Zur medizinischen Situation in der Stadt
32 Covid-19-Patienten befinden sich aktuell in den Kliniken der Stadt, das sind zwei mehr als gestern. Weiterhin müssen vier Patienten auf der Intensivstation behandelt werden. In der Stadt Halle gibt es aktuell 195 Infektionsfälle. Die Zahl hat sich damit in den letzten 24 Stunden um zehn Fälle erhöht.
Pro 100 000 Einwohner gibt es in Sachsen-Anhalt rund 35 Infizierte. In Hamburg etwa liegt diese Quote bei über 124, im Bundesschnitt bei knapp 81. In Halle liegt die Quote bei 80. Das erklärt auch, warum in Halle eine besondere Situation vorliegt, die mit dem Landesdurchschnitt in Sachsen-Anhalt nicht vergleichbar ist.
Am gestrigen Abend ist eine 94-jährige Bewohnerin des Pflegeheims „Johannes-Jänicke-Haus“ gestorben. Die Verstorbene war positiv auf das Corona-Virus getestet worden. Sie hatte allerdings per Patientenverfügung festgelegt, nicht stationär behandelt zu werden. Die Stadt Halle hat damit nun drei Todesfälle, die eine Corona-Infektion aufwiesen, zu beklagen. Nach den positiven Tests im „Johannes Jänicke-Haus“ von 22 Bewohnern und neun Mitarbeitern steht das Pflegeheim weiter unter Quarantäne. Es finden weiter zweimal täglich ärztliche Visiten statt.
Grundsätzlich gilt: Für Einrichtungen im Gesundheits- und Sicherheitswesen ist vor Beginn der Arbeit zudem ein Gesundheitsfragebogen von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auszufüllen und dem Arbeitgeber vorzulegen.
Wie ich bereits gestern berichtet habe, haben sich das Klinikum Bergmannstrost und das Elisabeth-Krankenhaus in den vergangenen Tagen auf die Aufnahme von vier Covid-19-Patienten aus der Lombardei vorbereitet. Der Transport der Erkrankten – drei Männer und eine Frau, zwischen Jahrgang 1954 und Jahrgang 1970 – findet im Laufe des heutigen Tages statt. Den Transport übernimmt die Schweizerische Rettungsflugwacht. Alle vier Intensiv-Patienten werden im Bergmannstrost in einem isolierten Bereich behandelt.
Die Übernahme der italienischen Patienten basiert maßgeblich auf einer Gemeinschaftsinitiative des Elisabeth-Krankenhauses mit dem Bergmannstrost und basiert auf der sehr guten Zusammenarbeit der halleschen Krankenhäuser und dem Katastrophenschutzstab der Stadt Halle. Die Stadt Halle unterstützt diese Hilfe für die schwer vom Corona-Virus betroffene Region in Nord-Italien. Diese Maßnahme ist ein humanitärer Akt, zu dem wir uns verpflichtet sehen. Der Katastrophenstab steht mehrmals täglich in Kontakt zu den Geschäftsführungen und Ärztlichen Direktoren der Kliniken, um jederzeit über die medizinische Situation informiert zu sein.
Die Stadt Halle arbeitet aktuell mit fünf Laboren zusammen, in denen Corona-Tests ausgewertet werden: drei Labore befinden sich in Halle, eines in Dessau, eines in Magdeburg. Über die drei Schwerpunkt-Ambulanzen in der Stadt, die mobile Test-Station auf dem Parkplatz der Arbeitsagentur und den mobilen Fahrdienst der Kassenärztlichen Vereinigung wurden am gestrigen Mittwoch 129 Abstriche durchgeführt.
Eine Lieferung von Test-Sets, die die Stadt durch das Land Sachsen-Anhalt erhalten hat, war qualitativ nicht ausreichend, um verlässliche Test-Resultate zu erhalten. Dies ließ sich allerdings erst bei der Bearbeitung der Proben in den Laboren feststellen. Aus diesem Grund ist zu erwarten, dass einige Proben, die in den vergangenen Tagen genommen worden sind, wiederholt werden müssen. Das Gesundheitsamt steht hierzu in engem Kontakt mit den Laboren und wird Kontakt zu den betroffenen Personen aufnehmen.
Zur Sicherheit und Ordnung in der Stadt
Die Ordnungskräfte von Stadt und Polizei haben gestern insgesamt 533 Kontrollen durchgeführt. Dabei wurden 18 Anzeigen gestellt, allein 14 davon als Konsequenz von Personen-Ansammlungen. Hinzu kommen drei Verstöße auf Spielplätzen und ein Verstoß durch eine Gaststätte.
Die Stadt wird ihre konsequente Linie fortführen, Verstöße auch mit Strafanzeigen zu ahnden. Ich möchte das auch deshalb an dieser Stelle noch einmal deutlich machen, weil vor uns ein Wochenende mit bestem Frühlingswetter liegt. Wir wissen, dass es viele Menschen in den kommenden Tagen nach draußen ziehen wird. Das beobachten wir jetzt bereits auf größeren Plätzen, wie dem Universitätsplatz und dem Steintor-Campus. Picknicken und Grillen sind nicht zulässig. Sport und Bewegung an der frischen Luft zu zweit sind als triftiger Grund anerkannt.
Deshalb weisen wir noch einmal dringend darauf hin, sich an die Vorgaben der Zweiten Eindämmungsverordnung des Landes Sachsen-Anhalt vom 24. März zu halten. Darin heißt es:
„Jeder wird angehalten, die physischen und sozialen Kontakte zu anderen Menschen außerhalb der Angeho¨rigen des eigenen Hausstands auf ein absolut no¨tiges Minimum zu reduzieren. Wo immer mo¨glich ist ein Mindestabstand zwischen zwei Personen von 1,5 Metern einzuhalten. Das Verlassen der eigenen Wohnung ist nur bei Vorliegen triftiger Gru¨nde erlaubt.“
Wir empfehlen allen Bürgerinnen und Bürgern, sich mit der Eindämmungsverordnung des Landes noch einmal vertraut zu machen. Sie finden diese unter anderem auf der Internetseite der Stadt unter www.halle.de.
Zu den Unterstützungsleistungen
Hinweisen möchte ich auf ein Unterstützungsangebot aus unserem Star Park: Der Werkleiter des Unternehmens „Great View“, Steffen Enders, hat uns informiert, dass als Spende des Unternehmens heute 5000 OP-Masken für die Stadt Halle angekommen sind, weitere 5000 Schutzmasken sind noch unterwegs. Diese Unterstützung liegt dem Unternehmen sehr am Herzen, da es damit etwas von der steten Unterstützung durch die Stadtverwaltung zurückgeben möchte.
Zur gestrigen Frage zum Thema Home-Office: Stand jetzt haben 675 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten.
Liebe Hallenserinnen, liebe Hallenser,
wir erleben gerade eine weltweite Pandemie. Der Katastrophenstab der Stadt trifft sich dreimal täglich, um schnell auf alle Entwicklungen reagieren zu können. Die Problemstellungen sind vielfältig: die Situation in den Kliniken und Pflegeheimen, die Versorgung mit Schutzkleidung, die Lage in den Laboren und die enormen Herausforderungen für die Wirtschaft. Oft sind es Einzelfälle, die individuell entschieden werden müssen.
Der Blick über die Grenzen hinaus – etwa nach Amerika – zeigt aber auch, wie wichtig diese Maßnahmen zur Eindämmung sind und wie wichtig es ist, vorausschauend zu handeln. Die Stadt Halle war am 12. März die erste deutsche Großstadt, die Schulen, Kitas und Horte geschlossen hat, um Infektionsketten zu unterbrechen. Was für einige wie ein übereilter Schritt wirkte, ist inzwischen europaweit als unumgängliche Maßnahme umgesetzt worden.
Wir wissen, dass diese Maßnahmen von jedem Einzelnen viel abverlangen. Aber sie sind notwendig. In Halle verdoppelt sich die Anzahl der Infizierten aktuell statistisch alle sieben Tage. Das ist eine Verbesserung, aber es ist noch nicht gut genug. Es liegt an uns allen, die Ausbreitung weiter zu verlangsamen und Risikogruppen zu schützen.
Ich bitte Sie alle, dies zu beherzigen und auch am kommenden frühlingshaften Wochenende die Kontaktminimierung umzusetzen.
Ich bitte Sie: Bleiben Sie zu Hause! Verlassen Sie nur das Haus, wenn Sie es unbedingt müssen.
Bleiben Sie gesund – und allen Erkrankten: Gute Besserung!
Ab 13 Uhr am 02. 04. 2020 lief auch heute wieder die Videopressekonferenz live aus dem Ratshof in Halle. Oberbürgermeister Bernd Wiegand, die Amtsärztin Christine Gröger und die Beigeordnete für Bildung und Soziales Katharina Brederlow informieren über aktuelle Entwicklungen.