Gestern fielen hier die ersten Schneeflocken. Schnell stellte sich eine romantische Winterstimmung ein. Unvermittelt kam mir das alte (?) Kinderlied in den Sinn. „Schneeflöckchen, Weißröckchen“. Was weiß man aber über die Tradition dieses Liedes?
Das volkstümliche Kinderlied „Schneeflöckchen, Weißröckchen“ ist ein bekanntes Winterlied, das gern und oft zur Weihnachtszeit gesungen wird. Mit Weihnachten oder Adventszeit hat dieses Lied aber nichts zu tun. Verfasst hat den Liedtext die Breslauer Erzieherin Hedwig Haberkorn und in ihrem Buch „Tante Hedwigs Geschichten für kleine Kinder …“ 1869 als Gedicht mit dem Titel „Schneeflöckchen vom Himmel“ veröffentlicht. Gesungen werden sollte das Lied sollte nach dem Willen der Dichterin zur Melodie des Liedes „Wir Kinder, wir haben der Freuden so viel“. Diesen Liedtext hatte Christian Adolph Overbeck erstmals im Jahr 1777 veröffentlicht. Wolfgang Amadeus Mozart vertonte den überarbeiteten Text 1791 als Lied für Singstimme und Klavier unter dem Titel „Das Kinderspiel“ (KV 598). Diese anspruchsvolle Vertonung hielt Hedwig Haberkorn dann aber wahrscheinlich zu schwierig für ein Kinderlied und präferierte wohl eine andere volksliedhaftere Melodie. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kannte man das Lied mit mehreren Melodien. So wurde es z.B. auf die Melodie von „Im Märzen der Bauer“ gesungen. Spätestens nach Ende des Zweiten Weltkriegs setzte sich die heute bekannte Melodie durch. Der Komponist ist unbekannt. Wahrscheinlich wurde die Melodie von Flüchtlingen aus Osteuropa und Schlesien mitgebracht. In Schlesien war der Begriff „Weißröckchen“ ein Synonym für Schneeflöckchen.
(Bildquelle: digital.staatsbibliothek-berlin.de)
(Hans J. Ferenz)
One comment on “Schnee von gestern”
Jetzt ist wieder die Zeit da, dass wir die Schneeflöckchen nicht mehr romantisch verklären. 40 Millionen Menschen in der Ukraine freuen sich gerade nicht.
Sie singen „Putin Chuilo, Slava Ukraini“.