Dass reife, vergärende
Früchte berauschend wirken können, weiß der Mensch schon lange.
Sogar manche Tiere wissen das zu schätzen. Affen im Südosten
Neu-Guineas finden z.B. gärenden Palmensaft „umwerfend“. Sie
stehlen hemmungslos den Saft, der fast 7% Alkohol enthält, aus den
Plantagen. Bei uns nutzt der Staat unsere Lust auf berauschende
Getränke, um daraus hohe Steuereinnahmen zu erzielen. Er hat das
Branntweinmonopol. Schnaps selbst brennen ist prinzipiell streng
verboten, nur in engen Grenzen vom Zoll penibel kontrolliert
möglich. Das Monopol und eine Branntweinsteuer sollten dazu dienen,
gesundheitliche Gefahren von der Bevölkerung abzuwenden.
Wie macht man aber Alkohol, Schnäpse und Liköre? Aus süßen oder
stärkehaltigen Früchten stellt man einen Brei, die Maische, her, in
der spontan oder unterstützt durch Hefezusatz Gärprozesse
einsetzen. Dabei verdauen Hefepilze das zuckerhaltige Gärgut und es
entstehen Äthanol und Kohlensäure. Aber auch andere, unerwünschte
Stoffe werden bei diesen Stoffwechselvorgängen erzeugt, z.B.
Methanol und Fuselöle. Um an den begehrten Äthylalkohol in reiner
Form zu kommen, muss man ihn abdestillieren. Wie man das machen
kann, fand man erst im Mittelalter heraus. Bei der Suche nach dem
„Stein der Weisen“ entwickelten nämlich Alchemisten
Destillationstechniken, die in Klöstern zur Herstellung
medizinischer Tinkturen und Kräuterlikören verfeinert wurden. Sie
beruhen auf einem einfachen Prinzip: Wasser verdampft beim Erhitzen
bei 100°C, der Alkohol aber schon bei 78°C. Kühlt man den
wasserfreien Alkoholdampf, so kondensiert er und man erhält fast
reinen Alkohol. Durch optimierte Destillationstechniken entfernt
man schädliche Substanzen, die zu Beginn und gegen Ende der
Destillation erscheinen, versucht aber typische Aromastoffe zu
erhalten. Wichtig ist es, den im Vorlauf enthaltenen Methylalkohol
zu entfernen. Er ist giftig. Bei seinem Abbau entsteht nämlich in
der Leber Formaldehyd und in einem weiteren Schritt Ameisensäure.
Diese Substanzen schädigen z.B. die Sehnerven, was zur Erblindung
führen kann. Nieren und Leber werden angegriffen. Unbehandelt endet
die Vergiftung daher meist tödlich. Vorsicht ist also geboten bei
illegal selbst destillierten Alkohol.
Interessant, aber offenbar kaum genutzt, ist die Kältedestillation.
Kühlt man eine alkoholhaltige Mischung ab, gefriert das Wasser
rasch zu Eis während der Alkohol wegen seines wesentlich
niedrigeren Gefrierpunkts flüssig bleibt und abgezogen werden
kann.
Was macht Äthanol zur gefährlichen Droge? Äthanol verteilt sich
nach seiner Aufnahme rasch durch seine chemischen Eigenschaften
über den Kreislauf im gesamten Körper. Die Promillewerte im Blut
sind alsbald auch im Gehirn nachweisbar und entfalten dort ihre
Wirkung. Äthanol dringt in die Nervenzellen ein und stört deren
korrekte Funktion und unsere Psyche. Bei bis zu 1,0 Promille stellt
sich eine Beschwingtheit und Enthemmung ein. 1-2 Promille bewirken
bereits Bewegungs- und Sprachstörungen. Bei 2-3 Promille kommt
eventuell Aggressivität auf; man spürt den Schmerz nicht mehr. Noch
höhere Promillewerte verursachen Koma und sind lebensbedrohlich.
Äthanol verdrängt einen im Nervensystem wichtigen Überträgerstoff,
der hemmend auf die Nervensignalleitung wirkt
(gamma-Aminobuttersäure). Die Konsequenz ist, dass nachgeschaltete
Neurone nicht mehr gehemmt werden.
Die berauschende Wirkung des Alkohols kann als Seelentrost
missbraucht werden. „Wer Sorgen hat, hat auch Likör“ heißt es bei
Wilhelm Busch (Die fromme Helene). Saint-Exupery lässt den Kleinen
Prinz fragen „Warum trinkst du?“ „Um zu vergessen“ sagt der Säufer
…..“ .Die Begleiterscheinungen des Alkoholgenusses verführen zu
erneutem Konsum, der gesteigert wird, um die betäubende Wirkung zu
erzeugen. Der Körper passt seinen Stoffwechsel der erhöhten Zufuhr
von Äthanol an. Das Absetzen der Droge gelingt nicht mehr; der
Körper ist abhängig geworden.
Alkohol ist energiereich: 1g Äthanol ersetzt 0,75g Fett oder 2g
Traubenzucker. In mäßigen Mengen aufgenommen, wird er vollständig
verdaut und macht dick. Das bewerkstelligt zum größten Teil unsere
Leber. Anhaltender Alkoholkonsum bringt insbesondere den
Fettstoffwechsel durcheinander. Fette können nicht mehr von der
Leber exportiert werden, sondern werden angereichert. Die Fettleber
entsteht. Weiterhin kommt es zu Vitamin B1 Mangel, wodurch u.a. die
Herzmuskeltätigkeit beeinträchtigt wird. Üppiger Alkoholgenuss
verursacht sogenannte Katersymptome. Ständiger Harndrang,
Kopfschmerzen u.a. gehören dazu. Äthanol bremst nämlich die
Ausschüttung eines Neurohormons (Vasopressin), das die Ausscheidung
von Flüssigkeit durch die Nieren hemmt. Die Niere gibt mehr
Flüssigkeit ab, wodurch auch der Salzhaushalt in unserem Körper
gestört wird. Die Kopfschmerzen sind die Folge der Störung des
Zuckerstoffwechsels (Unterzuckerung) in der Leber. Die Sensibilität
für Alkohol unterliegt individuellen Unterschieden und ist sogar
zwischen verschiedenen Volksgruppen anders. Ostasiaten haben andere
Modifikationen eines am Alkoholabbau beteiligten Enzyms, wodurch
eine Alkoholunverträglichkeit verursacht wird. Der Alkohol ist ein
Genussmittel, mit dem – trotz Bemühungen über viele Generationen –
unser Körper nicht gelernt hat umzugehen. Wie heißt es doch in
einem chinesischen Sprichwort:
Zuerst trinkt der Mann einen Schluck,
dann trinkt der Schluck einen Schluck
und dann trinkt der Schluck den Mann.
2 comments on “Schon gewusst? Über den Geist im Glas”
Ich habe mal versucht Vegetarier zu werden.
Dann fiel mir ein, dass Fische auch Lebewesen sind.
Also Vegan.
Ich beobachtete, dass auch Pflanzen wachsen, also leben.
Seitdem bin ich wieder ein völlig normaler Mensch.
Raubtier und Prost!
Wusstet Ihr, dass der private Besitz einer Destille, die mehr als ein Blasenvolumen von 1 Liter enthält, in Deutschland verboten ist?
Selbst dann, wenn man nur bereits 2 Flaschen bereits versteuerten Wein destillieren will? Oder alkoholfreie ätherische Öle aus selbstgesammelten Kräutern destillieren will?
In keinem EU-Land existiert eine derart schwachsinnige Regel . Insofern ist die vom Autor Ferenz beschriebene Methode der „kalten Destillation“ (Eigentlich Anreicherung durch Auskristallisieren) ziemlich subversiv. Wird das Hauptzollamt bald den Besitz von Gefriertruhen untersagen?