Bereits seit 1993 ist Halle in der beliebten Kalenderserie „Städtekalender“ vertreten, die mit historischen Ansichten ein Stück Heimatgeschichte von fast siebzig deutschen Städten dokumentiert. Der 2027er-Kalender ist also bereits die 35. Ausgabe, wobei es bei den Ansichten über all die Jahre kaum Wiederholungen gab.
Der Wandkalender bringt 13 Bilder, die der Ansichtskarten- und Heimatsammler Bernd Mutschke aus Halle zur Verfügung gestellt hat. Die dreizehn historischen Stadtansichten hat er außerdem mit kompakten Informationstexten versehen.
Das Titelblatt präsentiert einen Blick von der Bernburger Straße in den Mühlweg im Jahr 1906. Das Januarblatt zeigt den historischen Gasthof „Zum Mohr“, der seit Jahren geschlossen ist. Im Februar folgt eine historische Ansicht der ehemaligen Mittelschule Torstraße (heute Georg-Cantor-Gymnasium). Das Märzmotiv gibt selbst für Hallenser einige Rätsel auf, während der April einen Blick in die Südstraße im Jahr 1897. Sie war eine der ersten Straßen des neuen Baugebietes. Der Mai entführt in die Richard-Wagner-Straße, wo sich 1912 noch eine Bauschlosserei befand, während das Junimotiv die Villa des Bankiers Emil Steckner am Kirchtor 6 (heute Neuwerk 7) zeigt.
Auf den weiteren Kalenderblättern staunt der Betrachter im Juli über eine der vielen Pulverweiden Badestellen, die ab 1826 entlang der Saale den Badebetrieb eröffneten. Der August zeigt eine Ansichtskarte von 1906 mit einem Blick auf das nördliche Ende der Richard-Wagner-Straße und die katholischen Kirche „St. Norbert“ im Hintergrund. Auch der September präsentiert eine Ansichtskarte (1905) mit einem Blick in den Amselgrund mit dem sogenannten Fährfelsen und dem Bergschenkenfelsen. An den Kirchenbau „Zur heiligsten Dreieinigkeit“ in der Lauchstädter Straße in den Jahren 1928 bis 1930 erinnert die Oktoberabbildung. Das Novembermotiv gewährt schließlich einen Blick in die Klosterstraße mit der Mittelschule Klosterstraße, die um 1900 errichtet wurde. Heute befindet sich hier die Berufsbildende Schule V für Berufe in der Gesundheit, Körperpflege und Sozialpädagogik. Den Abschluss im Dezember bildet dann eine Winteraufnahme des ehemaligen Kinos „Astoria“, das 1914 an der Alten Promenade (heute Moritzburgring) öffnete. Viele ältere Hallenser*innen können sich sicherlich noch an das spätere „Urania“ (ab 1968) erinnern.
Der Kalender mit seinen jährlich wechselnden Motiven ist längst zu einer wahren Fundgrube für Sammler und Regionalforscher geworden. Wer nun alle 35 Ausgaben besitzt, hat immerhin einen respektablen Fundus von rund 400 historischen Halle-Ansichten. Der Wandkalender ist nicht nur für Alt-Hallenser eine interessante monatliche Entdeckungsreise.
„Halle/Saale gestern 2027“, m+m Verlag (Müllenbruch + Minkenberg) Heinberg 2026, 13 Blatt (29 x 32 cm), 18,50 €, ISBN 978-3-96166-750-5