um 190–180 v. Chr. in der Zeit des Hellenismus und befindet sich heute im Louvre in Paris. Sie zeigt die Siegesgöttin Nike auf dem Bug eines Schiffes. Der Bildhauer ist unbekannt; aufgrund stilistischer und epigraphischer Hinweise wird häufig ein Zusammenhang mit der Bildhauerschule von Rhodos angenommen.

Besonders berühmt ist der dramatische Faltenwurf des Gewandes. In der Kunstgeschichte wird dieser Stil als „Wet-Drapery“-Stil („Nassgewandstil“) oder – für die besonders bewegte Ausprägung des Hellenismus – als reicher Stil bezeichnet. Das Gewand scheint vom Wind und von der Gischt durchnässt zu sein und legt sich eng an den Körper an. Dadurch werden Bewegung und Körperformen sichtbar, ohne dass die Figur unbekleidet dargestellt wird. Dieses Stilmittel entwickelte sich bereits in der klassischen griechischen Kunst des 5. Jahrhunderts v. Chr. und erreichte im Hellenismus einen Höhepunkt.

Welchen Sieg die Statue genau feiern sollte, ist bis heute nicht sicher geklärt. Die meisten Forschenden bringen sie mit einem Seesieg der Insel Rhodos gegen die Flotte des Seleukidenkönigs Antiochos III. um 190 v. Chr. in Verbindung. Andere Deutungen sehen einen Zusammenhang mit den makedonischen Kriegen oder einem anderen hellenistischen Seesieg. Gemeinsam ist allen Theorien, dass die Statue als Weihgeschenk für einen bedeutenden militärischen Erfolg auf Samothrake aufgestellt wurde.

Die Siegesgöttin wurde später vielfach nachgeahmt. Besonders bekannt ist die vergoldete Victoria auf der Berliner Siegessäule, geschaffen von Friedrich Drake. Obwohl sie keine Kopie der Nike von Samothrake ist, greift sie dieselbe antike Bildtradition der geflügelten Siegesgöttin auf und wurde zu einem der bekanntesten Wahrzeichen Berlins.

Die im Rätsel gesuchte Pflanze passt daher gleich in mehrfacher Hinsicht zu dieser Geschichte: Ihr deutscher Name erinnert an den Sieg, ihr wissenschaftlicher Name an das Schwert, und ihre aufrechten Blütenstände hätten auf der antiken Statue zwar botanisch gut gepasst – doch für den Bildhauer war ein biegsamer Lorbeerkranz offenbar die elegantere Lösung.

Weitere „Pflanzen der Woche“ findet Ihr in unserem Archiv – alle, seit 2016.

Schreibe einen Kommentar