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Nach Intel-Fiasko neuer Hoffnungsträger: Chiphersteller FMC plant Fabrik bei Magdeburg

Ein halbes Jahr nach der vorläufigen Intel-Absage bahnt sich ein neuer Meilenstein für den Halbleiterstandort Sachsen-Anhalt an: Die Dresdner Ferroelectric Memory Company (FMC) will im High-Tech Park Sülzetal eine moderne Speicherchipfabrik errichten. Das Projekt gilt als bedeutender Schritt in Richtung europäischer Technologiesouveränität – und könnte dem Standort neuen Schub verleihen.

Während die hochfliegenden Pläne des US-Konzerns Intel für eine Chipfabrik bei Magdeburg weiter auf Eis liegen, kündigt sich ein neuer Hoffnungsträger an: Die in Dresden ansässige Ferroelectric Memory Company (FMC) plant den Bau ihrer ersten eigenen Produktionsstätte – auf rund 100 Hektar im Sülzetaler High-Tech Park südlich von Magdeburg. Das teilte das Unternehmen am Freitag mit.

Mit der neuen Fabrik will FMC nach eigenen Angaben hochmoderne Speicherchips entwickeln, die insbesondere im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) und Rechenzentren zum Einsatz kommen sollen. Ziel sei es, Europas Abhängigkeit von außereuropäischen Chip-Lieferanten zu verringern. „Wir wollen die europäische Technologiesouveränität und Resilienz bei systemkritischen Speicherchips stärken“, sagte Geschäftsführer Thomas Rückes.

Milliardenprojekt soll Standort beleben

Nach der zwischenzeitlichen Verunsicherung infolge der Intel-Verschiebung sieht Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Sven Schulze (CDU) in FMC einen wichtigen Baustein für die Entwicklung der Region. „Es ist ein Projekt in Milliardengröße“, sagte Schulze. Eine Absichtserklärung mit dem Land solle zeitnah unterzeichnet werden. Auch wenn die ursprünglichen Intel-Pläne derzeit ruhen, bleibe man mit dem US-Konzern im Gespräch. „Intel ist damit nicht vom Tisch“, betonte der Minister.

FMC selbst hofft auf eine staatliche Förderung in Höhe von rund 1,3 Milliarden Euro. Die Gespräche mit dem Bund und der EU laufen. Gleichzeitig konkurriert das Projekt mit über zwanzig weiteren Chipvorhaben in Deutschland, die auf ähnliche Mittel hoffen.

Ein zukunftsweisendes Signal aus dem Sülzetal

Der Fraktionsvorsitzende der CDU im Landtag, Guido Heuer, sieht in der geplanten Ansiedlung einen „Meilenstein für den Halbleiterstandort Sachsen-Anhalt“. Gemeinsam mit dem wirtschaftspolitischen Sprecher Ulrich Thomas betonte er die strategische Bedeutung des Vorhabens. Thomas sagte: „Die geplante Speicherchipfabrik wird Impulsgeber für die weitere Entwicklung der Chipindustrie in der Region.“ Das Projekt sei kein Ersatz, sondern eine weitere tragende Säule – neben den langfristigen Intel-Plänen.

Auch vor Ort wird die Entwicklung mit Hoffnung und Begeisterung aufgenommen. Sülzetals parteiloser Bürgermeister Jörg Methner sprach von einer „ganz tollen Sache für die Region“. Die Landesentwicklungsgesellschaft, die den High-Tech Park betreut, sieht FMC als möglichen Anker-Investor, der auch weitere Zulieferer und Technologiefirmen anziehen könnte.

Wissenschaftlich gegründet, international unterstützt

FMC wurde 2016 im Umfeld der Technischen Universität Dresden gegründet. Die neuartigen Speicherzellen des Unternehmens gelten als energieeffizienter und robuster als herkömmliche Lösungen – ein entscheidender Vorteil für KI-Anwendungen. Zu den Investoren zählen namhafte Firmen wie Bosch, Air Liquide und Merck.

Das geplante Werk wäre die erste eigene Fertigungsstätte von FMC. Bisher ließ das Unternehmen seine Speicherchips in Fremdfabriken produzieren. Mit der neuen Anlage will man auch in der industriellen Umsetzung selbstständig werden – und sich dauerhaft in Sachsen-Anhalt verankern.

Noch viele Schritte notwendig

Bis die ersten Chips aus dem Sülzetal rollen, sind noch viele Hürden zu nehmen: Finanzierung, Genehmigungsverfahren, Bauplanung. Doch die Richtung stimmt. „Die Pläne senden ein wichtiges Signal in die Region: Es geht voran!“, fasste CDU-Fraktionschef Heuer zusammen.

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