Man kennt die Weberknechte unter vielen verschiedenen volkstümlichen Bezeichnungen wie Kanker, Schuster, Schneider. Ihr wissenschaftlicher Name ist Opilio. Die langbeinigen, flügellosen Weberknechte werden oft für Spinnen gehalten, häufig mit Zitterspinnen verwechselt. Die extrem langbeinigen Gliederfüßler gehören zwar zu den Spinnentieren; Spinnen sind sie aber nicht. Sie haben keine Spinndrüsen. Ihr Körper ist kompakt, gedrungen, bildet samt Kopf eine Einheit. Am Kopfbereich befinden sich keine Antennen. Zum Beutefefang haben sie Kiefertaster. Mit ihren vier Laufbeinpaaren unterscheiden sie sich gut sichtbar von Insekten, die nur sechs Beine haben. Die langen Beine erleichtern die Fortbewegung durch die Vegetation . Sie schwingen dabei ihren Körper und nutzen den Schwung zum energiesparenden Hangeln durch die Vegetation. Mit den Mechanorezeptoren auf den Beinen ertasten sie ihre Umgebung. Ihr Sehsinn scheint nur mäßig ausgeprägt zu sein.
Weberknechte ernähren sich vorwiegend räuberisch. Als Schadinsektenjäger machen sie sich nützlich im Garten. Giftdrüsen haben sie nicht. Sie können auch nicht beim Biss Verdauungssäfte in ihre Beute injizieren, um dann das aufgelöste Innenleben aufzusaugen, so wie das echte Spinnen und Skorpione machen. Von Gehäuseschnecken ernährt sich der Schneckenkanker, der mit seinen sehr großen Scheren das Schneckengehäuse beschädigen kann und sich so Zugang zum Schneckenkörper verschafft.
Weberknechte haben viele Fressfeinde. Werden sie attackiert, können sie ein Bein abwerfen, das irritierend und ablenkend eine Weile weiterzuckt. Nachwachsen kann es allerdings nicht. Viele Arten setzen auf chemische Abwehr bei Bedrohung. Sie können übelriechende und ätzende Sekrete bei Gefahr abgeben
Weberknechte gibt es seit über 400 Mio Jahren. Seitdem haben sie sich anatomisch nur wenig verändert. Fossilien kennt man aus dem Devon (um 400 Mio Jahre), aus dem Karbon (um 360 Mio Jahre) und aus Bernsteineinschlüssen (ca. 35 Mio Jahre). Sie werden sicher auch das Anthropozän überleben.
(H.J. Ferenz)