Skip to content
HalleSpektrum.de – Onlinemagazin aus Halle (Saale) Logo

Schon gewusst? Geschichten über den Weihnachtsmann

Weihnachten ist nicht nur für Kinder ein festlich-glitzerndes, alle Sinne ansprechendes Fest. Weihnachten warten alle ungeduldig auf den Weihnachtsmann. Um den ranken sich viele Legenden. Seine Wurzeln reichen weit zurück. Der Winter war für unsere prähistorischen Vorfahren eine entbehrungsreiche, schwierige Zeit. Wieder länger werdende Tage nach der Wintersonnenwende versprachen ein Rückkehr des Lichtes und des Grüns. Kultstätten, die das Erkennen dieser astronomischen Wende am 21. Dezember erkennen lassen waren, von eminenter Bedeutung. Man hatte Angst, dass das Licht nicht wiederkehren könnte.

Auch die Römer ängstigten sich. Sie feierten aber einfach durch. An den sogenannten Saturnalien war so ziemlich alles erlaubt. Allerdings opferte man am Schluss einen Soldaten, um die Götter gewogen zu stimmen. Im Norden Europas verehrte man immergrüne Pflanzen und entfachte große Feuer., um sich vor magischen Kräften zu schützen. Als das Christentum aufkam, konkurrierte der Geburtstag des römischen Sonnengottes am 25.Dezembererst mit dem aus Persien übernommenen Mithras-Kult, dann mit dem Fest der Christen. Kaiser Konstantin bestimmte dann den 25.12. zum Weihnachtsfest. Der 25.12. war für Christen von besonderer Bedeutung. Denn 9 Monate zuvor, am 25.März , dem kalendarischen Frühlingsbeginn wurde Maria schwanger. Im Mittelalter gibt die christliche Kirche vielen heidnischen Bräuchen einen christlichen Charakter. Das Weihnachtsfest, bei dem Gott den Menschen als unscheinbares Jesuskind begegnet, kann man als Fortsetzung der Saturnalien verstehen, mit verdrehten Werten: Für kurze Zeit wurden ja die sozialen Rollen getauscht. 

Der Weihnachtsmann geht zurück auf zwei historische Figuren, die in der Legende zu einer Figur vermischt worden sind. Der eine, Nikolaus von Myra, war ein Bischof und hatte dem 4.Jahrhundert angehört. Ein anderer, ebenfalls Nikolaus mit Namen, war ein Abt von Dijon und hat dem 6.Jahrhundert angehört Durch die Vermischung der Legenden von beiden ist dann die Gestalt des Heiligen Nikolaus entstanden, die wir heute in ganz Europa kennen.Die berühmteste Legende um den Heiligen Nikolaus war die von drei armen Mädchen, die nicht standesgemäß heiraten konnten. Er hat ihnen Goldklumpen aufs Bett gelegt. Dann konnten sie standesgemäß heiraten. Nach dieser Überlieferung ist der Weihnachtsmann eigentlich ein Heiliger, der seine Geschenke bereits am 6. Dezember bringt und verteilt sie nicht allein. Helfer, meist freigebig, unterstützten ihn. Zum Abstrafen hatte er Knecht Ruprecht (Raue Gestalt) dabei, der böse Kinder in seinen Sack steckte und mitnahm. 

Mit dem Aufkommen des Protestantismus werden all die weihnachtlichen Errungenschaften in Frage gestellt und abgeschafft. Keine Heiligen, keine Feste. Hauptfigur sollte das Christkind sein und die Geschenke bringen. Das war wenig plausibel. Die alten kinderfreundlichen Bräuche erhielten sich in den Niederlanden und gelangten mit den Auswanderern nach Amerika in die Neue Welt. Mit Sinta Claas, dann Santa Claus genannt überlebte der Nikolaus ohne Heiligenschein als Geschenkeverteiler.

In einem Gedicht mit dem Titel „Der Kinderfreund“ hörte man in Amerika erstmals von einer Figur namens Santa Claus, die bis dahin vollkommen unbekannt war. Wir erfahren erstmals davon, dass Santa Claus mit einem Schlitten fährt, der von einem einzelnen Rentier gezogen wird. Dieses anonyme Gedicht aus dem Jahr 1821 enthält also zwei erstaunliche Neuheiten. Ein weiteres späteres Gedicht, erzählt davon, wie die Geschenke durch den Kamin gelangen und der Schlitten von 8 Rentieren gezogen wird. Illustrationen um 1890 zu diesem Gedicht schaffen das heutige Bild vonSanta Claus. Der Wohnsitz wird zum Nordpol verlegt; Dort braucht man ja den dicken Mantel, einen Schlitten und erreicht alle Kinder in der nördlichen Hemisphäre gleich schnell.

Seine üblichen Farben sind rot und weiß; rote Jacke, Jeans, schwarze Stiefel, schwarz weißer Pelzbesatz und eine rote Mütze. Ein sehr weit verbreiteter Mythos ist, dass die Farben rot und weiß auf Coca-Cola zurückgehen und dass diese Firma sozusagen das moderne Bild von Santa Claus erfunden haben soll. Aber das stimmt nicht. Natürlich war die Coca-Cola Reklame mit dem Weihnachtsmann sehr beliebt. Coca-Cola stellte ein enormes Budget zur Finanzierung von Werbeplakaten mit dem Weihnachtsmann zur Verfügung. In dieser Figur findet sich viel vom heiligen Nikolaus aus dem mittelalterlichen Europa mit uralten Bräuchen wieder.

Während in Amerika alles in bester Ordnung zu sein schien, wurde in England Weihnachten abgeschafft. Erst im 19. Jahrhundert lebt es wieder auf. Kinderarbeit und die schlechten Arbeitsbedingungen der Kinder wurden angeprangert. Kinder sind nun keine kleinen Erwachsenen mehr ,sondern vollwertige Menschen in einer bestimmten Lebensphase. Warenhäuser bieten massenhaft Spielzeug und Geschenkartikel an. Ab 1870 wird Weihnachten dann so gefeiert, wie wir es heute kennen. 

Hübsches Spielzeug für die Kinder gab es als Geschenke im Bürgertum bereits Mitte des 19. Jahrhundert. Aber die heutigen Spielzeugberge kennt man erst seit der Nachkriegs Zeit. Seit den fünfziger Jahren schwappte die amerikanische Geschenkwelle auch nach Europa, als die Kinder plötzlich alles mögliche geschenkt bekommen. Gegen den weihnachtlichen Konsumrausch protestierten 1951 vor der Kathedrale von Dijon in Frankreich katholischen Jugendgruppen mit Unterstützung der Kirche in einer spektakulären Aktion: sie verbrennen eine Weihnachtsmann Puppe, weil der Weihnachtsmann dazu verführt, das Jesuskind in der Krippe zu vergessen. Er wurde wie eine Hexe verbrannt (am nächsten Tag aber wiederbelebt.)

Zur Weihnachtszeit lassen wir alte Bräuche aufleben, die uns mit dem Kreislauf der Natur verbinden. Es ist bemerkenswert und stimmt hoffnungsfroh, dass jenseits aller Kulturen und Religionen die Menschen des 21. Jahrhunderts ungeachtet dessen, was sie denken und tun an diesen alten Traditionen festhalten.

Frohe Weihnachten!

(H.J. Ferenz)

Schreibe einen Kommentar