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Staubige Wetteraussichten

Warmluft aus dem Süden bringt uns jetzt frühlingshafte Temperaturen, aber auch Saharastaub.  Die Feinstaubbelastung wird beträchtlich werden. Erkennbar ist sie an farbenprächtigen Sonnenauf- und -untergängen. Noch vor wenigen Jahren wunderte und ärgerte man sich über gelben und roten Staub, der gelegentlich urplötzlich Landschaft und Autos bedeckte. Man vermutete industrielle Schmutzquellen. Für abwegig hielt man den Gedanken, dass der Staub einen natürlichen Ursprung haben könnte. Doch es stellte sich heraus, dass es sich um Staub aus der Sahara handelte. Er wird von Stürmen aufgewirbelt, gelangt in große Höhen der Atmosphäre und wird in andere Weltregionen verdriftet. Der feine Staub stammt insbesondere  aus Senken in der Saharawüste, in denen vor Jahrtausenden riesengroße Süßwasserseen waren. Prähistorische Felszeichnungen in der Sahara zeigen eine Tierwelt, wie sie in feuchteren Gebieten typisch ist. Im Zuge von Klimaveränderungen trockneten die Gewässer aus. Die Saharawüste entstand. Passatwinde lösen seitdem die verbliebenen feinkörnigen Bodenbestandteile ab und tragen sie davon. 

Bei uns kommt der Wüstenstaub nicht so oft an. Deshalb schenkte man ihm kaum Beachtung. Atmosphärenforscher haben aber inzwischen interessante Fakten zutage gefördert. Ein großer Teil des afrikanischen Staubs wird mit Passatwinden westwärts über den Atlantik transportiert. Auf Satellitenbildern kann man solche gewaltigen Staubfahnen sehen. Es sind alljährlich viele Millionen Tonnen. Sie enthalten nicht nur Sand, sondern auch Mineralien wie Eisen und Phosphor. Dieser Staub fällt z.T. in den Atlantik und düngt den Ozean. Bei dem verstärkten Algenwachstum wird sehr viel Kohlendioxid verbraucht. Substantielle Staubmengen erreichen die Amazonasregion und düngen den auf eigentlich ausgelaugten Böden üppig wachsenden Regenwald. Auch auf den karibischen Inseln und in Florida enthalten die Böden afrikanischen Staub. Mit den Passatwinden wird nicht nur Staub transportiert, sondern können auch Heuschreckenschwärme westwärts verdriftet werden.

Heuschreckenschwarm

Gelangt der Saharastaub in höhere Schichten der Erdatmosphäre wird er leicht weltweit, auch weit weg vom Äquator verteilt. Der Staubgehalt in der Atmosphäre beeinflusst das Weltklima. In Eisbohrkernen aus den Gletschern Grönlands konnte man Staubschichten datieren und mit Klimaschwankungen korrelieren. Die vom Menschen verursachte Erderwärmung fördert die Wüstenbildung. Es entsteht mehr Staub. Wie die menschengemachte vermehrte Staubbildung das Klima beeinflussen kann, ist noch nicht so recht verstanden.  

(H.J. Ferenz)

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