Startseite Foren Halle (Saale) Warum AfD? Antwort auf: Warum AfD?

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Nun folgt wieder ein kurzer Monolog:
https://www.tagesspiegel.de/berlin/schuler-kundigten-pro-palastina-protest-an-angst-vor-ausschreitungen–gymnasium-sagt-abitur-feier-ab-11854679.html

Während Akademiker es geschafft haben Antisemitismus wieder Salonfähig zu machen und aus Kritik daran und der Unterstützung dieses Antisemitismus zu einem Angriff auf die Wissenschaftsfreiheit zu machen, zeigen sich dann doch wieder deutliche Probleme im Alltag der Menschen.

In Berlin darf man mittlerweile alles inkl. Volksverhetzung und Gewalt unter Israelkritik verkaufen. Wer es wagt das zu hinterfragen verliert seinen Job, wenn es gut läuft. Mittlerweile fordern 2.800 „Wissenschaftler“ den Rücktritt von Frau Stark-Watzinger aus einer Mischung aus Kontaktschuld und weil sie ihre Meinung äußerte zu einem sagen wir äußerst verunglückten offenen Brief, der laut Ansicht dieser Leute ja nur die Meinungsfreiheit verteidigen sollte.

Ich bin mir nicht sicher ob die Zeiten wirklich einfach verrückter werden oder ich langsam zu Alt. Ich kannte und kenne viele merkwürdige Akademiker, darunter die skurrilsten Fachidioten, aber das aktuelle, auch intellektuelle, Niveau eines erschreckend großen Teils von Hochschullehrern/Dozenten bewegt sich dabei weit unter dem, was ich als Jugendlicher im Pauschalurlaub mit dem Sportverein während des Konsums von Unmengen an Alkohol erlebt habe. Und das alles als Repräsentant in der Öffentlichkeit und ohne jeglichen Zweifel am eigenen Standpunkt und der eigenen völligen intellektuellen Überlegenheit.

Das erschreckende ist eigentlich vor allem, dass Berlin ja in vielen Bereichen der Vorreiter für bestimmte Entwicklungen ist. Und man darf befürchten, dass auch hier der Großteil der Republik nachziehen wird. In Grevesmühlen werden wohl Kalifatdemo oder linker „intellektueller“ Antisemitismus nie ein Problem werden, da wird wohl auch die Auffassung von Frau Faeser noch eine Weile ihre Gültigkeit behalten. Nur ist Grevesmühlen eine absolute Randerscheinung. Und man kann dort nicht mal der AfD die Schuld geben, in der angeblich so wehrhaften Unistadt Halle ist AfD die stärkste Kraft, in Greversmühlen bekam sie zwar ~1% mehr an Stimmen bleibt aber Bedeutungslos und populistische (rand) Parteien sind in Grevesmühlen weiter die Minderheit. Die Volksparteien CDU und SPD stellen dort eine komfortable Mehrheit, das kennt man ja in ganz Deutschland immer seltener.

Dabei zeigt Grevesmühlen durchaus wo die Probleme liegen. Man sieht zum einen die völlig verzerrte Darstellung von Politik und Medien. Man spottete hier ja von der Staatskrise die wolli anderweitig beschrieben hat, bei der Berichterstattung über Grevesmühlen ist die Marschrichtung klar. O-Ton „Der rassistische Angriff auf eine ghanaische Familie am Wochenende löste bundesweit Entsetzen aus.“. Das Thema wurde Deutschlandweit entsprechend ausgeschlachtet. Das obligatorische bunte Stärke zeigen gepaart mit dystopischen Erzählungen ging gekonnt von der Hand, dank üblichen Doxing, ähmm natürlich wehrhaften Strukturen die überraschenderweise dann doch auch in der ostdeutschen Kleinstadt plötzlich existieren, konnte man die Dramatik mit einem Bild von 5 Kindern die den Hitlerkrus zeigen ins unermessliche treiben. Blöd natürlich, wenn die Polizei den reißerischen Bericht korrigieren musste, schon wieder hat ein Video die ganzen schönen Märchen entzaubert. Glück im Unglück für die „Journalisten“, im Video war immerhin das N Wort dokumentiert. Man machte die Korrektur des ursprünglichen Aufregers im Nebensatz, Hauptsache Rassismus. All das von Menschen die ansonsten im Fakencheck jeden Kommafehler als relevant genug empfinden um von Fakenews zu reden.

Jetzt darf gerne wieder von Relativierung und Monologen geredet werden. Man kann aber auch gerne mal seinen ganzen Mut zusammennehmen selbst schauen wie die Berichterstattung und vor allem Rezeption von Antisemitischen Ausfällen an Berliner Unis war und wie sie im Fall Grevesmühlen aussieht. In Berlin reden wir selbst bei der Besetzung der FU Berlin von unzähligen Anzeigen inkl. mehrfacher Volksverhetzung und Gewalt vs. eine Gruppe Jugendlicher hat einem schwarzen Mädchen vielleicht ein Bein gestellt und in eine,r freundlich formuliert nicht nur den Jugendlichen aufgeheizten Diskussion, fiel am Rande wohl 2x das N Wort. Der Vorfall bleibt natürlich beschämend aber Darstellungen, Relevanz und auch der Umgang könnten unterschiedlicher nicht sein. Auch dürfte man wohl annehmen, dass Antisemitismus und Rassismus im Normalfall ähnlich schwer wiegen, daran liegt die unterschiedliche Berichterstattung wohl offensichtlich nicht.

Die AfD wird es freuen, man konnte sich oberflächlich von Neonazis distanzieren, sogar auf die billigste Art, denn vor dem ach so beliebten aber musste man nicht mal schreiben Rassismus ist doof sondern der Standardtext war eher „Ich distanziere mich… bla bla, denn man tritt keinen Kindern ins Gesicht ABER…“, damit war es schon erstaunlich ruhig, vereinzelt ein paar Verschwörungstheorien zur Gruppe, das war es. Doch dann wurde das Video veröffentlicht und die Polizei musste sich korrigieren, alles perfekt nachdem die Empörungswelle durchs Land ging und selbst Frau Faeser und die Außenministerin nicht widerstehen konnten etwas Gratismut mitzunehmen. Man konnte förmlich die Sektkorken in der Parteizentrale hören, die AfD musste nicht mal eine Kampagne erfinden, man legte ihre wie so oft den Ball nicht nur auf den Elfmeterpunkt, sondern schoss den Ball gleich zur Sicherheit noch ins eigene Tor. Das man in der Berichterstattung natürlich wieder fleißig das narrativ von doofen rechten Ossi gepflegt hat, dürfte wohl auch wieder den ein oder anderen die Protestwahl schmackhaft gemacht haben.