Der Online-Kauf von Lebensmitteln erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Doch wie verlässlich sind die Informationen, die Verbraucher bei ihren Bestellungen im Internet erhalten? Eine aktuelle Marktuntersuchung der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt wirft einen kritischen Blick auf die Online-Angebote führender Anbieter und deckt gravierende Mängel bei der Kennzeichnung von Lebensmitteln auf.
In einer umfangreichen Stichprobe von 250 Produkten aus den Kategorien Kaffee, Tee, Süßigkeiten, herzhafte Snacks und alkoholfreie Getränke, die zwischen Juni und August 2025 bei den fünf größten Online-Anbietern Amazon, Edeka, Knuspr, Motatos und Rewe erworben wurden, stellten die Prüfer insgesamt 263 Abweichungen fest. Schockierend: Jedes zweite Produkt entsprach nicht den rechtlichen Anforderungen. Besonders gravierend waren 74 der festgestellten Mängel, da sie gesundheitsrelevante Angaben betrafen, die für sensible Verbrauchergruppen wie Allergiker, Schwangere oder Säuglinge von entscheidender Bedeutung sind.
„Fehlende Hinweise zu Allergenen oder zum erhöhten Koffeingehalt können erhebliche gesundheitliche Risiken darstellen“, erklärt Nele Huke-Niemeyer, Referentin im Bereich Lebensmittel bei der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt. „Darüber hinaus ist es eine klare Täuschung, wenn Produkte mit wertgebenden Zutaten wie Schokolade in Kaffee beworben werden, die in Wirklichkeit gar nicht enthalten sind, oder wenn eine größere Füllmenge als die tatsächlich gelieferte angegeben wird. In diesen Fällen zahlen Verbraucher unwissentlich mehr für weniger.“
Besonders auffällig waren die Verstöße bei den Anbietern Amazon und Motatos, bei denen wiederholt gravierende Abweichungen festgestellt wurden. Die meisten dieser Fehler traten in den Kategorien Süßigkeiten und alkoholfreie Getränke auf, gefolgt von Tee. Die Online-Shops von Rewe und Edeka schnitten insgesamt besser ab, mit nur sechs gravierenden Mängeln, wobei sie dennoch auf kleinere Verstöße hingewiesen wurden.
Neben den gravierenden Kennzeichnungsmängeln wurden auch formale Fehler wie falsche Nährwertangaben (z. B. Nährwerte in Gramm bei einem Getränk) oder das Fehlen von Begriffen wie „Zutaten“ im Zutatenverzeichnis festgestellt. Diese Fehler sind zwar weniger schwerwiegend, tragen jedoch zur Verwirrung der Verbraucher bei.
Was muss im Online-Lebensmittelhandel angegeben werden?
Online-Anbieter sind verpflichtet, vor dem Kauf alle Informationen bereitzustellen, die auch auf der Verpackung des Produkts im Supermarkt zu finden sind – mit Ausnahme des Mindesthaltbarkeitsdatums. Zu den Pflichtangaben gehören:
- Die Bezeichnung des Lebensmittels
- Das Zutatenverzeichnis (einschließlich der Mengenangaben bestimmter Zutaten und Allergenhinweise)
- Eine Nährwerttabelle
- Die Füllmenge des Produkts
- Angaben zum Hersteller
- Der Gesamtpreis und der Preis pro Kilogramm (Grundpreis)
Für bestimmte Produkte gelten zusätzliche Vorgaben, wie etwa Kennzeichnungen bei Erfrischungsgetränken mit hohem Koffeingehalt oder spezielle Hinweise für Bio-Produkte. Es ist wichtig zu wissen, dass für die Richtigkeit der Angaben der Online-Shop verantwortlich ist – nicht der Hersteller des Produkts.
Tipps für Verbraucher beim Online-Lebensmittelkauf
Die Verbraucherzentrale gibt folgende Empfehlungen für den sicheren Online-Lebensmittelkauf:
- Achten Sie auf die Vollständigkeit und Plausibilität der Pflichtangaben.
- Im Zweifel vom Kauf absehen oder den Hersteller direkt kontaktieren.
- Insbesondere sensible Gruppen wie Allergiker und Schwangere sollten nach Lieferung noch einmal die Verpackungsangaben und Hinweise sorgfältig prüfen.
- Entspricht das gelieferte Produkt nicht den Angaben aus dem Online-Shop, kann es reklamiert werden.
Fazit:
Die Untersuchung zeigt, dass Verbraucher im Online-Lebensmittelhandel Vorsicht walten lassen sollten. Mangelhafte Kennzeichnungen und irreführende Angaben stellen nicht nur ein gesundheitliches Risiko dar, sondern können auch zu finanziellen Verlusten führen. Die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt fordert die betroffenen Anbieter auf, die festgestellten Mängel umgehend zu beheben, um das Vertrauen der Kunden in den Online-Handel zu stärken.