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Vorwürfe gegen Jahresausstellung der Burg Giebichenstein – Antisemitismus-Debatte entflammt erneut

Nach der Jahresausstellung der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, die am vergangenen Wochenende stattfand, sieht sich die traditionsreiche Ausbildungsstätte erneut schweren Vorwürfen ausgesetzt. Das Bündnis gegen Antisemitismus Halle wirft der Hochschule vor, antisemitische Inhalte nicht nur zu dulden, sondern auch aktiv in Szene gesetzt zu haben.

In einer am Mittwoch verbreiteten Pressemitteilung spricht das Bündnis von einem „erschreckenden Maß an antisemitischer Hetze“, das sich in mehreren Formen im Rahmen der Ausstellung manifestiert habe. Bereits im Vorfeld sei durch eine studentische Campus-Zeitschrift, die nach Angaben des Bündnisses durch den Studierendenrat (Stura) gefördert werde, dazu aufgerufen worden, Exponate mit dem Vorwurf des Völkermords gegen Israel zu versehen. Diese Behauptung sei laut dem Bündnis „eine klassische antisemitische Projektion“ und stehe in der Tradition „mittelalterlicher Brunnenvergiftungsmythen“ und „rassistischer Verschwörungsideologien des 20. Jahrhunderts“.

Besonders kritisch bewertet das Bündnis auch die Modenschau, die traditionell einen zentralen Programmpunkt der Jahresausstellung bildet. Dort seien Flugblätter verteilt worden, die Israel eines Genozids an den Palästinensern bezichtigten. Zudem hätten zahlreiche Models ein Palästinensertuch getragen – ein Kleidungsstück, dem das Bündnis eine historische Nähe zu judenfeindlicher Propaganda zuschreibt. Der symbolische Akt sei vom Publikum und der Hochschulleitung „mit großer Begeisterung aufgenommen“ worden.

Schärfste Kritik äußert das Bündnis auch an einer Kunstinstallation im Innenhof der Hochschule: Ein großformatiges Relief habe neben einer Palästinaflagge einen Schweinekopf gezeigt – eine Darstellung, die laut dem Bündnis an klassische antisemitische Bildsprache erinnere und in der Darstellung von Juden als „Schweine“ wurzle.

Die genannten Vorfälle seien kein Einzelfall, sondern Ausdruck eines sich verfestigenden Klimas, so das Bündnis. Seit dem Terroranschlag der Hamas am 7. Oktober 2023 nehme der Antisemitismus an der Hochschule spürbar zu. Die Gruppe Students for Palestine, der das Bündnis eine „stramm antisemitische Ausrichtung“ attestiert, sei mehrfach vom Stura technisch unterstützt worden. Auch im vergangenen Jahr sei es im Rahmen der Ausstellung zu antisemitisch motivierten Vorfällen gekommen. Genannt werden etwa das mutwillige Überkleben eines Banners mit Zitaten von Überlebenden des Anschlags auf die Synagoge in Halle im Jahr 2019 sowie das Verschwinden einer Arbeit zur Darstellung des „Judensau“-Motivs im Mittelalter.

Besonders schwerwiegend sind die Vorwürfe, wonach Besucher, die als kritisch gegenüber antisemitischen Inhalten wahrgenommen wurden, bedroht, verfolgt und in einem Fall sogar körperlich attackiert worden seien. Der Versuch, einem Besucher ein Symbol des Antisemitismus zu entreißen, habe demnach in Gewalt gemündet.

Die Hochschulleitung der Burg Giebichenstein hat sich bislang nicht öffentlich zu den Vorwürfen geäußert. Auch Stellungnahmen von Studierendenvertretung oder beteiligten Gruppen lagen bis Redaktionsschluss nicht vor.

Das Bündnis fordert eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit den Vorgängen an der Kunsthochschule und schlägt provokant vor, die Veranstaltung künftig in „Jahresausstellung für antisemitische Hetze“ umzubenennen.

Wie sich die Hochschule zu den Anschuldigungen positionieren wird, bleibt abzuwarten. Die Debatte um den Umgang mit Antisemitismus im Kunst- und Kulturbetrieb dürfte damit weiter an Fahrt aufnehmen.

One comment on “Vorwürfe gegen Jahresausstellung der Burg Giebichenstein – Antisemitismus-Debatte entflammt erneut”

  1. Schon die Wiederholung des Vorfalls zeigt, dass die Verantwortlichen nicht viel gelernt haben. „Haben wir nicht gewusst“ reicht jetzt nicht mehr.

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