Die FDP ist sauer. Kreisvorsitzende Kaja Raab und Landesvorsitzender Frank Sitta verfassten wegen der schleppenden Debatte um die Umbenennung eines öffentlichen Platzes in Halle nun einen bösen Brandbrief. darin fordern sie Bürger auf, vor der entscheidenden Sitzung des Stadtrates am 22 Februar vor dem Stadthaus zu protestieren:
„Es reicht! Aufruf zum
Protest durch die Bürger vor der nächsten Stadtratssitzung am 22.
Februar. Die Auftritte, die sich Teile des halleschen Stadtrates im
Zusammenhang mit der Ehrung für Hans-Dietrich Genscher leisten,
hinterlassen Fassungslosigkeit. In der Landeshauptstadt Magdeburg
gelingt es, in nur einer Sitzung und einem Antrag eine
Selbstverständlichkeit, nämlich die Benennung einer öffentlichen
Straße nach diesem kürzlich verstorbenen Politiker, herbeizuführen.
In Halle braucht der Stadtrat eine scheiternde Arbeitsgruppe
über Monate, mehrere Rats- und Ausschusssitzungen, jede Menge
öffentliches Gemetzel und am Ende kommt nichts dabei heraus, als
das Zurücklassen verstörter Bobachter angesichts der
Argumentationen, mit denen dabei agiert wird. Die Namensgebung
einer Schule liegt nach hier geltenden Gesetzmäßigkeiten in den
Händen der Gesamtkonferenz, der Stadtrat hat lediglich die Aufgabe,
die Namensgebung noch einmal zu bestätigen. Das hat den
berechtigten Grund, dass sich eine Schule eben nicht mit einem
Namen schmückt, der gesellschaftlich eben gänzlich inakzeptabel
ist. Die Schüler und Lehrerschaft des Herdergymnasiums haben sich
wochenlang mit Genscher beschäftigt, es gibt einen Bezug von ihm
zur Schule, es gab ein demokratisches Verfahren innerhalb der
Schule, das deutlich für die Namensänderung ausging. Und was machen
Teile des Rates? Verweigern ihre Zustimmung, als sollte die Schule
den Namen des Hallensers Reinhard Heydrich bekommen. Ist dies das
Selbstverständnis eines Vertretungsanspruchs für ihre Bürger, das
die betreffenden Räte da haben?Die hallesche FDP hat sich in der
bisherigen Diskussion weitestgehend zurück gehalten, um keine
unnötigen Hürden aufzubauen, wenn jemand die unstrittigen
persönlichen Leistungen Genschers mit seiner Parteizugehörigkeit
verbinden sollte. Aber jetzt reicht es! Der Kreisvorsitzende der
halleschen Liberalen Frank Sitta sagt dazu: „Die Diskussionen im
Kulturausschuss sind der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen
bringt. Wo ist hier die Verhältnismäßigkeit, die gerade von den
Verweigerern eingefordert wird?“ Die Liberalen werden sich mit den
Organisationen, die sich bisher für eine Würdigung dieses
halleschen Ehrenbürgers eingesetzt haben, zusammenschließen und im
Vorfeld der entscheidenden Stadtratssitzung am 22. Februar vor dem
Stadthaus eines Aktion dazu durchführen. „Ich rufe alle
Hallenserinnen und Hallenser auf, um 13:30 Uhr dazu zu kommen und
ihren gewählten Vertretern zu zeigen, in welcher Form sie sich eine
Ehrung von Hans-Dietrich-Genscher wünschen“, so Sitta. Katja Raab,
die für die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung im Geburtshaus von
Hans-Dietrich Genscher arbeitet, zieht Parallelen zur halleschen
Geschichte. „Die Uneinigkeit des halleschen Rates hat die Stadt
schon immer mehr behindert als nach vorne gebracht.“ 1478 wurde
eben diese Uneinigkeit des Rates vom Magdeburger Erzbischof genutzt
und er ließ seine Truppen in Halle einmarschieren. Die Stadt verlor
daraufhin sämtliche Freiheitsrechte und das Messerecht nach
Leipzig, die daraufhin und bis heute erblühte. „Man sollte doch
eigentlich meinen, dass wir daraus gelernt haben. Aber das ist
offensichtlich nicht der Fall. Ich lade Herrn Feigl und Herrn
Bartsch zur Lektüre der Kondolenzbücher ein, in die sich die
Menschen nach Genschers Tod eingetragen „haben, um ein Gefühl dafür
zu bekommen, wie die Menschen außerhalb des Universums Stadtrat die
Verdienste Hans-Dietrich Genschers sehen“, so
Raab.“
8 comments on “Wegen zögerlicher Genscher-Ehrung: der FDP platzt der Kragen”
Das ist ja an Komik kaum noch zu überbieten, welche Geschütze hier wegen solcher Nebensächlichkeiten aufgefahren werden. Interessant auch das Selbstverständnis dieser Berufspolitiker, die eine Demo zu Zeiten ansetzen wo der normale Mensch seiner Erwerbstätigkeit nachgeht.
Aus diesem Auruf spricht die abgewählte Westerwelle/Piper -FDP, die merken einfach nicht, dass dieses großkotzige Gehabe nicht gewollt ist, also sollen sie bleiben wo sie sind.
Das hat die Stadt nun davon. Woher soll bei Feigel, Bartsch & Co. auch das Wissen um das Erbe von HDG kommen.
Hier wird die Außenwirkung der Stadt nachhaltig und irreparabel geschädigt.
„Die duemmsten Kaelber suchen sich Ihren Schlachter selbst.“, armes Halle.
Vielleicht kommt es wie 1478 und „Truppen“ marschieren in Halle ein und Halle verliert das Stadtrecht.
Die MZ hat übertrieben, das ist nun die Quittung.
Zitat: jede Menge öffentliches Gemetzel
Schrecklich! Habe ich was verpaßt? Hat jemand überlebt? Oder hat Hr. Sitta nur einen schlechten Film gesehen?
Hat die FDP keine anderen Probleme als eine „Genscher-Schule“? Anderswo wird die Demokratie abgeschafft, die Spaltung der Gesellschaft wächst, auch in Bezug auf arm und reich, und die „lingua tertii imperii“ feiert fröhlich Urständ, aber die FDP hat als Hauptthema die Ehrung eines verstorbenen Politikers.
Es wird zeit, daß diesmal die sächsischen Truppen in Halle einmarschieren. …
Einer „Partei der Besserverdienenden“ platzt der Kragen? Dann sollten die sich mal andere, passendere Klamotten leisten. Oder reicht es dazu schon nicht mehr?