Wasser war immer da. Es floss durch Brunnen und Leitungen, nährte Städte, trug Industrie und Alltag – oft unbeachtet, solange es verlässlich aus dem Hahn kam. Doch die Zeit der stillen Selbstverständlichkeit geht zu Ende. Am 10. Dezember 2025 kamen in Magdeburg mehr als 100 Vertreterinnen und Vertreter aus Städten und Gemeinden zusammen, um beim Workshop „Zukunftsfähige Wasserversorgung für Sachsen-Anhalt und den Großraum Leipzig“ über das zu sprechen, was bleiben muss, wenn sich alles wandelt.
Eingeladen hatten das Kompetenzzentrum Wasserwirtschaft Halle (KZWW), der Städte- und Gemeindebund Sachsen-Anhalt sowie die DVGW-Landesgruppe Mitteldeutschland. Im Mittelpunkt stand die Vorstellung von Teil 1 der Wasserversorgungskonzeption des Landes Sachsen-Anhalt sowie eines Zukunftskonzepts für die Trinkwasserversorgung im Großraum Leipzig. Beide Papiere eint eine klare Botschaft: Die alten Systeme tragen noch – aber sie werden stärker gefordert als je zuvor.
Industrieansiedlungen, der Klimawandel mit seinen trockenen Sommern und nassen Wintern, der tiefgreifende Strukturwandel in Mitteldeutschland: All dies lässt den Wasserbedarf wachsen und verschiebt Belastungen. Die Analysen zeigen, dass insbesondere die Fernwasserversorger in Spitzenzeiten bereits heute an Grenzen stoßen. Bis 2035 könnte der jährliche Mehrbedarf um über 35 Millionen Kubikmeter steigen – eine Zahl, die nüchtern klingt, aber schwer wiegt.
Wissenschafts- und Umweltminister Prof. Dr. Armin Willingmann mahnte zur Weitsicht. Die Versorgung mit hochwertigem Trinkwasser sei aktuell gesichert, sagte er, doch wer Wachstum, Lebensqualität und wirtschaftliche Entwicklung wolle, müsse vorausdenken. Investitionen dürften nicht erst dann beginnen, wenn Engpässe sichtbar würden. Wasser, so seine Botschaft, ist keine Ressource für den schnellen Zugriff, sondern ein Fundament, das gepflegt und erneuert werden muss – mit Unterstützung von Bund und Europäischer Union.
Bereits im Landtag wurde das Konzept diskutiert; nun geht es darum, die Empfehlungen in konkrete Strukturprogramme zu überführen. Der Workshop zeigte dabei nicht nur Defizite, sondern auch Wege nach vorn: Innovationsstrategien städtischer und ländlicher Versorger, neue rechtliche Rahmenbedingungen durch das novellierte Wassergesetz des Landes und der länderübergreifende Blick auf gemeinsame Lösungen.
Getragen von nahezu 100 Akteuren aus Wissenschaft, Praxis, Verwaltung und Wirtschaft arbeitet das Kompetenzzentrum Wasserwirtschaft Halle seit 2023 an dieser Aufgabe. In einer Zeit, in der vieles schneller, lauter, kurzlebiger wird, erinnert die Debatte um Wasser an eine alte Wahrheit: Dauerhaftes entsteht nicht im Eifer des Augenblicks, sondern aus sorgfältiger Planung und gemeinsamer Verantwortung.
So stand am Ende des Tages weniger ein fertiger Plan als ein Versprechen: dass Sachsen-Anhalt und der Großraum Leipzig das bewahren wollen, was Generationen vor ihnen aufgebaut haben – und es zugleich so weiterentwickeln, dass es auch kommenden Generationen dient.
One comment on “Wasser als Vermächtnis: Sachsen-Anhalt denkt seine Versorgung neu”
Herrlich diese Pressebilder. Wie aus dem Lexikon „Ikonografie der phantasielosesten Pressebilder. Rubrik: Politiker präsentieren Ergebnis“