Der Stadtrat der Stadt Halle (Saale) hat in seiner letzter Sitzung eine Resolution zur Unterrichtsversorgung verabschiedet (siehe unten). In dieser wird die Landesregierung dazu aufgefordert, ihrer Verantwortung im Bereich der Unterrichtsversorgung endlich nachzukommen.
Die antragstellenden Fraktionen (exklusive CDU/FDP-Fraktion) sowie der Stadtschülerrat haben das angehängte Schreiben postalisch an den Ministerpräsidenten des Landes Sachsen-Anhalt Dr. Reiner Haseloff verschickt.
Resolution des Stadtrates
Die Unterrichtsversorgung an den halleschen Schulen ist unzureichend und gefährdet in der jetzigen Form die Bildungserfolge der derzeitigen und zukünftigen SchülerInnen in Halle und in ganz Sachsen-Anhalt. Dies wird in langfristiger Perspektive zur Belastung für die Kommunen im Land. Das Thema hat in den vergangenen Wochen und Monaten seinen Widerhall in der Öffentlichkeit sowie bei den LehrerInnen, den SchülerInnen und bei deren Eltern gefunden.
Vor diesem Hintergrund fordern wir die Landesregierung auf:
– Die Unterrichtsversorgung an allen halleschen Schulen ist
kurzfristig deutlich zu verbessern sowie mittel- bis langfristig
vollumfänglich und nachhaltig sicherzustellen.
– Freie und frei werdende Stellen sind unverzüglich und
vollumfänglich wieder zu besetzen. Die derzeitige Situation ist
umgehend in Vorbereitung der anstehenden Halb- bzw. Schuljahre zu
verbessern.
– Mittel- bis langfristig müssen die notwendigen Schritte zur
Ausbildung einer ausreichenden Zahl von StudentInnen und zum
Verbleib der neu ausgebildeten LehrerInnen im Land eingeleitet
werden. Der Ausschreibungsprozess der zu
besetzenden Stellen soll in Kooperation mit dem Zentrum für
Lehrerbildung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
optimiert und gegebenenfalls vereinfacht werden.
– Die Beschäftigungsbedingungen für LehrerInnen müssen so attraktiv
wie möglich gestaltet werden.
– Es müssen ausreichend und bedarfsgerecht (fächerbezogen)
Referendariatsstellen dauerhaft zur Verfügung gestellt werden.
ReferendarInnen, die sich an ihrer Ausbildungsschule bewerben,
sollen bei der Auswahl besonders berücksichtigt werden.
– Die für die angemessene Betreuung der SchülerInnen notwendige
Zahl von pädagogischen MitarbeiterInnen sowie die flächendeckende
Einführung von Schulsozialarbeit ist nachhaltig sicherzustellen und
die zuletzt vorgenommenen
Einschnitte sind rückgängig zu machen.
– Die zum 31.12.2016 nicht weiter beschäftigten Sprachlehrkräfte an
den halleschen Schulen sind nach Abstimmung mit den
SchulleiterInnen zeitnah wieder einzustellen, um die Integration
der betreffenden SchülerInnen zu ermöglichen.
– Die Ganztagsschulkonzepte des Neuen Städtischen Gymnasiums und
der 2. Integrierten Gesamtschule in Halle (Saale) sind nachhaltig
anzuerkennen und die nötigen Ressourcen zur Umsetzung sind
dauerhaft zur Verfügung zu stellen.
– Im Lehramtsstudium muss die Didaktikausbildung eine tragende
Rolle spielen. Zudem sollten im Studium medien- und
inklusionspädagogische Inhalte vermittelt werden.
gez. Johannes Krause, Vorsitzender SPD-Fraktion Stadt Halle
(Saale)
gez. Dr. Inés Brock, Vorsitzende Fraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN
gez. Dr. Bodo Meerheim, Vorsitzender Fraktion DIE LINKE
gez. Tom Wolter, Vorsitzender Fraktion MitBÜRGER für Halle – NEUES
FORUM
Begründung:
Bereits im Frühjahr 2015 haben sich die Mitglieder des
Bildungsausschusses des halleschen Stadtrates wegen des
Unterrichtsausfalls an den hiesigen Einrichtungen an die
Landesregierung, in Person des Ministerpräsidenten Dr. Reiner
Haseloff, gewandt. Dabei haben die StadträtInnen eindringlich u. a.
auf den Ausfall von Unterrichtsstunden und die grundsätzliche
Altersstruktur der Lehrerschaft im Land Sachsen-Anhalt, die sich
nachhaltig auf die Bildungslandschaft unserer Stadt und darüber
hinaus auswirken, hingewiesen. Zusätzlich hat der Stadtrat der
Stadt Halle (Saale) in seiner Sitzung am 28.10.2015 einstimmig eine
Resolution verabschiedet, die sich ebenfalls an die Landesregierung
richtete und die Problemlagen bei der Unterrichtsversorgung direkt
benannte. Die Situation an den Schulen hat sich seit Beginn des
laufenden Schuljahres allerdings noch verschärft. Zusätzlich hat
der zuständige Bildungsminister durch sein Agieren im Umgang mit
den SprachlehrerInnen die Situation an vielen Schulen im Land– und
auch in Halle – verstärkt. Nun, fast zwei Jahre nach dem o. g.
Brief, zeigt sich, dass die Landesregierung zwar kundtut, das
grundsätzliche Problem erkannt zu haben, allerdings sind derzeit
keine mittel- und langfristigen Lösungsansätze seitens der
Landesregierung und insbesondere des Bildungsministers zu erkennen.
Aktuelle Zahlen für die Stadt Halle und Sachsen-Anhalt insgesamt
zeigen deutlich: Die mangelnde Unterrichtsversorgung ist kein
Problem einzelner Schulformen, sondern ein massives und
grundsätzliches Problem, das strukturell und nachhaltig angegangen
werden muss. Hinzu kommt der Umstand, dass Schulen zum Beispiel in
bestimmten Stadtteilen der Stadt Halle zunehmend Probleme haben,
neue KollegInnen zu finden. Bei der bestehenden Lehrerschaft, den
aktuellen SchülerInnen sowie den Eltern verfestigt sich zunehmend
der Eindruck, dass sie mit der aktuellen Situation alleine gelassen
werden.
4 comments on “Resolution des Stadtrates an den Ministerpräsidenten”
die CDU ist eine echte Volkspartei!
Wenn sie doch nur mal auf ihre Chefin hören würde!
Die hat doch gerade wieder was von Bildung verkündet, als sie mit der Keule auf Schulz einprügelte! 😉
Da kann Frau Merkel blühende Bildungslandschaften versprechen wie sie will. Bildung ist Ländersache und die bestehen auf ihr Kooperationsverbot.
Dass der Stadtrat sich zu dem Thema positioniert, ist großartig. Ich wundere mich wie lange der Elternrat schon die Füße stillhält.
..ahja, exclusive CDU/FDP-Fraktionen… die stehen mehr auf dem Standpunkt, daß sich dummes Volk leichter noch mehr verdummen und gut regieren ließe… wie bezeichnend… Schwarz und Mövenpick in trauter Gemeinsamkeit…