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Schon gewusst? Antimalariamittel gegen Coronavirus?

Fieberhaft wird nach Medikamenten gesucht, die die Verbreitung und Wirkung des gefährlichen, grassierenden Virus COVID-19 verhindern könnten. Interesse hat ein schon lange bekanntes Medikament gegen Malaria – Chloroquinon bekannt als Resochin – geweckt. Grund zur Hoffnung?

Malaria und Chinin
1633 gelangte eine pflanzliche Medizin gegen Fieber aus Südamerika nach Europa. Sie wurde von den Ureinwohnern in Peru aus der Rinde des Cinchona-Baums gewonnen. Das Präparat bewährte sich auch bei der Behandlung von Malaria. 1820 identifizierte man Chinin (strukturverwandt mit Chloroquin) als die wirksame Komponente. 1934 gelang es einem Chemiker der Fa. Bayer, Chloroquin synthetisch herzustellen.

Wie wirkt Resochin?

Stechmücke (Foto H.J. Ferenz)

Bei der Malaria, die durch Stechmücken übertragen wird, dringen die Erreger (Plasmodium f.) in die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) ein, vermehren sich und befallen weitere Erythrozyten. Diese schubweise Invasion äußert sich als schweres Fieber. Energie und Baustoffe gewinnt der eingedrungene Parasit aus dem Abbau des Hämoglobins in den Erythrozyten. Der Abbau geschieht in kleinen Bläschen (Vakuolen), in denen das für die Enzyme notwendige saure Milieu (durch Protonenpumpen) geschaffen werden kann (ähnlich unserem Magen). Beim Abbau von Hämoglobin entstehen Abfallprodukte, die durch Verklumpung entschärft werden. Resochin gelangt problemlos in die Zellen und Vakuolen, kann die Vakuolen durch die Ansäuerung jedoch nicht wieder verlassen und verbindet sich stattdessen mit den Hämoglobin-Abbauprodukten zu giftigen Komplexen. Die zerstören die befallenen roten Blutkörperchen. Eine Vermehrung der parasitären Plasmodien ist damit nicht mehr möglich.

Und was hat das mit Coronaviren zu tun?
Die pathogenen Viren koppeln ja über spezifische Rezeptoren an die Wirtszellen und lösen ihre Einschleusung (ganz oder nur ihrer Erbsubstanz) über Vakuolen aus (siehe hallespektrum.de am 6.4.2020). Von den Rezeptoren werden sie dann wieder abgekoppelt durch Ansäuerung der Vakuolen im Wirtszelleninneren. Resochin verhindert das. Resochin kann zusätzlich das Eindringen von Zink in die Wirtszelle erleichtern, wodurch die Vermehrung der viralen Erbsubstanz behindert wird. Eine Vermehrung der Viren unterbleibt. Resochin-Einsatz wäre ein genialer Trick gegen die Infektion mit Coronaviren. Er ist aber mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden. Deshalb sucht man intensiv nach Wirkstoff-Varianten, die weniger schädlich sind.
(H.J. Ferenz)

3 comments on “Schon gewusst? Antimalariamittel gegen Coronavirus?”

  1. Chloroquin kann etliche Nebenwirkungen haben: insbesondere Schäden am Auge, Magen-Darm-Beschwerden, Schlafstörungen, neuropsychiatrische Symptome. Verschlimmerung von Leber-Nierenschädigungen möglich. Häufig unwirksam wegen Resistenz der Malariaerreger. Mangels Nachfrage und Profit Produktion 2019 eingestellt. Das könnte sich aber aktuell ändern.

  2. In den USA gab’s neulich schon ein Opfer: auf Trumps Lobhudelei über Chloroquin hat ein Ehepaar einen Aquarienreiniger mit Chloroquin eingenommen. Sie ist jetzt Witwe und liegt im Krankenhaus.

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