Skip to content
HalleSpektrum.de – Onlinemagazin aus Halle (Saale) Logo

Nicht nur Seifenschaum: Vier Millionen für die Chemie der Gegensätze: DFG verlängert Graduiertenkolleg „Amphiphilie plus“ an der MLU

Eine der rätselhaftesten und zugleich grundlegendsten Eigenschaften von Molekülen steht weiter im Fokus der Spitzenforschung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU). Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat das Graduiertenkolleg „Amphiphilie plus“ um weitere viereinhalb Jahre verlängert – mit einer großzügigen Förderung in Höhe von vier Millionen Euro. Damit würdigt sie die exzellente Arbeit eines interdisziplinären Teams, das sich einem Phänomen widmet, das buchstäblich Brücken zwischen Gegensätzen schlägt: der Amphiphilie – der gleichzeitigen Liebe zu Fett und Wasser.

„In der Natur ist Amphiphilie weit mehr als eine chemische Kuriosität – sie ist ein zentrales Strukturprinzip“, sagt Prof. Dr. Dariush Hinderberger vom Institut für Chemie, Sprecher des Graduiertenkollegs. Seife ist das populäre Beispiel, das jeder kennt: Sie kann sowohl Öl als auch Wasser binden. Doch was in der Küche oder im Bad nützlich ist, bildet auf molekularer Ebene die Grundlage für Leben. Denn viele biologische Makromoleküle – etwa Proteine, Membranen oder komplexe Polymere – funktionieren nur deshalb, weil sie amphiphile Eigenschaften besitzen.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der MLU – aus Chemie, Physik, Biochemie und Mathematik – haben in der ersten Förderphase (2021–2025) nicht nur acht Promotionen abgeschlossen und 67 Publikationen in internationalen Fachzeitschriften vorgelegt. Sie haben vor allem ein neues Verständnis selbstorganisierender Molekülsysteme entwickelt. „Wir betrachten nicht mehr nur einzelne Wechselwirkungen, sondern die Gesamtheit der Kräfte zwischen Molekülen“, so Hinderberger. Dieses holistische Prinzip sei zwar komplexer, erlaube aber tiefere Einsichten in das Zusammenspiel molekularer Ordnungsprozesse – etwa, wie sich aus scheinbarem Chaos Struktur bildet.

Die zweite Phase des Kollegs wird diesen Ansatz weiterverfolgen und vertiefen. Neben der Forschung steht dabei die wissenschaftliche Nachwuchsförderung im Mittelpunkt: Promovierende erhalten nicht nur eine strukturierte Ausbildung mit Kursen in Methodik und Grundlagenwissen, sondern auch die Chance, eigene kleine Forschungsprojekte zu leiten. Ein „Student-Talent-Programm“ ermöglicht es sogar Bachelor- und Masterstudierenden, frühzeitig an der Forschung teilzuhaben. Künftig sollen auch internationale Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler über Stipendien eingebunden werden.

Schreibe einen Kommentar