Halle (Saale) – Der Arbeitsmarkt in Mitteldeutschland verändert sich grundlegend. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung des Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) für Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die Studie beleuchtet die Entwicklung der Beschäftigung seit 2013 und wagt einen Ausblick bis zum Jahr 2040.
Besonders deutlich zeigt sich der Wandel in Sachsen-Anhalt, während sich Thüringen und Sachsen im bundesweiten Vergleich im Mittelfeld bewegen. Auch innerhalb der Regionen gibt es Unterschiede: Städte wie Erfurt oder Suhl verzeichnen besonders starke Veränderungen.
Die Analyse zeigt, dass klassische Tätigkeiten zunehmend an Bedeutung verlieren. Dazu zählen vor allem Berufe in der Landwirtschaft, im Gartenbau sowie Teile der Industrie, etwa im Metallbereich. Gleichzeitig entstehen neue Beschäftigungsmöglichkeiten, insbesondere in technischen Berufen wie Elektrotechnik und Mechatronik sowie in Forschung und Entwicklung. Ein genereller Rückgang der Industrie ist jedoch nicht festzustellen – vielmehr verändert sich deren Struktur hin zu spezialisierteren Tätigkeiten.
Deutlich wächst hingegen der Dienstleistungssektor. Vor allem im Gesundheits- und Sozialwesen sowie in kulturellen Berufen entstehen neue Arbeitsplätze. Auch Tätigkeiten in der Informationstechnologie und den Naturwissenschaften nehmen zu, bleiben jedoch weiterhin unter dem Bundesdurchschnitt.
Für die kommenden Jahre erwarten die Fachleute eine Fortsetzung dieser Entwicklung. Wissensintensive Dienstleistungen dürften weiter an Bedeutung gewinnen, während andere Bereiche auch durch den demografischen Wandel unter Druck geraten. Zusätzlich verändern Digitalisierung und Klimaschutz zahlreiche Berufsbilder.
Aus Sicht der Studie ergeben sich daraus klare Anforderungen an Politik und Wirtschaft. Weiterbildung und Qualifizierung gewinnen an Bedeutung, ebenso moderne Ausbildungsangebote. Besonders gefragt sind Kompetenzen in Technik, IT, Naturwissenschaften und im Umweltbereich.
Auch die Bundesagentur für Arbeit sieht Handlungsbedarf. Unternehmen seien zunehmend darauf angewiesen, ihre Beschäftigten weiterzubilden und an neue Anforderungen anzupassen. Unterstützungsangebote der Arbeitsagenturen könnten dabei helfen, den Strukturwandel aktiv zu gestalten.