„Trostquadrate“ wurden sie zu DDR-Zeiten genannt: die Kleingärten in den Gartensparten, in denen die Menschen aus den Neubausiedlungen teilweise den ganzen Sommer verbrachten. Es war der Traum vom Paradies, bekanntlich einem blühenden Garten mitten in der Wüste, den die Kleingärtner zu verwirklichen suchten. Über die Situation der 128 Halleschen Kleingartenvereine, die im Stadtverband der Gartenfreunde Halle/Saale e.V. (SVG) zusammengeschlossen sind, berichtete der Vorsitzende Herr Maßalski am 2. 8. auf der Beigeordnetenkonferenz.
Ständig Nachnutzer gesucht!
So werden für freiwerdende Gärten ständig Nachnutzer gesucht, informieren kann man sich darüber auf der Internetseite des Vereins (http://www.sv-gartenfreunde-halle.de/). In den vergangenen Jahren konnten einige Vereine eine Förderung für Baumaßnahmen erhalten, so für die Erneuerung von Zäunen oder die Sanierung von Spielplätzen. Dafür stellt die Stadt im Rahmen von freiwilligen Maßnahmen Mittel zu Verfügung, vorbehaltlich eines genehmigten Haushalts.
Gefragt nach der Zusammenarbeit mit Kindergärten und Schulen
berichtete Herr Maßalski von vergangenen Aktionen mit bisher
mäßiger Resonanz, hier ist in Zukunft noch einiges möglich. Eine
weitere Frage betraf die Nutzung von Gärten durch Menschen mit
Migrationshintergrund. Dazu sagte Herr Maßalski, in allen
Gartenvereinen werden Gärten von dieser Bevölkerungsgruppe genutzt,
aber bisher nicht von Geflüchteten, die erst seit kurzem in Halle
sind. Den Grund sieht er in der rechtlich ungesichterten Situation
der Neuankömmlinge. Sie sind ohne Aufenthaltserlaubnis nicht in der
Lage, rechtlich bindende Verträge mit den Vereinen abzuschließen.
Eine Lösung
hierfür wäre, dass die Organisationen, die nach Gärten für
Geflüchtete fragen (z. B. Kirchengemeinden) selbst Pächter werden
und die Gärten zur Verfügung stellen. Einig waren sich alle
darüber, dass Kleingärten eine gute Möglichkeit darstellen,
miteinander in Kontakt zu kommen und Integration zu fördern. Für
die Geflüchteten stellen sie eine Möglichkeit für eine sinnvolle
und erfüllende Tätigkeit dar. Da die meisten Neuankömmlinge
inzwischen registriert sind und in Kürze über ihren Status
entschieden wird, soll hierüber in Zukunft nochmal gesprochen
werden.
Auch Nichtmitglieder eingeladen!
Die diesjährige Fahrradtour der Gartenfreunde findet am 6.
August als gemeinsame Veranstaltung des Stadtverbandes Halle und
des Kreisverbandes der Gartenfreunde Saalkreis e. V. statt. Auch
Nichtmitglieder sind herzlich eingeladen. Start ist um 9 Uhr am
Parkplatz der Halle-Messe in Bruckdorf. Nähere Informationen gibt
es hier: http://www.sv-gartenfreunde-halle.de/Downloads/Aushang2016Fahrradtour.pdf
Die Bezeichnung „Schrebergarten“ geht übrigens auf den Leipziger
Orthopäden Daniel Gottlob Moritz Schreber (1808 bis 1861) zurück.
Er initiierte eingezäunte Gärten, in denen die Leipziger Kinder
turnen sollten. Erst später wurden in diesen Gärten dann die ersten
Beete angelegt, der Schrebergarten im heutigen Sinne entstand.
Einen Blick auf die deutsche Schrebergartenkultur von außen wirft
Wladimir Kaminer in seinem Buch „Mein Leben in Schrebergarten“
(2007), das allen Gartenfreunden als unterhaltsame Lektüre
empfohlen werden kann.
AK
4 comments on “Radtour durch Halles Gärten am 6. August 2016”
Also ich kann mich nicht erinnern , daß die Kleingärten in der DDR umgangssprachlich „Trostquadrate“ genannt wurden. Scheinbar mal wieder ein begriff , der erst nach der Wende eingeführt wurde. Selbst wenn man bei Google sucht, gibt’s keinen einzigen Eintrag dazu, außer auf den hiesigen.
In unserer Anlage ist das Radfahren verboten. Ich sollte idealerweise Herrn Misch am Sam. zum Kaffee einladen.
Trostquadrate waren die Blockschokolade.
Die Guidoisierung der Geschichtsschreibung treibt schon tolle Blu(ü)ten.
Die DDR-Bürger haben eben viel Trost gebraucht. Bei Wortschöpfungen waren sie immer sehr kreativ (nur Google gabs halt noch nicht). Aber Gärten als „Trostquadrate“ finde ich auch für Geflüchtete sehr passend.