Wie werden wir über
Umwelt- und Körpertemperatur informiert? Wann reagieren wir auf
Temperaturänderungen? In unseren Organen und in der Haut befinden
sich Sensoren, die die aktuelle Temperatursituation ans Gehirn
melden. 3 Typen kennt man: Wärmerezeptoren, Kälterezeptoren und
Schmerzrezeptoren. Letztere reagieren, wenn es brenzlig wird bei
Temperaturen oberhalb 45 °C. Wärmerezeptoren ruhen im
Wohlfühlbereich und senden Signale erst oberhalb 30°C.
Kälterezeptoren reagieren bereits auf sehr geringe
Temperaturänderungen. Empfangen und verarbeitet werden die Signale
von einer bestimmten Gehirnregion, dem Hypothalamus. Der verlässt
sich aber nicht blind auf die peripheren Messungen, sondern
vergleicht die Daten mit Messungen eigener zentraler
Temperatursensoren im Gehirn. Hier wird die Körperkerntemperatur
ermittelt. Das ist äußerst sinnvoll. Denn, wenn wir im Hochsommer
erhitzt ins kühle Badewasser springen, würden die
Temperatursensoren dramatische Unterkühlung melden und sofort eine
Wärmeproduktion anschalten wollen. Können sie aber nicht, weil der
Hypothalamus registriert, im Körperkern sei alles im
wohltemperierten Bereich. So werden übereilige, falsche Reaktionen
abgepuffert. Gäbe es diese Absicherung nicht, würde der Körperkern
einschließlich Gehirn wegen der Gegenreaktion rasch überhitzen.
Ebenso werden Maßnahmen zur Abkühlung, z.B. das Schwitzen, erst
eingeleitet, wenn die innere Körpertemperatur zu steigen
beginnt.
Schon geringe Temperaturänderungen verursachen Schäden bei zellulären Funktionen. Enzyme brauchen für ihre Wirkung eine gewisse räumliche Struktur. Ist die gestört, droht der Zelltod. Um dieser permanenten Gefahr zu entgehen, kommen rasch Reparaturproteine, sogenannte heat shock Proteine, zum Einsatz. Sie helfen, die fehlerhafte räumliche Struktur zu reparieren oder entfernen bei Totalschaden die Proteine. Wie wichtig dieses Reparatursystem ist, zeigten Untersuchungen an antarktischen Fischen. Die leben seit ein paar Ewigkeiten bei konstanten minus 1,96 °C. Hitzestress erleben ihre Zellen nicht; deshalb sind ihnen heat shock Proteine verlorengegangen. Transferiert man sie in wärmeres Wasser, kommt es in den Zellen zu Faltungsfehlern, der Stoffwechsel bricht zusammen und die Fische sterben bereits bei plus 6 °C den Hitzetod!
Übrigens arbeiten die Temperatursensoren ohne Quecksilber oder
Widerstände. Es handelt sich um Nervenendungen, in die
temperatursensitive Kanalproteine eingebaut sind. Die lassen Ionen
je nach Struktur passieren, wodurch Nervenimpulse erzeugt und
weitergeleitet werden.
(H.J. Ferenz)
One comment on “Schon gewusst? Von Temperatursensoren und Hitzeschockproteinen”
Lieber H.J. Ferenz, ich lese Ihre Beiträge sehr, sehr gern.