„Unsere Schulkerze brennt“, beginnt Schulleiterin Iris Wiese
den Trauergottesdienst in der Kirche zur heiligsten Dreifaltigkeit
in Halle. Schüler, Lehrer, Erzieher, Seelsorger und Eltern haben
sich zu Fuß von der Sankt-Franziskus-Grundschule zur Kirche auf den
Weg gemacht, um Jakob und seiner Mutter die letzte Ehre zu
erweisen. Mit dabei war auch die Sekundarstufe des benachbarten
Elisabeth-Gymnasiums. Und es war spürbar, trotz der großen
Traurigkeit, waren alle getragen von der großen Gemeinschaft.
Kurz nach Ostern waren Jakob und seine Mutter auf Teneriffa
bei einem tragischen Gewaltverbrechen zu Tode gekommen. Der jüngere
Bruder überlebte das Geschehen. Beide Brüder waren Schüler der
katholischen Grundschule Sankt Franziskus.
Seit einer Woche gab es in der Schule einen Raum der Stille,
in dem die Mitschüler und Freunde persönlich gestaltete Bilder,
Bastelarbeiten und Texte ablegen konnten. „Auch wenn wir trauern,
wütend sind und ratlos“, so die Schulleiterin, „haben wir gemerkt,
dass wir eine Gemeinschaft sind. Wir weinen und lachen zusammen.“
Nach den vielen Gesprächen auch mit Seelsorgern ist die
Gemeinschaft noch einmal zusammengewachsen.
„Wir haben gelernt, dass wir Verantwortung haben, für uns und
die Gemeinschaft“, so Wiese. Die Trauer, Wut und Ohnmacht nahmen
sie mit auf den Weg und brachten ihn ins Haus Gottes. „Hier dürfen
wir uns unter Gottes Schutz stellen“, so Pater Clemens, der als
Schulpfarrer und Seelsorger den bewegenden
Gottesdienst leitete.
