Das Land Sachsen-Anhalt setzt verstärkt auf Schülergerichte, auch „Schülergremien“ oder „Teen Courts“ genannt. Wie das Justizministerium mitteilt, werden für die Ausweitung des Projekts im Jahr 2025 rund 130.000 Euro aus dem Europäischen Sozialfonds Plus (ESF+) bereitgestellt. Gefördert werden u. a. die Hallesche Jugendwerkstatt gGmbH, das Jugendförderungszentrum Gardelegen, der Kreis-, Kinder- und Jugendring Mansfeld-Südharz, die IB Mitte gGmbH sowie der Landesverband für Kriminalprävention und Resozialisierung, der die Koordinierung übernimmt.
Justizministerin Franziska Weidinger betonte den präventiven Ansatz: „Schülergerichte senden jungen Straftätern frühzeitig ein klares Signal und eröffnen ihnen gleichzeitig die Chance, Verantwortung zu übernehmen. Dabei entstehen wichtige Kompetenzen wie Teamgeist und Empathie.“ Das erste Schülergremium in Sachsen-Anhalt wurde bereits 2007 im Harz gegründet und hat seither mehrere Hundert Fälle bearbeitet.
Auch die Investitionsbank Sachsen-Anhalt unterstützt das Projekt. Vorstand Marc Melzer erklärte: „Wir investieren damit in die Zukunft junger Menschen. Schülergerichte stärken Eigenverantwortung, vermitteln Werte und tragen dazu bei, Konflikte nachhaltig zu lösen.“
Die Schülergremien befassen sich mit kleineren Delikten wie Diebstahl, Beleidigung oder Körperverletzung. Speziell geschulte Jugendliche sprechen mit den Betroffenen, reflektieren das Verhalten und legen Sanktionen fest – etwa gemeinnützige Arbeit oder schriftliche Auseinandersetzungen mit dem Geschehen. Die Arbeit erfolgt stets in Abstimmung mit den Strafverfolgungsbehörden.
Nach den Plänen des Ministeriums soll das Projekt schrittweise weiter ausgebaut werden. Derzeit laufen Gespräche zur Einrichtung von zwei neuen Schülergerichten.