In Halle (Saale) arbeiten laut aktueller Zahlen der Agentur für Arbeit rund 112.400 Menschen in etwa 5.090 Unternehmen – doch nur ein Bruchteil dieser Betriebe verfügt über einen Betriebsrat. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) spricht deshalb von einem „Betriebsrats-Vakuum“ und ruft die Beschäftigten auf, ihre Mitbestimmungsrechte stärker wahrzunehmen.
„Ein Betriebsrat ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit“, sagt Christian Ullmann, Geschäftsführer der NGG-Region Leipzig-Halle-Dessau. Er sei das entscheidende Bindeglied zwischen Belegschaft und Geschäftsführung. „Ob Probleme bei der Arbeitszeit, fehlender Arbeitsschutz oder eine unzureichende Ausbildung von Azubis – der Betriebsrat bringt diese Themen auf den Tisch und sorgt für Lösungen.“
Gerade in der derzeit angespannten Wirtschaftslage werde die Situation vieler Beschäftigter in Halle kritisch. Die Gewerkschaft verweist auf Unsicherheiten durch politische Pläne der Bundesregierung – etwa eine mögliche Aufweichung der täglichen Höchstarbeitszeit. „Wer schützt dann noch die Interessen der Beschäftigten, wenn es keinen Betriebsrat gibt?“, fragt Ullmann.
Ein Betriebsrat könne dort ansetzen, wo Einzelne machtlos seien: „Er vertritt die Belegschaft gegenüber der Leitung, wahrt Rechte, stärkt das Betriebsklima – und macht in Krisenzeiten Jobs sicherer.“
Laut Betriebsverfassungsgesetz ist eine Arbeitnehmervertretung bereits ab fünf Beschäftigten möglich. „Je früher gegründet, desto besser – denn wer jetzt einen Betriebsrat etabliert, sichert seine Mitbestimmung langfristig. Neugegründete Gremien sind erst 2030 wieder zur Wahl gestellt“, betont Ullmann.
Die NGG bietet insbesondere für Unternehmen aus der Hotel-, Gastro- und Ernährungsbranche praktische Unterstützung an. Unter der Mailadresse region.leipzig-halle-dessau@ngg.net oder telefonisch unter (0341) 688 43 240 können sich interessierte Beschäftigte direkt an die Gewerkschaft wenden.