Verschobene Krebsoperationen während der Corona-Pandemie haben einer internationalen Studie unter Beteiligung der Universitätsmedizin Halle zufolge die Chancen auf eine vollständige Tumorentfernung insgesamt nicht verschlechtert. Forschende werteten die Daten von mehr als 17.000 Krebspatientinnen und -patienten aus, die zwischen März und September 2020 operiert wurden.
Die Auswertung zeigt, dass trotz Wartezeiten – die meisten Patientinnen und Patienten wurden innerhalb von drei bis vier Wochen, 85 Prozent innerhalb von elf Wochen operiert – in mehr als 90 Prozent der Fälle der Tumor vollständig entfernt werden konnte. Auch die Sterblichkeit innerhalb von 30 Tagen nach der Operation nahm durch längere Wartezeiten nicht zu.
„Es darf natürlich zu keiner unnötigen Verzögerung kommen. Allerdings sollte auch nichts überstürzt werden“, betont Studienleiter Prof. Dr. Ulrich Ronellenfitsch von der Universitätsmedizin Halle. Eine sorgfältige Diagnostik und Vorbereitung seien häufig wichtiger als ein möglichst schneller Eingriff. Welche Behandlung im Einzelfall sinnvoll sei, müsse individuell entschieden werden.
Die Forschenden weisen zugleich darauf hin, dass die Untersuchung keine Aussagen über langfristige Folgen wie Rückfälle oder das Gesamtüberleben zulässt. Ebenso wurden Auswirkungen ausgefallener Vorsorgeuntersuchungen oder verspäteter Krebsdiagnosen während der Pandemie nicht untersucht.
Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachjournal Discover Oncology veröffentlicht.
One comment on “Studie: Verschobene Krebsoperationen in der Corona-Pandemie verschlechterten Operationserfolg nicht”
Das lässt zwei Schlüsse zu: entweder ist die zügige Behandlung von Krebs unnötig-was gängiger Lehrmeinung und Praxis widerspricht – oder die statistische Grundlage reicht nicht für solche Studien aus.