Ährenwertes Würzkraut

5. September 2022 | Bild der Woche | 1 Kommentar

Die Pflanze gehört zur Familie der Glockenblumengewächse (Campanulaceae). Sie ist mehrjährig und wächst etwa einen halben Meter hoch. In Mittel- und Nordeuropa ist sie verbreitet. Übrigens, in Afrika gibt es Namensverwandte, die aber zu den Sesamgewächsen gehören. Als Heilpflanze hat sie sich nicht hervorgetan. Sie soll sich aber zur Behandlung von Hautgeschwüren bei Syphilis bewährt haben. 

Die gesamte Pflanze ist genießbar und kann roh oder gekocht verzehrt werden. Die jungen Blätter können als Wildgemüse, als sogenannter Waldspinat, verspeist werden. Die herzförmigen Blätter, kahlen Stängel und weißlichen Blüten sind nicht nur dekorativ, sondern tragen mit ihrer würzigen Note zur geschmacklichen Verbesserung der Speisen bei. Die kräftige Wurzel ist groß und ihr Geschmack erinnert an Meerrettich. Man kann sie den ganzen Winter über ernten. Zur Blütezeit sind die zahlreichen länglichen Einzelblüten zylindrisch angeordnet und krallenförmig nach oben gekrümmt. Das ähnelt der Blüte und dem Fruchtstand bei Getreide und anderen Graspflanzen. Der Name der Pflanze verweist auf diese Struktur. Die Samen haben winzige Widerhäkchen, so dass sie leicht und effizient verschleppt werden können. Die Pflanze ist recht anspruchslos, braucht lediglich feuchten lehmhaltigen Boden. 

Welche Pflanze suchen wir?


Auflösung der letzten Pflanze der Woche (Im Garten der Geflüchteten bei den Thermopylen):  Okra, Abelmoschus esculentes

Unser User Gork vom Ork hat es wohl schnell herausgefunden: wir suchten nach der „Okra“, auch Gemüse-Eibisch genannt. Botanisch nennt sie sich Abelmoschus esculentus und gehört zur Familie der Malvengewächse (das hat sie gemein mit den beiden zuletzt gesuchten Pflanzen).

Neben ihrem wissenschaftliche Namen hat sie in ihren jeweiligen Anbauländern verschiedenste, sehr unterschiedliche Bezeichnungen gefunden. So kennt man sie auf der welt auch als Gombobohne, Okolo, Ägyptische Bohne, Gambo, Gombo, Griechenhorn, Grünschnabel, Hibiskusfrucht, Ibisco, Ladyfinger, Pappelrose, Rosenapfel, etc.

Sowohl die Bezeichnung Bohne“ als auch „Okraschote“ sind im botanischen Sinne  nicht richtig. Das, was man von der Pflanze ist, sind die unreifen Fruchtstände. Es sind Kapselfrüchte, die, wenn sie reif werden, ungenoeßbar sind und in ihren fünf länglichen Kammern kleine, harte Samen tragen, die bei Reife der Kapsel ausgeschleudert werden. Die Okra liebt es warm und hat eine lange Vegetationsperiode, daher ist ihr Anbau in deutschen Gärten schwierig – aber mittlerweile nicht unmöglich, wenn man die Samen vorzieht und der Pflanze dadurch  etwas Entwicklungsvorsprung gönnt. Man stößt beim Anbau in Deutschland  zuweilen auf Schwierigkeiten, wie auch unser Kleingartenexperte und Bundestagsabgeordneten Karamba Diaby zu beklagen weiß.   Doch die Erderwärmung macht vielleicht bald möglich, dass Okra bald ein so selbstverständliches mitteldeutsches Gartengemüse wird wie die Tomate „Harzfeuer“.

In Deutschland sind frische Okra noch verhältnismäßig unbekannt – und auch in ihrer Heimat nicht bei jedermann beliebt: Die zarten Früchtchen erfordern etwas Vorbehandlung, bevor man sie ins Essen gibt. Sie enthalten, wie viele Malvengewächse, eine Unmenge an Schleim, den Kinder meistens überhaupt nicht mögen. Den Kleister kann man wenigstens etwas reduzieren,  indem man die Stilbasis der geputzten Früchte eine Zeit lang in Essigwasser taucht. Der etwas erdige, eigenwillige, leicht bittere Geschmack der  gegarten, jungen zarten „Ladyfinger“  passt  sehr gut zu Lamm-Eintopfgerichten. Dazu kann man Lammfleisch beispielsweise anbraten, mit Zwiebeln und Tomatensugo schmoren und im Topfe für die letzten 10-20 Minuten zwei Hände voll gereinigte und entschleimte Okra zufügen. Probiert es aus – und wie immer gilt: man muss es schon mögen, sonst gefällts einem nicht.

Wo bekommt man Okraschoten her? Mittlerweile gibt es sie beim „Syrer“ in Halle-Neustadt („Orienta-Markt“) im Sommern sogar gelegentlich frisch, sicher aber tiefgefroren.   Auch andere Geschäfte in Halle mit einer Ausrichtung auf exoteutonisches  Publikum, wie etwas Asia-Läden, führen das Gemüse zumindest in konservierter Form.

(Hei-Wu)

Noch viel mehr Pflanzen findet Ihr in unserem Archiv. Seit 2016 jede Woche ein neues Gewächs in unserem Lustgarten.

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