Mit der angekündigten Schließung des Schlachthofs im brandenburgischen Perleberg verringern sich die Schlachtkapazitäten im Norden Deutschlands weiter. Der Standort gehörte zur Schlachthof Uhlen GmbH und war für zahlreiche schweinehaltende Betriebe in der Region ein wichtiger Abnehmer. Durch die Aufgabe des Betriebs müssen viele Landwirte künftig längere Transportwege in Kauf nehmen.
Nach Einschätzung der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen in Sachsen-Anhalt wächst damit zugleich die Abhängigkeit von wenigen großen Schlachtstandorten. Insbesondere die Betriebe des Tönnies-Konzerns in Weißenfels (Sachsen-Anhalt), Rheda-Wiedenbrück (Nordrhein-Westfalen) und Kellinghusen (Schleswig-Holstein) gewinnen weiter an Bedeutung.
Die agrarpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt, Dorothea Frederking, sieht darin eine problematische Entwicklung. Sie warnt vor einer zunehmenden Marktmacht großer Konzerne, die sich auf die Preisgestaltung für Erzeuger auswirken könne. Gleichzeitig würden längere Tiertransporte sowohl das Tierwohl beeinträchtigen als auch zusätzliche klimaschädliche Emissionen verursachen.
Aus Sicht der Grünen braucht es daher stärkere regionale Schlacht- und Verarbeitungsstrukturen. Öffentliche Fördermittel sollten gezielt eingesetzt werden, um kurze Wege und regionale Wertschöpfungsketten zu sichern und kleineren sowie mittleren Betrieben Perspektiven zu bieten.
Als einen möglichen Ansatz nennt Frederking teilmobile und mobile Schlachtverfahren. Diese seien auf europäischer Ebene inzwischen so geregelt, dass eine hofnahe Schlachtung erleichtert werde. Für die praktische Umsetzung seien jedoch klare und rechtssichere Vorgaben durch das Landwirtschaftsministerium in Sachsen-Anhalt notwendig, insbesondere mit Blick auf hygienische Anforderungen.
Abschließend verweist die Grünen-Politikerin auf laufende Prüfungen durch das Bundeskartellamt. Dort wird untersucht, ob im Zuge der aktuellen Entwicklungen eine unzulässige Marktbereinigung vorliegt. Die Konzentration im Schlachtmarkt müsse sorgfältig geprüft werden, um faire Wettbewerbsbedingungen, angemessene Erzeugerpreise sowie Fortschritte beim Tier- und Klimaschutz zu gewährleisten.