Mit einer Online-Veranstaltung widmet sich der Beauftragter des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur am 14. April 2026 der kulturellen Aufarbeitung von Halle-Neustadt. Der Vortrag ist Teil der Reihe „Aufarbeitung von SED-Unrecht kompakt“ und findet von 17:00 bis 18:00 Uhr statt.
Im Mittelpunkt steht die Planstadt Halle-Neustadt, die in den 1960er Jahren als Wohnort für Arbeiter des mitteldeutschen Chemiedreiecks entstand. Grundlage war ein Beschluss des SED-Politbüros aus dem Jahr 1963. Ziel war es, insbesondere Beschäftigten der Buna-Werke in Schkopau und der Leunawerke modernen Wohnraum zur Verfügung zu stellen.
Die Stadt wurde nicht nur funktional geplant, sondern auch ideologisch aufgeladen. Architektur und Stadtstruktur sollten die Gleichheit der Gesellschaft sichtbar machen. Klassische Straßennamen fehlten, stattdessen dominierten nummerierte Wohnkomplexe. Individuelle Unterschiede sollten im Stadtbild bewusst nicht erkennbar sein. Heute wird diese Bauweise häufig dem architektonischen Stil des Brutalismus zugeordnet.
Unter dem Titel „Der Aufbau von Halle-Neustadt in Literatur und Film der DDR“ analysiert der Germanist Stepan Ehrig, wie diese sozialistische Stadtvision in kulturellen Werken verarbeitet wurde. Ehrig lehrt an der University of Glasgow und veröffentlichte 2025 das Buch „Neubau Atmospheres“, das sich mit der kulturellen Rezeption modernistischer Architektur in der DDR befasst.
Die Veranstaltung ist öffentlich, eine Anmeldung ist erforderlich. Interessierte erhalten die Zugangsdaten nach vorheriger Registrierung per E-Mail oder telefonisch.
Ein weiterer Termin der Reihe ist bereits angekündigt: Am 28. April 2026 spricht die Historikerin Elena Kiesel (Universität Erfurt) über das Thema „Freiwilligkeit in der DDR und die Neuererbewegung“.