Skip to content
HalleSpektrum.de – Onlinemagazin aus Halle (Saale) Logo

Zeitz erinnert an Oskar Brüsewitz

Zum 50. Jahrestag der Selbstverbrennung des evangelischen Pfarrers Oskar Brüsewitz erinnert Zeitz in einer Gedenkwoche an den Geistlichen und seinen Protest gegen die DDR-Diktatur. Brüsewitz hatte sich am 18. August 1976 vor der Michaeliskirche öffentlich selbst verbrannt. Vier Tage später starb er im Bezirkskrankenhaus Halle-Dölau an seinen schweren Verletzungen.

Brüsewitz hatte zuvor auf dem Dach seines Autos zwei Protestplakate angebracht und mit Funksprüchen gegen die kommunistische Herrschaft sowie die Kirchen- und Bildungspolitik der SED protestiert. Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit entfernten die Plakate, der schwer verletzte Pfarrer wurde abtransportiert. Seine Familie durfte ihn im Krankenhaus nicht besuchen. Die DDR-Führung stellte die Aktion anschließend als Tat eines psychisch kranken Menschen dar. Brüsewitz selbst hatte in einem Abschiedsbrief erklärt, dass es sich nicht um einen Suizid, sondern um eine politische Protestaktion handele.

Die Gedenkwoche beginnt am Dienstag, 18. August, um 11.55 Uhr – genau 50 Jahre nach der Selbstverbrennung – mit einer öffentlichen Gedenkveranstaltung und Kranzniederlegung vor der Michaeliskirche. Anschließend findet dort ein evangelisches Requiem statt. Zu den Rednern gehört Landesbischof Friedrich Kramer.

Um 16 Uhr wird im Brühl Cinema der Dokumentarfilm „Der Störenfried“ von Thomas Frickel aus dem Jahr 1992 gezeigt. Der Film beschäftigt sich anhand von Fotos, Briefen und Interviews mit Brüsewitz, seiner Familie und seinem Umfeld. Im Anschluss sprechen der Regisseur, sein damaliger Kontakt vor Ort Helmut Pöschel sowie der Kirchenhistoriker Christian Fuhrmann über den Film und die bis heute kontrovers diskutierte Bewertung der Selbstverbrennung. Der Eintritt ist frei.

Am Donnerstag, 20. August, geht es in der Nicolaikirche ab 18 Uhr unter dem Titel „Protest! Wie weit gehen für die eigenen Ideale? Der Fall Brüsewitz heute.“ um die Bedeutung des Falls für die Gegenwart. Der Historiker Karsten Krampitz und die ehemalige Pfarrerin Ursula Meckel, die Brüsewitz persönlich kannte, diskutieren mit dem Halleschen Stadtschreiber Aron Boks. Schülerinnen und Schüler des CJD-Gymnasiums Droyßig präsentieren zudem ein Theater- und Kompositionsprojekt.

Am Sonntag, 23. August, folgt um 13 Uhr ein Gedenkgottesdienst in der evangelischen Kirche Rippicha, der früheren Wirkungsstätte von Brüsewitz. Die Predigt hält Pfarrer David Wagner.

Noch bis zum 20. September ist im Museum Schloss Moritzburg Zeitz die Sonderausstellung „Oskar Brüsewitz – Zeichen gegen das Vergessen“ zu sehen. Dokumente, Objekte und Zeitzeugenberichte beleuchten dort das Leben und Wirken des Pfarrers sowie die Rolle von Kirche und Religion in der DDR.

Quelle: Stadt Zeitz, Veranstaltungsreihe zum 50. Jahrestag der Selbstverbrennung von Oskar Brüsewitz.

Schreibe einen Kommentar