Friedhöfe, Grabmale und Gottesäcker – Plätze, auf denen Menschen ihre letzte Ruhe finden, gehören zu den wesentlichen Bestandteilen unserer Kultur. Sie spiegeln Vergangenes wider und zeugen von wichtigen historischen Ereignissen und gesellschaftlichen Veränderungen. Den Lebenden dienen sie dagegen als Orte der Trauer und der Erinnerung.
Der Hasenverlag hat mit diesem Thema seine beliebte und gefragte Reihe der „Mitteldeutschen Kulturhistorischen Hefte“ fortgesetzt. In der schon nunmehr 54. Ausgabe unternimmt die Germanistin und Romanistin Heidi Ritter, die schon mehrfach in der Reihe publiziert hat, eine Spurensuche auf historischen Friedhöfen in der Saalestadt. Friedhöfe wecken so etwas wie Entdeckerlust und Forschungsdrang. So hat fast jeder Friedhof Gräber von bekannten Persönlichkeiten, die mitunter zu Pilgerorten werden.
Die wohl älteste Grabanlage in Halle befindet sich in der Dölauer Heide bis hinüber zu den Brandbergen, wo Archäologen 36 Grabhügel aus der Jungsteinzeit identifiziert haben. Im Mittelalter waren es dann vor allem Kirchfriedhöfe, die sich aber als Begräbnisstätten nicht erhalten haben. Mit dem Stadtgottesacker in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts entstand dann der erste Friedhof vor der Stadt. Im Stil der italienischen Renaissance entstand ein Bauwerk, das nördlich der Alpen einmalig war. Noch heute findet der Besucher hier die Grabmäler von Persönlichkeiten der halleschen Stadtgeschichte wie August Hermann Francke (1663-1727), Christian Thomasius (1665-1728), Robert Franz (1815-1892) oder Händels Eltern.
Bei einem Spaziergang über die drei großen städtischen Friedhofsanlagen (Nordfriedhof, Südfriedhof und Gertraudenfriedhof) kann man weitere Gräber zahlreicher Persönlichkeiten entdecken – z. B. der Familie des Brauereibesitzers Freyberg auf dem Nordfriedhof. Auf dem Südfriedhof haben u. a. die Bombenopfer der Saalestadt ihre letzte Ruhestätte gefunden. Der ca. 32 ha große Südfriedhof ist eine großzügige Begräbnis- und Parkanlage mit 5.000 Bäumen und zahlreichen kunstvollen Brunnen auf dem Gelände. Hier gibt es Gedenkstätten für die Gefallenen des 1. und des 2. Weltkrieges, für die Bombenopfer der Stadt sowie für die ausländischen Opfer und Kriegsgefallenen.
Auch auf einigen kleineren Friedhöfen geht Ritter auf Spurensuche, auf dem Laurentiusfriedhof, dem Friedhof Giebichenstein, dem Jüdischen Friedhof an der Humboldtstraße oder dem Heidefriedhof. Neben der Geschichte der Friedhofsanlagen widmet sich die Autorin auch ausführlich der Biografie einiger hallescher Persönlichkeiten wie dem Maschinenbau-Unternehmer Rudolf Ernst Weise (1844-1935), dem Fabrikbesitzer August Wernicke (1836-1915) oder dem Kunstsammler und Mäzen Felix Weise (1876-1961).
Die Neuerscheinung mit der interessanten Thematik punktet außerdem mit einer reichen Illustration mit historischen Abbildungen. Ein beachtenswerter Beitrag zur mitteldeutschen Regionalgeschichte. Großen Dank an den Hasenverlag !
Im Rahmen der Veranstaltung „HALLE LIEST MIT“ wird am Dienstag, den 17. März 2026, um 18 Uhr die Neuerscheinung mit einer Lesung und einem Gespräch mit der Autorin und dem Künstler Moritz Götze im Stadtarchiv Halle (Rathausstraße 1) vorgestellt. Der Eintritt ist frei. Alle Interessenten sind dazu herzlich eingeladen.
Heidi Ritter: „Zwischen Grabsteinen – Entdeckungen auf historischen Friedhöfen in Halle (Saale)“, Hasenverlag Halle/Saale 2026, Heft 54 der „Mitteldeutschen kulturhistorischen Hefte“, 15,00 €, 102 S., ISBN 978-3-912429-05-3