Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Region Leipzig-Halle-Dessau übt deutliche Kritik an gastronomischen Betrieben in Halle. Trotz der seit Jahresbeginn geltenden Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen von 19 auf 7 Prozent profitierten viele Beschäftigte nicht von der finanziellen Entlastung, so die NGG. Nach Einschätzung der Gewerkschaft verbleiben die Mehreinnahmen überwiegend in den Betrieben, während Löhne unverändert niedrig bleiben.
Nach Angaben der NGG profitieren rund 390 Gastronomiebetriebe in Halle von der Steuerreduktion. Ein erwartbarer Preisrückgang für Gäste sei jedoch weitgehend ausgeblieben. Gleichzeitig würden viele Küchen- und Servicekräfte weiterhin lediglich den gesetzlichen Mindestlohn erhalten, der Anfang des Jahres auf 13,90 Euro pro Stunde gestiegen ist. Die Gewerkschaft bezeichnet diese Entwicklung als problematisch und kritisiert insbesondere den Umgang mancher Betriebe mit den gestiegenen Lohnkosten.
Als fairen Maßstab verweist die NGG auf den geltenden Tariflohn in Sachsen-Anhalt, der für ausgelernte Köchinnen und Servicekräfte bei 15,23 Euro pro Stunde liegt. Laut Gewerkschaft sei jedoch ein erheblicher Teil der gastronomischen Unternehmen in Halle nicht tarifgebunden. Zusätzlich würden tarifliche Zusatzleistungen wie Sonn- und Feiertagszuschläge sowie Urlaubsregelungen oftmals nicht gewährt.
Die NGG spricht in diesem Zusammenhang von „Tarifflucht“ und verweist auf insgesamt rund 3.960 Beschäftigte im Gastgewerbe der Stadt. Die Gewerkschaft bietet Betroffenen eine Prüfung ihrer Lohnabrechnung sowie Beratung zu Tarifregelungen an.