Wenn eine Branche schon immer und noch einmal mehr seit der Corona-Pandemie tagtäglichem Liefer- und Terminstress ausgesetzt ist, sind es die Zustelldienste. Und mit dem erneuten Lockdown beginnt für sie nun vor den Weihnachtstagen erst die stressigste Zeit des Jahres.
Rund 300 Millionen Pakete verschicken die Deutschen zur Weihnachtszeit. In diesem Jahr dürfte sich das Volumen aufgrund steigender Online-Einkäufe noch weiter erhöhen. Dabei gehören die Paketzusteller und Postboten schon jetzt zu den Branchen mit den längsten Ausfallzeiten in Sachsen-Anhalt. Nach den Angaben einer der größten deutschen Krankenkassen, der Barmer, fallen Briefträger, Paketzusteller und Kurierfahrer pro Jahr im Schnitt 29 Tage aus.
„Dass die Fehlzeiten der Post-, Kurier- und Expressdienste den ohnehin schon sehr hohen Schnitt an Krankheitstagen im Land um nochmals 31 Prozent überschreiten, ist bedenklich.“, kommentierte Axel Wiedemann, Landesgeschäftsführer der BARMER in Sachsen-Anhalt: „Um die Paketfahrer zu entlasten, könnte man vielleicht bei der nächsten Lieferung ein paar Schritte entgegengehen, Ablagestellen abstimmen und sich mit einem Lächeln oder einer kleinen Aufmerksamkeit bedanken.“
Rückenleiden ist die häufigste Diagnose
Mit rund neun Tagen gehen etwa 30 Prozent der Fehlzeiten auf
Muskel-Skelett-Erkrankungen zurück, branchenübergreifend sind es in
Sachsen-Anhalt etwa 20 Prozent. „Die mehr als 9.000 Beschäftigten
bei Post-, Kurier- und Expressdiensten in Sachsen-Anhalt machen
einen Knochenjob.“, erklärt Wiedemann. Besonders viele Fehltage der
Zusteller würden in den Monaten Januar, Februar und Dezember
verzeichnet. „Das zeigt, dass die Beschäftigten gerade in der
Zeit vor und nach Weihnachten belastet sind. Wer seine Bestellungen
an eine Packstation schicken lässt, kann die Zusteller ein wenig
entlasten.“
Softwareentwickler sind am gesündesten
Neben Paketzustellern und Postboten verzeichnen auch Beschäftigte
in Pflegeheimen (30,4 Tage), der Öffentlichen Verwaltung (29,6
Tage) oder aus dem Einzelhandel (24,9 Tage) sehr hohe
Ausfallzeiten. Am wenigsten krank sind hingegen die
Softwareentwickler. In dieser Branche kam jeder Beschäftigte in
Sachsen-Anhalt auf 13,7 Krankheitstage. Beschäftigte in der
Forschung fallen 14,7 Tage pro Jahr aus.
Für spürbare Entlastung sorgen
„Die volkswirtschaftlichen Kosten durch Arbeitsunfähigkeiten sind
enorm und animieren immer mehr Unternehmen, Betriebliches
Gesundheitsmanagement (BGM) auf- und umzusetzen.“, sagt Wiedemann.
Gesundheitsförderung sei immer auch eine Führungsaufgabe. Sie könne
allerdings nur erfolgreich sein, wenn die Mitarbeiter aktiv in die
Ausgestaltung einbezogen werden. So ist es beispielsweise auch bei
der Deutschen Post AG und der DHL. Beide arbeiten im Bereich BGM
bereits seit einigen Jahren mit der BARMER zusammen. Im DHL Hub
Leipzig am Flughafen Halle-Leipzig sowie an den Standorten in
Osterweddingen und Barleben (Landkreis Börde) werden regelmäßig
verschiedene Maßnahmen für die Beschäftigten durchgeführt,
beispielsweise medizinische Check Up’s oder Workshops zum Umgang
mit dem Bio-Rhythmus, um speziell Beschäftigte im Schichtsystem zu
unterstützen.