Die Vertreterinnen und Vertreter der Kulturhäuser in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben sich in einem offenen Brief besorgt an die Verantwortlichen des MDR und des Rundfunkrates gewandt. Hintergrund sind die geplanten finanziellen Einsparungen des Senders, die auch die Kulturberichterstattung betreffen könnten. Insbesondere die Sendung von MDR Klassik, die für die Kultur in der Region eine zentrale Rolle spielt, steht auf der Kippe.
In ihrem Schreiben machen die Unterzeichner deutlich, dass der MDR als öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt die Verantwortung hat, die kulturelle Vielfalt der Region zu fördern und kulturelle Debatten zu ermöglichen. Die Kulturberichterstattung – von regelmäßigen Theater- und Konzertberichten über Premierenankündigungen bis hin zu Kritiken und Hintergrundbeiträgen – sei ein unverzichtbarer Bestandteil der kulturellen Öffentlichkeit und kein Luxus.
Kulturberichterstattung als Grundlage für den kulturellen Dialog
„Der MDR hat im Staatsvertrag den Auftrag, die kulturelle Vielfalt in den drei mitteldeutschen Bundesländern sichtbar zu machen. Diese Aufgabe ist nicht nur für die Kulturinstitutionen, sondern auch für die Bevölkerung von enormer Bedeutung“, heißt es im offenen Brief. Der MDR als öffentlich-rechtlicher Sender habe in der Region eine besondere Verantwortung, Kultur aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen auch über die regionalen Grenzen hinaus bekannt zu machen.
Die Unterzeichner betonen die zentrale Funktion der Kulturberichterstattung, die nicht nur zur Information über aktuelle Veranstaltungen dient, sondern auch die kulturelle Meinungsbildung unterstützt. Kritiken, Porträts und Diskussionen zu aktuellen Produktionen schaffen eine Öffentlichkeit für die künstlerische Arbeit, ermöglichen eine ästhetische Einordnung und tragen zur Qualitätssicherung bei. „Ohne diese Debatten und die Möglichkeit, künstlerische Arbeit öffentlich zu diskutieren, droht ein Verlust des kulturellen Diskurses, der in jeder demokratischen Gesellschaft eine wichtige Rolle spielt“, so der offene Brief.
Ein Einschnitt mit weitreichenden Folgen
Die geplante Reduzierung der Kulturberichterstattung würde nicht nur die kulturelle Landschaft in der Region schwächen, sondern auch die Verbindung zwischen den Kulturinstitutionen und der breiten Bevölkerung gefährden. Besonders betroffen wären dabei die weniger mobilen Zielgruppen: Ältere Menschen, Pendler oder Menschen mit eingeschränkter Mobilität, die auf den Rundfunk als Informationsquelle angewiesen sind.
Die Kulturhäuser warnen zudem, dass eine Einschränkung der Kulturberichterstattung auch langfristige Auswirkungen auf die regionale Kulturpolitik und die Finanzierung der Institutionen haben könnte. Die öffentliche Wahrnehmung von Kulturinstitutionen ist eng mit ihrer medialen Präsenz verknüpft. Ohne kontinuierliche Berichterstattung fehlt es an der Legitimation für die öffentliche Finanzierung dieser Einrichtungen, was wiederum deren langfristige Existenz gefährden könnte.
Dringender Appell an den MDR
Die Kulturhäuser fordern den MDR und den Rundfunkrat auf, die Bedeutung der Kulturberichterstattung in den anstehenden Sparentscheidungen zu berücksichtigen. „Es geht nicht nur um die Erhaltung von Programmformaten wie dem Opernmagazin oder regelmäßigen Theaterberichten, sondern auch um die Sichtbarkeit der Kulturlandschaft im gesamten mitteldeutschen Raum“, heißt es weiter. Die Unterzeichner bitten darum, konkrete Maßnahmen zu prüfen, um auch in Zukunft die Kultur in der Region ausreichend abzubilden.
Fragen an den MDR
Im offenen Brief stellen die Kulturhäuser gezielte Fragen an den MDR, wie die kulturpolitische Verantwortung auch in Zukunft gewahrt bleiben soll. Sie fordern unter anderem eine Prüfung, wie regelmäßige Kulturberichterstattung, insbesondere zu Premieren, Theater- und Konzertberichten, sichergestellt werden kann. Auch die Frage, wie Programmformate wie das „Klassikgespräch“ auf MDR Klassik künftig ersetzt werden sollen, wird aufgeworfen. Weiterhin wird verlangt, dass die Sichtbarkeit der mitteldeutschen Kultur auf den Kanälen der ARD – sowohl im Radio als auch im Fernsehen – gewährleistet bleibt.
Kritik an der geplanten Digitalisierung
Ein weiterer Punkt im offenen Brief ist die geplante Verschiebung der Kulturberichterstattung ins Digitale. Die Unterzeichner warnen, dass eine reine Digitalstrategie die traditionellen Zielgruppen nicht erreichen würde. Besonders für ältere Menschen und weniger mobile Bürger sei das Radio ein wichtiger Zugang zur Kulturwelt. Die Digitalisierung könne daher die Bedeutung des Radios als Informationsquelle nicht ersetzen.
Forderung nach nachhaltiger Kulturpolitik
Abschließend fordern die Unterzeichner eine nachhaltige und zukunftsorientierte Kulturpolitik, die die kulturelle Vielfalt der Region fördert und sichert. „Kultur ist keine Nebensache, sondern ein zentraler Bestandteil unserer demokratischen Gesellschaft. Wir appellieren an den MDR, diesem Auftrag gerecht zu werden und die Kulturberichterstattung als wertvolle Ressource zu bewahren“, so der offene Brief.
Offener Brief im Original (PDF): https://hallespektrum.de/wp-content/uploads/2025/12/2025_12_15_BuehnenHalle_OffenerBrief.pdf
One comment on “Zukunft der Kulturberichterstattung beim MDR: Kulturhäuser in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen warnen vor Einsparungen”
Man darf auf Herbst 2026 gespannt sein. Dann gibts 24/7 Marschmusik und deutsche Schlagerparade rauf und runter.