Stichworte: Inobhutnahme, Jugendamt, Überforderung, Vernachlässigung, unbegleitete Einreise
Halle (Saale). In Sachsen-Anhalt wurden im Jahr 2024 deutlich weniger Kinder und Jugendliche vorübergehend durch Jugendämter in Obhut genommen als im Jahr zuvor. Insgesamt registrierten die Behörden 1 939 Inobhutnahmen – ein Rückgang um 5,0 % gegenüber 2023. Das teilte das Statistische Landesamt in Halle (Saale) am Freitag mit.
Der stärkste Rückgang war bei unbegleiteten Einreisen aus dem Ausland zu verzeichnen: 134 minderjährige Geflüchtete weniger als im Vorjahr wurden aufgrund fehlender Begleitung durch Erwachsene in Obhut genommen – ein Minus von 17,7 %. Damit sank ihre Zahl auf 623. Die meisten unbegleitet Einreisenden waren männlich (545 von 584 Personen) und im Alter zwischen 14 und unter 18 Jahren.
Jugendliche besonders häufig betroffen
Auch im Jahr 2024 betrafen die meisten Maßnahmen Jugendliche: In 1 096 Fällen – das entspricht 56,5 % – nahmen Jugendämter 14- bis unter 18-Jährige in Obhut. Kinder unter 3 Jahren waren in 232 Fällen betroffen (12,0 %), Kinder zwischen 12 und unter 14 Jahren in 189 Fällen (9,8 %).
Die Hauptgründe für die Inobhutnahmen blieben ähnlich wie in den Vorjahren. Am häufigsten wurden die Jugendämter tätig, weil Eltern oder ein Elternteil überfordert waren (671 Fälle). Es folgten unbegleitete Einreisen (623 Fälle) und Anzeichen für Vernachlässigung (336 Fälle). Bei den Kindern unter 14 Jahren lagen in 123 Fällen Hinweise auf körperliche Misshandlung vor.
Hinweise meist vom Jugendamt selbst
Am häufigsten ging die Initiative zur Inobhutnahme vom Jugendamt oder dem sozialen Dienst selbst aus (793 Fälle). In 283 Fällen suchten die betroffenen Kinder und Jugendlichen selbst Hilfe, und in 274 Fällen kamen die Hinweise von Polizei, Staatsanwaltschaft oder Gericht.
Dauer der Maßnahme gestiegen
Die durchschnittliche Dauer einer Inobhutnahme betrug im Jahr 2024 rund 71 Tage – deutlich länger als noch im Vorjahr, als sie bei durchschnittlich 51 Tagen lag. Dennoch konnte in etwa jedem dritten Fall (30,1 %) eine schnelle Lösung gefunden werden: Die Schutzmaßnahme endete hier bereits nach weniger als einer Woche.
Die Daten zeigen auch, dass Jungen häufiger betroffen waren als Mädchen: In 61,1 % der Fälle handelte es sich um männliche Minderjährige, in 38,9 % um weibliche.
Trotz des leichten Rückgangs bleibt die Zahl der Inobhutnahmen hoch – sie zeugt von anhaltenden Belastungen in vielen Familien, aber auch von der wachsenden Verantwortung, die Jugendämter im Umgang mit jungen Geflüchteten übernehmen.