Unterwasserarchäologie liefert neue Hinweise auf das Leben in der Mittelsteinzeit
Arendsee. Bei unterwasserarchäologischen Untersuchungen im Arendsee haben Forschende des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie (LDA) Sachsen-Anhalt bis zu 10.500 Jahre alte Hölzer entdeckt. Die bearbeiteten Hölzer stammen aus der Mittelsteinzeit. Noch ist unklar, ob sie zu Hütten oder zu anderen, bislang unbekannten Konstruktionen gehörten.
Die Funde stammen aus einer Zeit, in der die Menschen noch nicht dauerhaft sesshaft waren und von Jagd, Sammeln und Fischfang lebten. Auch am Ufer des Arendsees lebten nach bisherigen Erkenntnissen bereits Menschen. Die Epoche wird als Mesolithikum bezeichnet. In diese Zeit fällt auch das Leben der Schamanin von Bad Dürrenberg.
Die außergewöhnlich gute Erhaltung der Funde hängt mit der besonderen Geologie des Arendsees zusammen. Der Untergrund des Sees sinkt durch geologische Prozesse über einem Salzstock langsam ab. Dadurch liegen die Spuren der damaligen Uferlandschaft heute in rund 20 Metern Tiefe unter einer dünnen Sedimentschicht. Neben den für diese Zeit typischen Steingeräten und Tierknochen konnten dort auch größere Holzobjekte geborgen werden.
Unter den Funden befindet sich ein rund 1,6 Meter hoher Pfahl mit Fällspuren. Außerdem wurden bis zu 1,3 Meter lange Spaltbretter entdeckt. Nach ersten Untersuchungen könnten die Hölzer Bestandteile von Konstruktionen gewesen sein. Ob es sich dabei um Wohnbauten oder andere Formen der Holznutzung handelt, soll durch weitere Untersuchungen geklärt werden.
Die Funde sind für die Archäologie der Mittelsteinzeit von besonderer Bedeutung. Während entsprechende Bauten in Mitteldeutschland bisher vor allem durch Verfärbungen im Boden nachgewiesen werden konnten, haben sich im Arendsee Teile der Holzkonstruktionen selbst erhalten. Sollte sich bestätigen, dass die Hölzer zu dauerhaften Bauten oder intensiv gestalteten Aufenthaltsplätzen gehörten, könnte dies neue Erkenntnisse über die Lebensweise der damaligen Jäger und Sammler liefern.
Weitere Proben und Funde wurden nach der Entdeckung im Frühjahr 2026 geborgen, um Alter und Ausdehnung der Fundstelle genauer zu bestimmen. Gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB-AST) in Ilmenau wurden außerdem mit einem Unterwasserroboter hochauflösende Sonarscans erstellt. Damit soll das Relief des ehemaligen Seeufers dokumentiert und die Lage der Fundstellen genauer bestimmt werden.
Der Arendsee ist bereits seit mehreren Jahren Gegenstand unterwasserarchäologischer Untersuchungen. Dabei wurden unter anderem jungsteinzeitliche Fischzäune sowie ein hochmittelalterlicher Prahm und ein spätmittelalterlicher Einbaum entdeckt.
Die neuen Funde eröffnen damit einen weiteren Blick auf die Zeit vor rund 10.500 Jahren und ergänzen die archäologischen Erkenntnisse über die Epoche, in der die Schamanin von Bad Dürrenberg lebte.
Quelle: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt.