Kaum bemerkt haben sich die Waschbären schon längst in unserer Nachbarschaft breit gemacht. Sie finden hier einen reich gedeckten Tisch und akzeptable Wohnmöglichkeiten. Immer weniger scheu, geradezu dreist nisten die schlauen Tiere sich ein und bedienen sich schamlos in unseren Nutzgärten und Mülltonnen. Manche Vogelbrut und hoffnungsvoll reifendes Obst und Gemüse fielen ihnen schon zum Opfer. Halles Grünflächen sind nicht nur beliebte Naherholungsgebiete für uns Stadtbewohner, sondern auch Prime-Wohngebiete für Waschbären.
Der aus Nordamerika stammende Waschbär wurde im vergangenen Jahrhundert gezielt angesiedelt. Auch aus entkommenen Farmtieren entwickelten sich Wildpopulationen. Sein enormes Populationswachstum führte zu einer nahezu flächendeckenden Ausbreitung in allen Landschaftstypen. Das hatte rasch nachteilige Auswirkungen auf Ökosysteme, denn der omnivore, sehr anpassungsfähige Waschbär entwickelte sich zu einer Gefahr für etliche vom Aussterben bedrohten Tierarten.
Was tun?
Man sollte die Waschbären keinesfalls füttern oder mit Futter anlocken. Die intelligenten Tiere gewöhnen sich schnell an eine Fütterung durch den Menschen und rücken dann gleich in Großfamilienstärke an. Mögliche Futterquellen sollten blockiert werden, also Müllbehälter gut verschließen, Haustierfutter nicht draußen stehen lassen, offene Komposthaufen gut abdecken, Bäume gegen Hochklettern schützen. Damit sie sich nicht im Dachboden breit machen, müssen mögliche Zugänge ins Haus blockiert werden. Über Dachrinnen und Schornsteine gelangen die unerschrockenen Kletterkünstler nämlich leicht ins Haus.
Da die Waschbären Dämmerungs- und nachtaktiv sind, bekommt man die Tiere meist selbst weniger zu Gesicht, als ihre verteilten Hinterlassenschaften. Den Waschbärkot zu entfernen ist eine erste Maßnahme für die erfolgreiche Waschbärenvertreibung. Waschbären erkennen am Geruch, wo sie schon einmal erfolgreich genistet haben und würden einfach wiederkommen. Waschbären bevorzugen für ihr Geschäft vor allem erhöhte Stellen, so beispielsweise auf dicken Ästen. Sie setzen Kot immer an den gleichen Stellen ab. Das Aussehen der Hinterlassenschaften ähnelt dem Geschäft eines kleinen Hundes und stinkt kräftig. Leider ist es nicht so einfach, diesen Duft wegzubekommen. Vor allem der Urin, den er beispielsweise auf Dachböden auch noch verteilt, zieht in Holz und andere Materialien ein.

Mit jagdlichen Mitteln (Abschuss, Lebendfang) können lokal auftretende wirtschaftliche Probleme zumindest etwas entschärft werden. Aber ansonsten müssen wir mit Johann Wolfgang von Goethe resignierend konstatieren: „Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los“.
(H.J. Ferenz)