Ein zaghafter Rückgang der Arbeitslosenzahlen zum Sommerbeginn bringt in Sachsen-Anhalt nur gedämpfte Erleichterung. Zwar ist die Zahl der Arbeitslosen im Juni auf 87.400 gesunken – das sind 600 weniger als im Mai –, doch von einer nachhaltigen Erholung kann keine Rede sein. Die Arbeitslosenquote lag bei 7,9 Prozent, was weiterhin über dem Vorjahresniveau liegt. Experten sprechen von einem Arbeitsmarkt, der sich in der Warteschleife befindet – mit zurückhaltenden Neueinstellungen, wachsender Langzeitarbeitslosigkeit und sinkender Beschäftigung.
„Trotz eines leichten Rückgangs der Arbeitslosigkeit zum Ferienbeginn bleibt die Lage angespannt – eine Erholung ist vorerst nicht in Sicht“, warnte Markus Behrens, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit. Insbesondere die schwächelnde Konjunktur dämpfe die Dynamik am Arbeitsmarkt. Zwar seien im Juni 3.400 neue Stellen gemeldet worden, doch das liege unter dem Durchschnitt der Vorjahre.
Ein Blick in die Tiefe zeigt: Langzeitarbeitslosigkeit nimmt zu. Rund 33.700 Menschen in Sachsen-Anhalt waren länger als ein Jahr ohne Arbeit – 1.800 mehr als noch im Juni 2024. Auch die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gibt Anlass zur Sorge: Mit 790.600 Beschäftigten im April verzeichnete das Land einen Rückgang von 6.700 Arbeitsplätzen im Vergleich zum Vorjahr. Besonders betroffen waren das verarbeitende Gewerbe sowie Dienstleistungsbranchen.
Die Kurzarbeit blieb im Juni relativ stabil: 30 neue Anzeigen betrafen 300 Beschäftigte. Realisiert wurde Kurzarbeit zuletzt vor allem im Metallsektor und bei der Bauvorbereitung. Die Unterbeschäftigung – also alle Personen, die nicht voll in den Arbeitsmarkt integriert sind – ging leicht zurück, blieb aber mit 110.300 Personen weiterhin hoch. Die entsprechende Quote lag wie im Vorjahr bei 9,8 Prozent.
Erfreulicher entwickelt sich die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten: Mit 121.600 Personen lag sie deutlich unter dem Vorjahreswert. Auch die Zahl ukrainischer Bürgerinnen und Bürger in dieser Gruppe sank leicht.
Trotz punktueller Lichtblicke bleibt der Ausblick verhalten. „Die Unternehmen warten ab, statt neue Arbeitskräfte einzustellen“, so Behrens. Besonders im zweiten Halbjahr werde mit weiterem Druck auf die Beschäftigung gerechnet.
One comment on “Sommerbeginn am Arbeitsmarkt: Sachsen-Anhalt zwischen Hoffnung und Flaute: Arbeitslosenquote sinkt leicht – Konjunktur bleibt träge – Fachleute warnen vor weiterer Eintrübung”
Die Wahl der Überschrift.
Anstatt „Arbeitslosenquote sinkt leicht“ besser „Arbeitslosigkeit zum Vorjahr leicht gestiegen“.