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Wildentenweg – umstrittene Bebauung

Wildentenweg

Im Gespräch mit HalleSpektrum (HS): Ruben Hacker, Anwohner (RH).

HS: Guten Morgen Herr Hacker! Heute wird im Stadtrat über die umstrittene geplante Bebauung in Kröllwitz im Wildentenweg diskutiert. Dabei werden Anwohner aus Kröllwitz ein paar Fragen stellen. Sind Sie Vertreter einer Bürgerinitiative gegen die Bebauung?

RH:  Bürgerinitiative trifft es nicht ganz, wir sind Anwohner aus den anliegenden Straßen (Lettiner Straße, Wildentenweg, Blesshuhnweg). Nach den ersten Plänen im Jahr 2015 haben wir uns zusammengetan. Wir wollen die Bebauung nicht verhindern, sondern sie soll vernünftig gestaltet werden.

HS: Wo ist denn das Problem? Dass ein kleines Wäldchen abgeholzt werden muss, um Häuser zu bauen?

RH: Die Stadt möchte Wohnraum im Stadtgebiet schaffen, das ist auch legitim. Der hallesche Norden und speziell Kröllwitz sind attraktiv. Da liegt es nahe, hier weitere Wohnhäuser zu bauen. Die Frage ist, auf welche Art das stattfindet und in welchem Rahmen. Es gibt einen Flächennutzungsplan, den man nicht ändern sollte, dann ist das Landschaftsschutzgebiet betroffen, und das “Wäldchen” hat 3500 Quadratmeter. Das ist im Siedlungsraum nicht so klein. Die Attraktivität von Kröllwitz liegt ja auch daran, dass es hier vergleichsweise sehr grün ist.

HS: Es gibt ja Erfahrungen mit Bebauung in den letzten Jahren

RH: Natürlich. Und zwar nicht nur gute. In der Lettiner Straße sind in Lücken sechs Häuser entstanden, mit Auswirkungen auf die Parksituation. Der Saaleradwanderweg wird zugeparkt und schlechter befahrbar. In der Fuchsbergerstraße sind Neubauten entstanden, “Klein Manhattan”, die den Charakter der Straße deutlich verändern. Deshalb ist es wichtig,  Investoren sinnvolle Grenzen zu setzen, und 35 Neubauten sind im Wildentenweg deutlich zu viel.

HS: Woran machen Sie “zu viel” denn fest?

RH: Das betrifft alle Bereiche. 240 neue Einwohner müssen ja auch irgendwie hin- und wieder wegkommen. Schulkinder müssen in die Schule, Autos brauchen ihren Platz. Die Straße soll ja nichtmal saniert werden, wahrscheinlich werden eher die schweren Baufahrzeuge die bereits sanierten Straßen (zum Beispiel den Blesshuhnweg) wieder beschädigen. Die Stadt will zwar die Grundstücke verkaufen und eine Bebauung, aber ohne Investitionen in die Infrastruktur. ÖPNV gibt es hier hinten ja auch nicht. Dann die Flächen: es soll direkt bis ans Landschaftsschutzgebiet rangebaut werden. Dazu kommt die Hanglage, es gibt wasserführende Schichten. Wenn die durch die Neubauten angeschnitten werden, verändern sich Wasserflüsse, es besteht ein Risiko von nassen Kellern oder Absenkungen bei den vorhandenen Häusern, das sind Fragen der Hydrogeologie. Und die Bäume haben ja auch einen Wert, auch wenn es schon Schäden gibt. Gerade weil  in den letzten Jahren immer mehr Bäume krank werden oder sterben, muss man die vorhandenen besser erhalten und schützen. Von der Versiegelung ganz abgesehen.

HS: Wegen der Versickerung? Niederschläge sollen ja immer häufiger als Starkregen runterkommen, das Wasser muss ja auch irgendwo hin.

RH: Genau. Außerdem sind zwei geschützte Biotope betroffen, die einfach abgeordnet und zugebaut werden sollen. Es ist wichtig, die Anwohner einzubeziehen und alle Aspekte zu beachen, nicht einfach das maximal Mögliche rauszuholen.

HS: Was ist heute der Plan?

RH: Heute wollen wir mit unterschiedlichen Anfragen den Stadtrat überzeugen, dass die angeblichen Kompromisse in der Beschlussvorlage nur Augenwischerei sind. Aufgrund unserer Kritik wurden 6 Häuser verschoben, aber nicht reduziert. Die ganze Zeit waren 34 – 36 Häuser geplant. Irgendwo wurden Vier Parkplätze angelegt und behauptet, damit wäre die Verkehrssituation jetzt entspannt. Das sind Scheinlösungen, aber wenn man die Beschlussvorlage nicht ganz genau anschaut, stehen da viele schöne Worte, hinter denen immer noch genau die Maximalforderungen des Investors stehen.

HS: Wenn erst mal gebaut ist, ist das Grün ja unwiederbringlich weg, Schutzgebiete und Bäume. 

RH: Natürlich. Und ein Verkehrskonzept braucht man auch. Sollen die Autos durch den Saaleradweg und die gut sanierte, aber enge Talstraße? Oder den Wildentenweg? Dann braucht der einen ordentlichen Radweg und Fußweg. Der neue Radstreifen wird im Sommer ja hoffnungslos zugeparkt sein. Ohne echtes Verkehrskonzept sind 70 Wohneinheiten einfach zuviel. Für autoarmes Wohnen fehlt ja hier jede Grundlage, auch wenn die Bewohner heute schon viel mit dem Fahrrad erledigen. Die Stadt erarbeitet jedenfalls kein Verkehrskonzept, sondern ist der Meinung, irgendwie wird das alles schon funktionieren.

HS: Sind für die Baumfällungen denn Ausgleichsmaßnahmen geplant?

RH: Ja, aber wir kennen ja die Aussichten. Trotz Pflege vertrocknen doch viele Jungbäume, und selbst wenn sie überleben, dauert es viele Jahrzehnte, bis sie wieder diese Leistungen für uns bringen können. Schon wenn man vier große Villen aus dem Plan streicht, bleibt ein Waldstück erhalten.

Ausgleichsmaßnahme
Ausgleichsmaßnahmen

HS: Dann bleibt uns nur, für nachher viel Erfolg zu wünschen! Wie man im Titelbild sieht, haben sich Fridays for Future und Extinction Rebellion solidarisiert und fordern ebenfalls, die Aspekte Biodiversität, Klimaschutz und Verkehrswende ernst zu nehmen.

Vielen Dank für das Gespräch!

2 comments on “Wildentenweg – umstrittene Bebauung”

  1. Die Stadtverwaltung wird immer unglaubwürdiger, weil sie gegen eine vor einem Jahr gegen die ungenehmigte und gestoppte Baumfällung im Wäldchen an den Eigentümer erteilte Auflage zur Wiederaufforstung an Ort und Stelle verstoßen hat und jetzt alle Bäume für Wohnungen opfern möchte.

  2. Heiliger Sankt Florian / Verschon’ mein Haus, zünd’ and’re an!
    In einer Stadt, deren Vorteile auch den Kröllwitzern zu Gute kommt, etwas unangebracht.

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